Reformation im Blickpunkt

(Foto: Heiner Heine)

Es kommt selten vor, dass sich die Erklärung komplexen Weltgeschehens in einer einzelnen Person verdichten lässt – wie bei Martin Luther, der mit seinen Thesen, seinen Schriften und seinen Taten Dinge in Gang setzte, die die Welt verändert haben. Die Erkenntnis aber, dass eine Vielzahl von Menschen und Ereignisketten ihren Anteil daran hatten, lässt die Reformation zu einem dauerhaften Prozess werden. Wie bei einem Staffellauf wurden die Ideen der Reformation von Generation zu Generation weitergetragen und fortentwickelt. Der Pietismus ist ein Beispiel dafür, wie zum Ende des 17. Jahrhunderts eine Bewegung entstand, die im Anschluss an den reformatorischen Aufbruch das gesellschaftliche Gefüge infrage zu stellen vermochte und eine umfassende Bildungsoffensive ebenso wie eine konsequente Bibelverbreitung auf den Weg brachte. Auch heute noch geht es umgerechte Bildungszugänge, sozialen Ausgleich und gesellschaftliche Teilhabe. Das Beispiel des Halleschen Pietismus zeigt, dass sich schon die Zeitgenossen vor 300 Jahren dieser Aufgaben mit großem Ernst angenommen haben und gegen alle Widerstände Verbesserungen für die Gesellschaft erstreiten konnten. Jener Pietismus war es auch, der das Luthertum systematisch über die Grenzen Europas hinausgetragen hat, so dass das Reformationsjubiläum heute als ein weltweites Ereignis gefeiert wird. Bis heute pflegen die Franckeschen Stiftungen zahlreiche internationale Beziehungen. Zur Eröffnung des Jahresprogramms im Reformationsjubiläum 2017 erwartet die Stiftung zur Francke-Feier vom 24. bis 26. März hochrangige Diplomaten und zahlreiche Delegationen ihrer Kooperationspartner aus Europa und Übersee und stellen auf vielfältige Weise die weltweiten Beziehungen der Stiftungen in Geschichte und Gegenwart vor. Dazu laden die Franckeschen Stiftungen herzlich ein!

Programmüberblick zur Francke-Feier 2017

Freitag, 24.3., 18.30 Uhr / Freylinghausen-Saal
25. Solistenabend des Freundeskreises der Franckeschen Stiftungen
Lia Sophia Gets-Bermann (Klavier), Lotte Schutrak (Oboe), Berenike Beckhaus (Violoncello)

Samstag, 25.3., 10 bis 17 Uhr / Back- und Brauhaus
Schaubacken im historischen Backofen
Francke-Roggenbrot aus dem historischen Backofen, Café und Informationen

Samstag, 25.3., 10 bis 15 Uhr / Krokoseum
Familienprogramm
Kinder und Familien sind zu einer kreativen Reise rund um die Welt eingeladen.

Samstag, 25.3., 11 Uhr / Freylinghausen-Saal
Festveranstaltung zur Eröffnung des Jahresprogramms im Reformationsjubiläum 2017
Mit einer Festrede von Hellmut Seemann, Präsident der Klassik Stiftung Weimar

Samstag, 25.3., 13.30 Uhr / Historisches Waisenhaus und Kulissenbibliothek
Franckesche Stiftungen weltweit – Themenrundgang

Samstag, 25.3., 15 Uhr / Lindenhof
Gedenkstunde am Francke-Denkmal

Samstag, 25.3., 17 Uhr / Historisches Waisenhaus
„Wie viel gutes könnte nicht aus solchem Commercio nationum entstehen?“
Gesprächsrunde mit Partnern der Stiftungen aus Indien, Amerika, Russland, Dänemark, Großbritannien, Polen und Ungarn.

Sonntag, 26.3., 10 Uhr / Marktkirche
Festgottesdienst in der Marktkirche

Sonntag, 26.3., 16 Uhr / Freylinghausen-Saal
Konzert – Von Halle nach London
Das Alumniorchester und das Kammerorchester der Latina spielen in großer Besetzung Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy, Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel.

Sonntag, 26.3., 18 Uhr / Paul-Raabe-Saal, Latina
Feridun Zaimoglu liest aus „Evangelio“
Feridun Zaimoglus neuer Roman erzählt von Martin Luther, einer Zeit im Umbruch und der Macht und Ohnmacht des Glaubens.

Höhepunkte in den Franckeschen Stiftungen

(Foto: Uwe Frauendorf)

Gesprächsreihe / am 5.4. um 18 Uhr im Paul-Raabe-Saal
Gespräch mit Christina Aus der Au
Christina Aus der Au, die Präsidentin des Deutschen Evangelischen Kirchentages, stammt aus der Schweiz. Sie ist Geschäftsführerin des Zentrums für Kirchenentwicklung an der Universität Zürich und Professorin für Dogmatik an der Universität Basel. Promoviert hat sie über Umweltethik, habilitiert zum Menschenbild in Theologie und Neurowissenschaften. Was treibt sie an? Welche Reformatoren stehen Seite an Seite in ihrem Büro? Und was passiert, wenn christliche und säkulare Weltsicht aufeinanderprallen? Christina Aus der Au stellt sich den Fragen über Gott und die Welt von Friedrich Kramer (Ev. Akademie Sachsen-Anhalt).

Ausstellungseröffnung / am 4.5. um 19.30 Uhr im Freylinghausen-Saal
Du bist frei. Poetry Slam
Martin Luther wäre vermutlich ein guter Poetry Slammer gewesen! Um zu zeigen, wie aktuell die Reformation heute noch ist, hat die Staatliche Geschäftsstelle „Luther 2017“ die besten Poetry Slammer des Landes eingeladen, zu den Themen „Sprache“ „Bildung“ und „individuelle Freiheit“ mit eigenen Texten in einen Wettstreit zu treten. Vier Poeten, darunter Johannes Berger, deutscher U20 Slam-Meister, und Anke Fuchs, Gewinnerin des ZDFkultur-Slams, treten zur Eröffnung der Jahresausstellung „Du bist frei. Reformation für Jugendliche“ nochmals gegeneinander an.

Jahresausstellung / vom 5.5. bis 26.11. im Historischen Waisenhaus
Reformation für Jugendliche
Die Reformatoren haben an der Schwelle zur Neuzeit Fragen zum Individuum, zur Gemeinschaft und zum Handeln in der Welt aufgeworfen, die sich viele heute noch ganz ähnlich stellen. Die Ausstellung ist ein moderner Thesenanschlag, damit ein Experiment und eine Einladung, aus jugendlicher Perspektive die Welt zu hinterfragen. Sie wählt dafür ungewöhnliche Mittel und Wege: Room Escape-Spiele, moderne Filmkunst, Selfie-Stationen, Musik-Sampler und weitere interaktive Aktionsfelder beziehen die Besucherinnen und Besucher in das Ausstellungsgeschehen direkt ein. Sie haben hier die Möglichkeit zu kooperieren, zu kombinieren, zu kommunizieren oder auch zu komponieren und werden so vom Betrachter zum Mitgestalter des Ausstellungsrundgangs.

Symbolisches Bauwerk und Kunstaktionen / vom 19.5. bis 26.11. auf dem Franckeplatz
Wortwürfel
Ein kreativer Aktionsraum auf der Wiese vor dem Historischen Waisenhaus wird das Zentrum des Begleitprogramms zur Ausstellung „Du bist frei“. Im Wortwürfel können vormittags Schulklassen den Parallelen zwischen ihrer Lebenswelt und den reformatorischen Fragestellungen auf den Grund gehen. Der Wortwürfel ist Werkstattraum, Projektions- und Ausstellungsfläche und lädt zu regelmäßigen Abendveranstaltungen ein, darunter Do-it-yourself-Aktionen mit der Initiative „Hafenstraße7“, ein Fahrradkinoabend, ein Gospelkonzert mit JOY´N´US und weitere Höhepunkte.

Familienfest / 17. und 18.6. auf dem Gelände der Stiftungen
Historisches Lindenblütenfest
„Gott will, dass wir fröhlich seien, und hasst die Traurigkeit.“ Unter diesem Motto wird sich das Historische Lindenblütenfest im Reformationsjubiläum auf unterhaltsame und kreative Weise der Reformationsgeschichte zuwenden. Verbindungen zwischen dem Mittelalter, dem 18. Jahrhundert und heute werden in Gastronomie, Theater und über 100 Angeboten für die ganze Familie erlebbar. Wir beschäftigen uns mit Himmel und Hölle, mit Aberglauben, Sinnenfreuden, Fröhlichkeit und Zuversicht. Auf Teufel, komm raus!

Vortragsreihe und Finissage / vom 18.10. bis 22.11., Historisches Waisenhaus
Perspektiven der jungen Generation …
… auf die Gesellschaft und die Welt: An drei als Denkwerkstätten konzipierten Abenden soll das Verhältnis von Freiheit und Unfreiheit im Jugendalter bedacht werden. Nach Impulsvorträgen von renommierten Persönlichkeiten, die sich lebenslang wissenschaftlich mit zentralen Fragen der Gesellschaft und Politik beschäftigt haben, soll es zu Gesprächen über Familie, Erziehung und Partizipation zwischen Fachleuten und Jugendlichen, zwischen den Generationen kommen. Zur Finissage der Jahresausstellung „Du bist frei“, ist am 22. November der Jugendforscher Prof. Klaus Hurrelmann zu Gast.