Arthur Epperlein – ein hallescher Karikaturist

„ und wir dachten: 6 Meter breit und 3 Meter hoch“! Arthur Epperlein (1919-1995), veröffentlicht im sogenannten Epper Buch „Bitte mal lachen!“ von 1974. (Mit freundlicher urheberrechtlicher Genehmigung von Frau Kornelia Küster.)

Im Bücherregal vieler älterer Hallenser findet man sicher eine Reihe schmaler Bändchen mit einem auffällig knallbunten Einband: Epper-Bücher. Neu-Hallenser werden dagegen mit dem Namen überhaupt nichts anfangen können. Ein Grund also, sich einmal auf die Spuren von „Epper“ zu machen – immerhin begeht die Stadt an der Saale in diesen Tagen seinen 100. Geburtstag.

Um es gleich vorweg zu sagen: Epper hieß eigentlich Arthur Epperlein und erblickte am 4. Juni 1919 in Danzig das Licht der Welt. Sein strenger Vater Max war preußischer Militärmusiker, der nach der Beendigung seiner militärischen Laufbahn nach Halle gewissermaßen ins zivile Leben versetzt wurde, wo er als Oberinspektor im Versorgungsamt tätig war. Später brachte er seinem Sohn mit fast soldatischer Disziplin das Klavierspielen bei.

In Halle besuchte der kleine Arthur auch die Schule, sein Talent in den künstlerischen Fächern, vor allem beim Zeichnen, fiel dort früh auf. Die naturwissenschaftlichen Fächer waren dagegen nicht sein Metier, so dass er wohl sogar einmal sitzenblieb. Trotzdem legte er 1938 sein Abitur ab und begann ein Studium an der Staatlichen Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig. Die glückliche Studentenzeit war aber nach sechs Semestern vorbei, der Zweite Weltkrieg rief Epperlein 1941 zu den Waffen, und auf dem Fliegerhorst in Altenburg erhielt er seine Rekrutenausbildung. Nach einer schweren Erkrankung („Nur noch bedingt kriegsverwendungsfähig“) wurde er Sanitätsfeldwebel und studierte Medizin. Das Ende des Krieges erlebte Epperlein schließlich in Italien, wo er in englische Gefangenschaft geriet.



Im Mai 1946 hatte es Epperlein dann ins Ruhrgebiet, nach Essen, verschlagen, dort fand er schnell Arbeit als Unterhaltungsmusiker. Gleichzeitig wurde er KPD-Mitglied und konnte sich als Plakatmaler etwas dazuverdienen. Im Herbst des Jahres, als der Vater schwer erkrankte, machte sich der Sohn auf den Weg nach Halle. Hier verdiente sich Epperlein zunächst als Konzertpianist an der halleschen Oper und mit kleinen Werbeaufträgen sein tägliches Brot.

1950 konnte sich Epperlein als freischaffender Grafiker mit einem kleinen Atelier in der Innenstadt etablieren. Ab Ende 1953 erschienen dann die ersten kleinen Illustrationen (meist zur Bebilderung von Leserbriefen) in der damaligen Freiheit (SED-Organ des Bezirkes Halle, heute Mitteldeutsche Zeitung). Es waren noch keine Karikaturen, die ihn später so bekannt machten – aber immerhin der Beginn einer fast 40 Jahre währenden Zusammenarbeit mit der Zeitung.

Über Jahre hinweg signierte Epperlein seine Illustrationen mit einem schlichten „E“. 1956 tauchte auf seinen Zeichnungen der Namenszug „Epper“ auf und seine Karikaturen erschienen ziemlich regelmäßig auf der letzten Seite der Freitagsausgaben. Die Hallenser scherzten, dass sie an diesem Wochentag die Zeitung von hinten beginnen würden. Fehlten die Witzzeichnungen einmal, hagelte es in der Redaktion Leserbeschwerden. Trotzdem dauerte es noch einige Jahre, bis Epperlein seine persönliche und unverwechselbare künstlerische Handschrift gefunden hatte. In den 1960er Jahren erschienen die ersten Epper-Bücher, die schnell zum gefragten Sammlerobjekt wurden.

Die Leser liebten seine Karikaturen, in denen er oft den sozialistischen Handel, die Handwerker oder die Bürokraten auf die humoristische Schippe nahm. Die Anregungen fand Epperlein im Alltag, auf der Straße, beim Arzt, im Museum, im Zoo …, aber auch in der Fantasie (in Ritterburgen, im Harem oder im Weltall). Kein Wunder also, dass man auch außerhalb der Saalestadt auf ihn aufmerksam wurde. So konnten sich zum Beispiel Leser in der Sowjetunion, in Bulgarien und anderen Ländern an seinen Zeichnungen erfreuen. Selbst in der Presse des „Klassenfeindes“ – wie der Welt, der Frankfurter Rundschau oder der Hamburger Morgenpost – wurde Epper abgedruckt. Trotz des internationalen Zuspruchs blieb Epperlein Halle und seinem „Presseorgan“ treu. Am 29. Dezember 1995 starb Arthur Epperlein, der einmal von sich sagte, dass er „ganz übler Laune sei, wenn [er] Witze machen muss“.

Seit vielen Jahren werden die rund zwanzig Epper-Bücher in Reprint-Ausgaben vom Verlag & Verlagsservice Rüdiger Schneidewind herausgegeben, wo 2016 mit „Das etwas andere Epperbuch“ auch eine Epper-Biografie von Heinz Grünklee erschien. Sie soll zum diesjährigen Jubiläum eine umfassende Erweiterung erfahren. Vom 29. August bis 13. Oktober wird es im Stadtmuseum noch eine umfangreiche Ausstellung zum 100. Geburtstag des halleschen Karikaturisten geben – schließlich gehört Humor auch zur Stadtgeschichte.