Die Firma Gebauer-Schwetschke (1733–1947)

Großer Berlin Nr. 14 – Standort des Verlags Gebauer von 1744 bis 1764 (Foto: Stadtarchiv Halle, Fotonachlass Fritz Möller, S 9.1.MÖLL, Möll 469)

Für einige Hallenserinnen und Hallenser sind mit dem Namen Gebauer-Schwetschke noch lebendige Erinnerungen verbunden, da in der vormaligen Druckerei dieses Unternehmens bis 1990 die hallesche Freiheit und anschließend bis 1992 die Mitteldeutsche Zeitung hergestellt wurde. Der heute vom Stadtmuseum genutzte Gebäudekomplex um den Hinterhof des Christian-Wolff-Hauses entstand zum größten Teil im 19. und frühen 20. Jahrhundert als Stammsitz der Firma.

Daran und vor allem an die Anfänge des Verlags um die Mitte des 18. Jahrhunderts erinnert heute die erst seit den letzten Jahren im Untergeschoss des Stadtmuseums in der Großen Märkerstraße zu besichtigende Ausstellung zur Familie Gebauer als wichtiger Abschnitt der Nutzungsgeschichte des Hauses. Ausführlichere Informationen sind in der Monographie des damaligen Stadtarchivars Erich Neuß zu Gebauer-Schwetschke nachzulesen, die 1933 anlässlich des 200jährigen Gründungsjubiläums erschien. Weitere Spuren des früheren Wirkens der Firma in Halle sind neben diversen Druckerzeugnissen, Informationstafeln und Straßennamen etc. das ab 1744 bis zum Umzug in das Christian-Wolff-Haus 1764 als Geschäftssitz genutzte Gebäude am Großen Berlin und das Erbbegräbnis im Schwibbogen Nr. 36 des Stadtgottesackers.

Heute nicht mehr erhalten ist das 1907 abgerissene und unmittelbar danach durch ein neues Haus ersetzte erste Firmengebäude in der Rannischen Straße 11, in dem die Druckerei der Witwe Dorothea Juliane Orban untergebracht war, die Johann Justinus Gebauer 1733 aufkaufte, nachdem er dort im Anschluss an seine Jenaer Lehrzeit bereits ein Jahr als Druckereifaktor angestellt war. Bald darauf begann Gebauer, selbst Werke wie die bedeutende Luther-Ausgabe unter der Herausgeberschaft Johann Georg Walchs, eine ganze Reihe wichtiger Journale und die vielbändige Allgemeine Welthistorie zu verlegen, die von 1744 bis 1814 erschien. Nach dem Tod des Gründers 1772 ging das Geschäft auf seinen Sohn Johann Jacob Gebauer über, dessen Tochter 1797 Carl August Schwetschke heiratete, der seit 1782 Mitinhaber des ebenso bedeutsamen Verlagskonsortiums Hemmerde & Schwetschke in Halle war. Die so hergestellte familiäre Verbindung führte nach dem Tod Johann Jacob Gebauers 1818 zur Firmenfusion Gebauer-Schwetschke.

Die bis nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges andauernde Unternehmensgeschichte ist authentisch dokumentiert durch das heute im Stadtarchiv Halle verwahrte Verlagsarchiv Gebauer-Schwetschke, das Originaldokumente von 1728 bis um 1930 in weit über 200 Archivkartons umfasst. Die Schriftstücke, darunter zahlreiche Briefe bekannter Persönlichkeiten wie auch Manuskripte, geben Auskunft über die Entstehungsgeschichte vieler wichtiger Publikationen, die nach wie vor große wissenschaftliche Beachtung finden. Sie belegen die sich in ganz Europa zwischen Skandinavien und Italien im Norden und Süden sowie England und Russland im Westen und Osten erstreckenden Geschäftsverbindungen, außerdem werden dadurch die Abläufe in der Druckerei ebenso wie Details zur Familien- und Firmengeschichte konkret nachvollziehbar. In weiteren Beständen des Stadtarchivs wie den Schriftwechseln der Schulverwaltung mit der Sowjetischen Militär- Kommandatur sowie den Beständen Oberbürgermeister und Besatzungsamt finden sich Akten zur 1946 erfolgten teilweisen Demontage und anschließenden Enteignung dieses halleschen Traditionsunternehmens.

In den wissenschaftlichen und ökonomischen Erfolgen des Verlags seit seiner Gründung manifestiert sich die enorme geistige Strahlkraft der halleschen Universität in den ersten beiden Jahrhunderten ihres Bestehens, zu der Gebauer-Schwetschke und andere Firmen Halles wie die Waisenhausbuchhandlung, Renger oder Hendel wiederum einen entscheidenden Beitrag leisteten.

(Marcus Conrad, Kulturfalter März 2015)

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