Kulturfalters Bandsteckbrief mit ZweiSaiten

In Mitteldeutschland gibt es eine lebendige Musikszene, bestehend aus vielen Bands und Musikern. Oft kündigen wir ihre Konzerte bei uns an. Doch in unserer Reihe „Entdeckung der Woche“ wollen wir Ihnen in loser Reihenfolge einige der Bands genauer vorstellen. Unseren nächsten Steckbrief beantwortet Martin Wißner von der halleschen Band „ZweiSaiten“.

Wie lange gibt es die Band „ZweiSaiten“ schon, und wie habt ihr euch kennengelernt?

Vor knapp 4 Jahren habe ich Kai bei einem Konzert von „Songs für Huckleberry“ im Lichthaus zufällig wiedergetroffen. Ende der 90er-Jahre hatten wir bereits gemeinsam in der Band „Spontan“ Musik gemacht und uns danach aus beruflichen Gründen für fast 20 Jahre aus den Augen verloren.

Kai war mittlerweile (unter anderem) mit einem Soloprojekt unterwegs und lud mich zu einem Konzert in die Domresidenz ein. Hier entstand die Idee, ihn mit der Violine zu begleiten. Nach einem kurzen Versuch stand der Entschluss fest, künftig gemeinsam Programm zu machen. Wir haben sofort gemerkt, dass die musikalische und menschliche Chemie stimmt.

Ist „ZweiSaiten“ Dein einziges Projekt, oder gibt es noch andere?

Die Pandemie hat uns alle etwas näherrücken lassen, so dass die Abgrenzung „Projekt“ vielleicht nicht der richtige Begriff ist. Zu Kais weiteren musikalischen Unternehmungen gehören die Band „Regentanz“ und „Viertelpoet“, mit denen es in den vergangenen beiden Jahren die verschiedensten Konstellationen gab.  Bereits im letzten Jahr haben drei von uns das Corona-Video „Hallelujah“ unter dem Projektnamen „ZweiViertelTanz“ veröffentlicht, der das Zusammenspiel der drei Formationen zum Ausdruck bringen sollte. TV-Halle hatte das Video wochenlang im Programm, wofür wir sehr dankbar sind.

Aktuell haben „Viertelpoet“ unter Frank Schlüters Feder ein Video (youtube) mit dem Titel „Deine großen Augen hörn mir zu“ veröffentlicht, zu dem ich die Violinenstimmen beisteuern durfte. Das Video ist im Riebeckstift entstanden und bezaubert mit tollen Luftaufnahmen von dieser ehrwürdigen halleschen Sehenswürdigkeit.

Wie ist euer Name entstanden? Weil ihr zwei Saiteninstrumente spielt und eure beiden Seiten in die Musik einbringt?

Genau so. Dem ist nichts hinzuzufügen. ?



Wer sind eure musikalischen Vorbilder und warum?

Wir beide sind große Fans deutschsprachiger Rock- und Popmusik, weil es eine wunderbare facettenreiche Sprache ist, Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Von daher haben wir ähnliche Wurzeln und finden immer Songs, die wir beide mögen und unserem Publikum auf unsere besondere Weise näherbringen möchten.

Die Liste der Vorbilder ist lang. Wer eines unserer Konzerte besucht, bekommt sie alle zu hören, interpretiert nur mit Gesang, Klavier/Gitarre und E-Violine. Neben den großen Hits graben wir auch immer wieder wunderschöne Titel der Altmeister aus, die (völlig zu unrecht) nicht zum Allgemeingut gehören. Kunze, Gundermann, Grönemeyer, Lindenberg, City, Silly sind nur einige der Künstler, die euch im Konzert der „ZweiSaiten“ zumindest mental begegnen werden.

Mit wem würdest du mit „ZweiSaiten“ am liebsten einmal auf der Bühne stehen?

Natürlich wäre es mir eine Ehre, gemeinsam mit einem der Künstler zu musizieren, deren Titel wir lieben und interpretieren dürfen. Ich bin ihnen so unendlich dankbar, dass sie mich mit ihren Songs fast mein ganzes Leben lang getröstet, getragen, ermutigt, gestreichelt und aufgebaut haben. Sie waren stets ein treuer Begleiter in guten und in schlechten Tagen.

Auf welchem Festival würdet ihr am liebsten spielen, und warum?

Das kommt auf die Definition an. Wer einmal die traumhafte Kulisse bei „Lieder auf Banz“ gesehen hat, kann verstehen, dass eine solche Veranstaltung bei mir persönlich hoch im Kurs stünde. Allerdings glaube ich nicht so recht, dass unser Programm Festival-kompatibel ist. Es soll und wird immer ein Publikum ansprechen, das bereit ist zuzuhören und sich von der Musik tragen, aber gern auch zum Mitsingen inspirieren zu lassen.

Woher nehmt ihr eure Inspiration?

Kai schreibt viele eigene Songs, ich einige wenige. Wie wohl jeder Künstler verarbeiten wir dabei die Dinge, die uns täglich umgeben und uns berühren. Höhen und Tiefen des Lebens bieten immer ausreichend Stoff für Geschichten, die in den Songs Gehör finden.

Verbringt ihr auch außerhalb der Band viel Zeit miteinander?

Es ist ein Privileg, Freunde zu haben, mit denen man neben Beruf und Familie Zeit findet, seinen gemeinsamen Interessen nachzugehen, Musik zu machen, Spaß zu haben, aber auch Probleme besprechen kann. Daher sehe ich die Band nicht als Trennungslinie gemeinsamer Freizeit. Auch unsere Familien sind befreundet.



Das letzte Jahr war für viele Musiker schwierig. Wie habt ihr den Lockdown verbracht/erlebt?

Wir hatten uns in der kurzen Zeit seit Gründung unseres Duos mittlerweile einen Bekanntheitsgrad erarbeitet, der uns die Türen zum Objekt 5 öffnete. Das ausverkaufte Konzert im März, das wir in bleibender Erinnerung behalten werden, war das letzte, bevor einige Tage später der Vorhang für lange Zeit fiel. Das war schwer zu verdauen. Wir hatten noch viel vor.

In Bezug auf die Musik blieb für viele Musiker nur das „stille Kämmerlein“, in dem aber dank heutiger Technik kreative Ideen auch in Bild und Ton konservier- und teilbar geworden sind. Auf diesem Weg entstand ja auch das Hallelujah-Video, dessen Text (Frank Schlüter) die (damals) aktuelle Situation aufgreift.

Was wünschst du dir für die Zeit nach der Pandemie?

Da ich nicht abschätzen kann, wann dies realistisch terminierbar ist, wünsche ich mir bereits hier und jetzt, da die Welt von unzähligen Katastrophen heimgesucht wird, dass die Menschen sich immer daran erinnern, wie wichtig es ist, den Augenblick zu leben. Ich wünsche mir, Menschen mit unseren Konzerten zusammenzubringen und gemeinsam schöne Momente zu erleben, die im Herzen verbleiben.

Woran arbeitest du mit deiner Band gerade?

Wir sind permanent dabei, neues Material zu sichten und immer wieder neue bekannte und unbekannte Songs zu finden, die zu uns passen und in unserer Besetzung umsetzbar sind. Man will schließlich sein Publikum und sich selbst nicht langweilen. Dabei  ist es immer wieder spannend, welches Fassungsvermögen die Schublade „Deutschrock/-Pop“ hat.

Lasst euch überraschen. Es wird in den nächsten Konzerten auf jeden Fall wieder neues Material am Start sein. Wir freuen uns jedenfalls bereits riesig darauf und scharren mit den Hufen ?.

Lieber Herr Wißner, vielen Dank für das Gespräch.



ZweiSaiten - Am Fenster (City {Cover}) - Live am Peißnitzhaus Halle