Im Paralleluniversum läuft das besser

Beim Prokrastinieren über Zeit nachdenken ... (Foto: Jeshoots, Pixabay)

Was für unsere Gastredakteurin Ann-Sophie Henne, Studentin des Studiengangs Multimedia und Autorschaft in Halle, wie eine „alltägliche“ Prokrastination begann, artete aus in eine Astrophysik Stunde – welche im Endeffekt auch ihre Prüfungsprobleme löste. Irgendwie.

Die Prüfungsphase ist ja bekanntlich dafür da, um sich über alles zu informieren, was einen noch nie interessiert hat. Man macht sich Gedanken, wie Thomas Gottschalk seit dem Ende von „Wetten, dass“ wohl so mit seinem Leben klarkommt (er moderiert zurzeit auf Bayern 1 eine Sendung mit dem kreativen Namen „Gottschalk – Die Bayern 1 Radioshow“), oder stellt sich die klassische Frage, warum das Nutella Brot immer verkehrt herum auf den Boden fällt (Murphys Law). Aber heute habe ich tatsächlich das Gefühl, den Begriff der Prokrastination mal wieder völlig neu definiert zu haben. Und das könnte meine Rettung sein.

Mein Nachmittag begann mit ein paar kläglichen Versuchen, der verstaubten Gitarre melodische Akkorde zu entlocken, dem mehrfachen Gedanken, doch heute Mal Sport zu machen, dem schnellen Verwerfen ebenjener Gedanken und unglaublichen drei Folgen der fast grotesk langweiligen Dokumentation „Der Rhein – von der Quelle bis zur Mündung“.



Könnte eine Zeitreise meine Probleme lösen?

Als ich gegen 23 Uhr antriebslos meinen Facebook Feed hoch- und runterscrollte und die Gedanken an die mir bevorstehenden Hausarbeiten langsam unerträglich wurden, stieß ich zufällig auf einen von der Süddeutschen verfassten Nachruf von Stephen Hawkins. Schon beim Wort „Zeitreise“ blieb mein Blick hängen. Könnte das die Lösung meiner Probleme sein? Wie war das nochmal mit der Relativitätstheorie, Paralleluniversen und Schwarzen Löchern? Mit neuem Mut begann ich gegen 0 Uhr mit einer YouTube Recherche und stieß dort auf eine Dokumentation über Einstein’s Relativitätstheorie. Mittlerweile ist es 3:45 Uhr. Ich bin immer noch zu aufgeregt, um einzuschlafen.

Eins kann ich nicht verstehen: Wie kann es sein, dass nicht ständig jeder über die Relativitätstheorie und das bewiesene Verhältnis zwischen Raum und Zeit spricht? Dass Albert Einstein tatsächlich bewiesen hat, dass zwischen der Bewegung im Raum und dem Verlauf der Zeit eine Verbindung besteht und Zeit somit für die Menschen unterschiedlich schnell vergeht?



 "Der Unterschied zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist für uns Wissenschaftler eine Illusion, wenn auch eine hartnäckige." - Albert Einstein 


Ich befinde mich in einer fast surreal euphorischen Stimmung, denn was sind schon meine Prüfungen im Angesicht dessen, dass gerade mein gesamtes Verständnis der Zeit revolutioniert wurde? Die Zukunft ist doch schon längst passiert, was bedeutet, dass meine Hausarbeiten bereits fertig sind. Es könnte Paralleluniversen und Multiversen geben, in denen ich längst promoviert habe. Ein zuversichtliches Lächeln schleicht sich auf mein Gesicht, und ich kann mich endlich in meinen wohlverdienten Schlaf verabschieden. Um die Hausarbeiten kümmere ich mich dann morgen. Oder gestern.

(Autorin: Ann-Sophie Henne)