Schöner wohnen mit weniger Kapitalismus

Gegen steigende Mieten: Mietshäuser-Syndikate (Foto: 2886138, Pixabay)

Wer mietet, ist abhängig – abhängig von Eigentümerinnen und Markt. Wer das nicht will, muss Wohnraum kaufen. Zu teuer? Besetzten statt besitzen! Zu riskant? Dann ganz legal den Immobilienmarkt hacken! Wie das funktioniert? Mit dem Mietshäuser-Syndikat.

Häuser kollektiv aneignen

Laut einer aktuellen Studie kostet Ein WG-Zimmer in Halle durchschnittlich 250€ pro Monat. Im Vergleich zu anderen Uni-Städten ist das noch günstig. Dennoch steigen auch in der Saalestadt die Mieten stetig – WG-Zimmer sind 20% teurer als vor sechs Jahren. Die Wohnheime sind nahezu ausgelastet und billiger hochschulnaher Wohnraum wird knapp. Menschen mit niedrigen Einkommen werden verdrängt und Besserverdienende rücken nach. Stadtteilbezogener Aufwertungsprozess nennt sich das. Und Wohnungen sind auch nur Waren.



„Der Wohnungsmarkt ist kapitalistisch organisiert und durch Privateigentum geprägt. Die Eigentümerinnen wollen mit ihren Häusern Gewinn erzielen. Dies verursacht dauerhaft steigende Mieten und abgehobenen Immobilienpreise. Wer nicht zahlen kann, fliegt raus.“, bemängelt Anita Hopes den Zustand vieler Mietverhältnisse. Auf dem 34. Chaos Communication Congress in Leipzig präsentiert sie eine Alternative: Wohnungsmarkt-Hacking mit dem Mietshäuser-Syndikat.

Das Mietshäuser-Syndikat unterstützt seit über 25 Jahren selbstorganisierte Hausprojekte und unabhängiges Wohnen. Das Ziel: dauerhaft billigen Wohnraum schaffen und das Haus denen geben, die es bewohnen. Die Methode: das Haus vom Markt nehmen und in Kollektiveigentum überführen. Bisher sind über 125 Wohnprojekte in dem Verbund organisiert. Jedes Projekt hat eine eigenständige Hausbesitz-GmbH gegründet und ein Gebäude gekauft. Der Syndikats-Dachverband berät, unterstützt und vernetzt sie dabei.



Wohnraum für die Menschen, nicht für den Profit

Anita Hopes und ihre Hausgemeinschaft sind 2010 dazugestoßen. Seitdem ist sie aktives Mitglied und gibt ihr Wissen an andere Projekte weiter. Sie berichtet: „Für den Kauf braucht man kein eigenes Geld, muss es jedoch organisieren. Es gibt enorme Möglichkeiten Geld von Privatpersonen mit sehr niedrigem Zinssatz zu bekommen. Der Anteil, den man dann noch von Banken leihen muss, ist sehr gering bis null.“

Die Kredite werden über die Miete zurückgezahlt. Außerdem beteiligen sich alle Mitglieder an einen Solidarfond, um neue Projekte zu unterstützen. „Der Prozess verlangt sehr viel ehrenamtliches Engagement und Zeit. Man fragt sich manchmal: Wozu? Meine Antwort ist: Schöner Wohnen mit weniger Kapitalismus!“, verdeutlicht Anita Hopes. Die gekauften Häuser sollen für die Menschen da sein, nicht für den Profit und dem Immobilienmarkt dauerhaft entzogen werden. Das garantiert das Syndikat, da es bei jedem Wiederverkauf Vetorecht hat.

In Sachsen-Anhalt gibt es drei Syndikatsprojekte, jedoch nicht in Halle. Noch nicht! Die aktuelle Debatte um das soziokulturelle Zentrum HaSi zeigt, dass die Nachfrage nach selbstorganisiertem Wohn- und Lebensraum wächst. Solange soziale Wohnungspolitik nur eine Worthülse ist und der Profit den Immobilienmarkt bestimmt, kommt das Syndikat der eigenen Utopie vom „Menschenwürdigen Wohnraum, das Dach überm Kopf, für alle!“ am nächsten.

(Autor: Marco Hennig)