Hallenser Puppentheater feierte 60. Geburtstag

Die Buddenbrooks gehören zu den Erfolgsstücken des Puppentheaters Halle (Foto: Bühnen Halle)

Das Puppentheater Halle feierte 2014 den 60. Geburtstag! Die lange Geschichte des Hauses kann hier nicht vollständig wiedergegeben werden, da dies den Rahmen sprengen würde und nicht zuletzt, weil der Wirkungskreis des Puppentheaters nicht nur auf Halle beschränkt blieb. Neben unzähligen Gastspielen innerhalb Deutschlands konnten die Puppenspieler ihr Können sowohl europaweit als auch in Kanada und den USA unter Beweis stellen.

Darüber hinaus kooperierte das Puppentheater mit anderen Spielhäusern, hier sogar mit der Companie Luis Brouillard Paris und den Wiener Festwochen. Auch namhafte Künstler wie Traugott Buhre, Winnie Böwe, Martin Reinke, Sandra Hüller und Ragna Schirmer haben schon in Halle gastiert. So fleißig wie die Puppenspieler waren, so gerechtfertigt ist das Lob auf sie. Brigitte Salino schrieb etwa in „Le Monde“ über: „Die Inszenierung heißt „Buddenbrooks“ und kommt aus Halle, einer Stadt der ehemaligen DDR, berühmt für sein Puppentheater, das 1954 gegründet wurde und dem 1995 Christoph Werner neuen Atem eingehaucht hat, indem er die traditionelle Praxis verlassen und einen neuen Stil erfunden hat.“

Um die reichen Erfahrungen dieser 60 Jahre gebührend zu feiern, lief eine unter dem Motto „Doppelgänger“ stehende Jubiläumsspielzeit. Der Name war Programm, denn das grundlegende Element des Spiels, die Puppe, wurde als Doppelgänger des Menschen, als sein Stellvertreter, sein Avatar, seine Projektionsfläche begriffen. Das Spielhaus wollte dabei jede Inszenierung wieder zu einem Juwel werden lassen. Zu Beginn der Spielzeit gab es bereits die Wiederauflage der legendären „Tarzan“-Produktion unter Mitwirkung von Tilla Kratochwil, Frank Benz, Comedy-Star Rainald Grebe und René Marik. Bereits im November 2013 war außerdem der hochdekorierte Puppenspieler Christoph Werner mit „Der seltsamste Fall des Doktor E.T.A. Hoffmann“ zu sehen, für das Werner die Kammersängerin Romelia Lichtenstein von der Oper Halle gewinnen konnte. So geriet die Spielzeit auch zu einem Gipfeltreffen der Puppenspieler, die ihre Karriere in Halle begonnen haben.

Ab dem 27. Februar beehrte außerdem ein Film- und Theaterstar die Bühne. Ursula Werner, zuletzt in Andreas Dresens Film „Wolke 9“ zu sehen war, spielte mit Puppenspielerin Katharina Kummer das Stück „Wir werden alle unsere Mütter“, dabei hinterfragte sie die (un-)bewusste Beeinflussung des Charakters durch die Erziehung. Den Höhepunkt jedoch bildete die vom 25. April bis 4. Mai inszenierte Festwoche, an der sich die Leopoldina, die Franckeschen Stiftungen, die Stiftung Händelhaus, der Kunstverein „Talstraße e.V.“, die Werkleitz Gesellschaft e.V. und die Theater, Oper und Orchester GmbH beteiligten. Gefördert wurde die Festwoche von der Kulturstiftung des Bundes.

(Martin Boldt, Kulturfalter, März 2014)