Monkey Island - Wir kommen wieder!? Das Interview mit Regisseur Martin Kreusch

Regisseur Martin Kreusch inszenierte das Computerspeil Monkey Island als Theaterstück. (Foto: Martin Große)

 

Das Theaterstück „Monkey Island“, welches auf dem Computerspiel „The secret of Monkey Island“ basiert, sorgte im Oktober 2014 für lange Schlangen an der Theaterkasse der Kulturreederei und begeisterte viele Fans, Kenner und Nichtkenner des Spieles. Der Erfolg des Stückes überraschte die Macher und die Theaterkritiker. Auf Grund der begrenzten Spielzeit mussten viele Besucher sogar unverrichteter Dinge wieder abziehen, denn die Mehrzahl der Vorstellungen war ausverkauft. Und die Nachfrage nach dem Stück riss nicht ab. Kann es ein Comeback von „Monkey Island“ geben? Dies und anderes fragte Kulturfalter-Redakteur Martin Große den Regisseur Martin Kreusch von der Kulturreederei im Dezember 2014.

Kulturfalter: Martin Kreusch, hat Sie der Erfolg des Stückes „Monkey Island“ überrascht?

Martin Kreusch: Er hat mich nicht in dem Sinne überrascht, sondern eher sehr gefreut. Das was ich mir erhofft und erträumt habe, dass gerade die Computerspielefans den Weg in das Theater gefunden haben, das war eine große Freude. Der Plan, den wir hatten, ist aufgegangen. Es war eine Freude und auch ein Genugtun, das wir mit unserer Idee richtig lagen. Denn so etwas hat bisher noch keiner gemacht und das war für uns natürlich ein großes Wagnis und hätte auch ganz anders enden können.

Der Plan war also die Computerspieler hinter dem Bildschirm hervorzulocken?

Also zumindest war es meine Gewissheit, dass dieses Spiel viele Leute kennen. Und die Idee war daraus ein Theaterstück zu machen, welches die Leute interessiert. Dass das Spiel die Leute ins Theater lockt, die dem Theater ferner sind und dazu zählen eben auch Nerds. Wobei ich ausdrücklich sagen will, dass dies kein negativer Begriff sein soll. Die meisten von denen wir hier reden sind ja jetzt Mitte Dreißig und aus fast allen ist ja auch was geworden, wie ich vermute. Also ein erwachsenes Publikum, das sonst vielleicht nicht im Bereich Theater unterwegs ist, dafür zu begeistern, das war die Idee. Und uns ist es gelungen mit dem Titel „Monkey Island“ und einer ambitionierten Produktion und einer tollen Besetzung diese Leute ins Studio zu locken. Und die haben es ja auch nicht bereut. Viele haben uns danach angesprochen und erzählt, dass sie das letzte Mal mit der Schule im Theater waren.

Die Kritiken auf das Stück waren vielfältig. Sie reichte von Lob bis Tadel. Übereinstimmend bei den kritischen Tönen, war, dass ihr ja ‚nur‘ nachspielt und das man bei einem Theaterstück mehr verlangen kann, wie etwa eine kritische Auseinandersetzung mit dem Genre Computerspiel oder ähnliches.

Das ist tatsächlich die Hauptkritik gewesen - dieses Umsetzen von 1:1 war häufig zu lesen. Dazu muss ich sagen, dass man darüber diskutieren kann und dass ich als Regisseur in der Produktionsphase auch darüber nachgedacht habe. Also ob es Möglichkeiten gibt, wo man die gewissen Formen brechen kann, wo man es nicht 1:1 macht. Trotzdem wollte ich die Geschichte wiederbeleben und auch im Theater neu erzählen, denn so etwas gab es vorher nicht. Und ich muss sagen die Umsetzung ist nicht 1:1, denn das ist schlichtweg nicht möglich. Wenn man die ganzen Irrwege des Spieles gehen würde, dann würde eine Vorstellung acht bis zwölf Stunden dauern. Was ich aus den Kritiken rausgelesen habe, ist das es ein Denken über die Form des Theaters, über die Möglichkeiten des Theaters dem Stück noch eine höhere Ebene, einen weiteren Impuls zu geben – etwa eine politische Ebene, eine sozialkritische Ebene oder eine Auseinandersetzung mit der Kunstform des Computerspiels – nicht gab und das dies bemängelt wurde. Darüber kann man nachdenken und darüber kann man diskutieren. Aber ich habe es nicht gewollt und viele von denen, die das kritisiert haben, kommen aus dem Bereich Theater. Viele von denen die es kritisiert haben, kennen gar nicht die 1 und haben „Monkey Island“ nie gespielt. Was wir aber als Ensemble oder Projektleitung mitbekommen haben, war eine große Begeisterung. Die Leute, die uns Emails geschrieben oder mit uns gesprochen haben, haben sich gerade über die Wiedererkennbarkeit gefreut. Viele haben gesagt: ‚Ja das hat was mit mir zu tun, das berührt mich, was ich da sehe‘ oder ‚Das sind Erinnerungen und es ist eine neue Form des Theaters, die die Leute begeistert ins Theater zu gehen‘. Es gab auch viele Kritikpunkte, dass ich als Regisseur hätte weitergehen können, mehr wagen können, aber ich wollte auch nicht weg von dem Stück.

Was ebenso noch herauszulesen war: Warum war das Stück nicht interaktiver? Das Spiel lädt förmlich dazu ein, die Zuschauer zu beteiligen.

In dieser Frage war ich mir vielleicht nicht sicher genug. Ich selber bin kein großer Freund davon im Theater gefragt zu werden, mitmachen zu müssen, mich äußern zu müssen. Ich habe gern als Publikum meine Ruhe. Es sei denn ich gehe zum Improvisationstheater, dann möchte ich mitmachen. Das ist die eine Seite und das Andere ist eine zeitökonomische Frage. Wenn ich wirklich das Publikum offen fragen möchte, ohne zu bescheißen, was der Hauptdarsteller jetzt als nächstes machen soll. Dann muss ich auch das machen, was das Publikum vorgibt. Das hätten wir aber schlichtweg nicht gepackt. Diese ganzen Irrwege des Spieles wären schlichtweg nicht machbar gewesen. Es gab ein paar Stellen, wo es möglich gewesen wäre, aber ich fand es dann gut wie es war.

Was waren die überraschendsten Reaktionen? Euer Gästebuch ist voll mit Einträgen von Leuten aus ganz Deutschland und sogar Europa.

Es hat wirklich große Wellen geschlagen. Das Überraschendste für mich war aber, als die ersten Zuschauer verkleidet in die Vorstellung kamen. Sie kamen im Kostüm, mit Kochtopf auf dem Kopf und auf einmal saß eine ganze Reihe Piratenbräute vor uns. Damit habe ich nicht gerechnet, dass man auf Idee kommen kann, wenn man ins Theater geht, sich zu verkleiden. Es hat mich an die Leipziger Buchmesse erinnert auf der sich die Mangafans verkleiden. Das war eine große Freude. Ebenso überraschend war auch die große Anzahl an Rückmeldungen. Also ich mache seit 2002 irgendwie in Halle Theater. So viele Danksagungen, Anfragen, Wünsche für die Zukunft und Eintragungen in das Gästebuch habe ich noch nicht erlebt. Das ist wirklich unglaublich gewesen. Vielleicht liegt das an dem computeraffinen Publikum. Aber genau weiß ich es nicht. Unser Projektleiter Jan Felix Frenkel bekommt immer noch zwei bis drei Nachrichten pro Woche. Meistens geht es dabei darum: „Hach ich habe es verpasst. Macht es doch nochmal wieder“ „Das war supertoll, weiter so“. Und die letzte Vorstellung liegt immerhin fast zwei Monate zurück.

Da kommen wir natürlich zu der Frage, die alle viele Fans des Spieles bewegt. Die letzten Vorstellungen waren alle ausverkauft und ihr musstet Leute nach Hause schicken. Wird „Monkey Island“ wiederkommen?

Also! Naja! Das ist so. Ich kann es noch nicht mit 100prozentiger Sicherheit sagen. Man muss dazu folgendes wissen. Es sieht zwar so aus, dass wenn man ins Theater geht und es ist ausverkauft, dass man sich ausrechnen kann, wieviel da rauskommt und dass man damit doch hinkommen müsste. Aber es ist so, dass tatsächlich, wenn die Produktion ausverkauft ist, man mit Kosten für Personal, Miete, Strom, Technik, Kostümen und und und... nicht hinkommt. Dazu kommt der große Posten Werbung. So ein Stück muss beworben werden, ansonsten wissen die Leute nicht, dass es dich gibt. Dafür braucht man Geld. Ich habe noch keinen positiven Förderungsbescheid bekommen. Wir haben einen Folgeförderungsantrag beim Landesverwaltungsamt gestellt und viele positive Signale bekommen, und wir würden uns sehr freuen, wenn das Landesverwaltungsamt uns noch mal unter die Arme greifen würde. Wir brauchen auch nicht viel Geld, aber man braucht eben einen gewissen Grundstock um zu sagen: Wir machen das! Die Darsteller und das Team sind mit dabei. Aber wir haben schon Termine ins Auge gefasst und ein größerer Raum ist angedacht und wir bereiten uns darauf vor, dass es stattfinden wird.

Es kann immer noch sein, dass wir im März noch die Reißleine ziehen müssen. Viel eher werden wir es nicht wissen. Aber jeder der jetzt schon Karten reserviert, macht uns Hoffnung und gibt uns die Kraft weiterzumachen. Wenn wir jetzt wüssten, dass es immer voll wird, könnten wir natürlich ganz anders planen. Aber wir wollen wiederkommen! Und es spricht nichts dagegen, außer dass wir ein bisschen Kohle brauchen.

Kann man schon Karten reservieren?

Das kann man in Kürze tun. Ich werde dann die Veranstaltung mit dem Vermerk versehen, dass es sein kann, dass wir sie absagen müssen, dann würden wir die Leute informieren. Aber wer will, wird bald Karten reservieren können. Vielen Dank für das Interview.

(Martin Große, Kulturfalter Dezember 2014)