Si-Fi-Theater in bester Schwitters-Manier

Die Kulturreederei inszenierte Kurt Schwitters "Ein Zusammenstoss". (Foto: Martin Kreusch)

Mit dem Stück „Der Zusammenstoß“ setzte sich Autor Kurt Schwitters in den 1920er Jahren humorvoll mit einem möglichen Weltuntergang und dessen Folgen auseinander. Als Trash-Theater-Show interpretierte Regisseur Martin Kreusch das Stück, welches in der Theatrale zur Aufführung kam.

Und da ist es nun: das Ende der Welt. In Form eines Kometen tritt es auf die Bühne und versetzt das milliardenfach anwesende Publikum in Angst und Schrecken und in rege Betriebsamkeit. Denn irgendwie lässt sich doch aus der Tatsache, dass bald ein Komet mitten in Berlin einschlägt, bestimmt noch Kapital schlagen. So gibt es alle zwei Minuten Shuttle-Busse zum Weltuntergang. Massenmedien, Mode, Presse, Rundfunk und Schlagerindustrie – alle reagieren sie auf das bevorstehende Großereignis. In den Schaufenstern wird die Weltuntergangsmode präsentiert. Vom Rundfunk wird der Schlager „Onkel Heini” in die Charts gepusht. Und um in diesem Chaos ja die Ordnung zu bewahren, tritt Ordnungsmeister Meisterlich auf den Plan: Denn auch beim Weltuntergang muss alles gesittet vonstattengehen. Wenn schon, dann tritt man mit Anstand ab!

Das Stück „Der Zusammenstoß“ von Kurt Schwitters, geschrieben Ende der 1920er-Jahre, entstand in einer Zeit, in der in weiten Teilen der damaligen deutschen Kunst- und Künstlerszene eine gewisse Müdigkeit auszumachen war. Nach den rauschhaften Partys der Goldenen Zwanziger stellten sich nicht wenige die Frage: Was soll jetzt noch kommen? Schwitters beantwortete dies gewohnt grotesk und humorvoll. In einem Bilderbogen der menschlichen Natur wollte er zeigen, wie Menschen angesichts der nahenden Katastrophe reagieren und handeln.

Regisseur und Schauspieler Martin Kreusch brachte seine Interpretation des Stückes nun auf die Bühne der Theatrale. Trotz des vermeintlich ernsten Themas wollte er das Stück leicht, kunstvoll, skurril-komödiantisch umsetzen. Auf zwei Spielebenen ließ Kreusch dazu 14 Schauspieler und drei Musiker in einer bunten Trash-Theater-Show das Ende der Welt erleben – Science-Fiction-Theater in bester Schwitters-Manier also.

(Sebastian Krziwanie, Kulturfalter Oktober 2015)