Impronale – Das Festival der Improvisation

Seit mehr als 20 Jahren steht die Impronale für Improvisation in Halle (Saale). Vom 30. September bis 4. Oktober 2026 zeigt das Festival erneut, wie vielseitig diese Kunstform sein kann – und dass Improvisation längst nicht nur auf der Theaterbühne stattfindet. Das diesjährige Programm verbindet Improvisationstheater mit ganz unterschiedlichen künstlerischen und gesellschaftlichen Perspektiven. Eine Lecture Performance führt an die Grenzen von Mathematik und Psychologie, ein Talk fragt danach, wie wir reagieren, wenn Pläne nicht mehr aufgehen, und bei „CoCoCo“ treffen Live-Malerei, Videokunst, Musik, Sprache und Performance unmittelbar aufeinander. Mit improvisiertem Puppenspiel, einer offenen Jamsession und weiteren Bühnenformaten entstehen Abende, die vom Unvorhersehbaren leben. Wie weit Improvisation im echten Leben trägt, erkundet das Festival außerdem mit „Survival Halle“: Fünf Tage und vier Nächte bewegen sich zwei Improvisationskünstlerinnen ohne festen Plan durch die Stadt und lassen das Publikum digital an ihren Begegnungen, Umwegen und überraschenden Lösungen teilhaben. Wer selbst aktiv werden möchte, kann in sechs Workshops unter anderem mit Stimme, Kalligrafie, Clownerie, Puppenspiel, Tanz oder geretteten Lebensmitteln experimentieren. Die Angebote richten sich sowohl an Neugierige ohne Vorerfahrung als auch an erfahrene Improspieler/-innen. So wird Halle für fünf Tage zum Ort für spontane Ideen, ungewöhnliche Begegnungen und neue Perspektiven – für alle, die Lust haben, sich auf das einzulassen, was nicht planbar ist.
Survival Halle – Wo der Plan endet
Was passiert, wenn Improvisation die Bühne verlässt und zum Lebensprinzip wird? Die Impronale schickt Jana Mohr und Simone Ruckstuhl aus Mannheim auf ein außergewöhnliches Abenteuer: Vom 30. September bis zum 4. Oktober 2026 bewegen sie sich durch Halle (Saale) und stellen sich einer einfachen, aber radikalen Frage: Wie weit trägt Improvisation im echten Leben? Ausgestattet mit Neugier, Mut und der Bereitschaft, sich auf Unbekanntes einzulassen, begegnen Jana und Simone Menschen, Herausforderungen und überraschenden Aufgaben. Feste Pläne gibt es nicht. Stattdessen entstehen Entscheidungen im Moment, Begegnungen im Vorübergehen und Geschichten dort, wo niemand sie erwartet. Während des Experiments dokumentieren die beiden ihre Erlebnisse selbst und nehmen das Publikum digital mit auf ihre Reise durch Halle. Tag für Tag wird sichtbar, wie aus spontanen Einfällen neue Wege entstehen und wie Improvisation zum Werkzeug für Orientierung, Begegnung und Überleben werden kann. Am Ende des Festivals berichten Jana Mohr und Simone Ruckstuhl live von ihren Erfahrungen, Herausforderungen und überraschenden Entdeckungen. Ein Selbstversuch zwischen Performance, Stadterkundung und Abenteuer. Denn manchmal beginnt die spannendste Geschichte dort, wo der Plan endet.
Zu den Darstellenden: Jana Mohr wusste vor fünf Jahren: Impro ist genau ihr Ding. Seitdem liebt sie es, ihre innere Rampensau auf die Bühne zu bringen. Mit dem Mannheimer Ensemble Group Hug steht sie seit zwei Jahren regelmäßig auf der Bühne. Dialekte, Gespür für Comedy und die Lust, sich in jede verrückte Idee zu stürzen, prägen ihr Spiel.
Simone Ruckstuhl entdeckte vor vier Jahren das Improvisationstheater für sich. Seit zwei Jahren steht sie als Teil des Mannheimer Ensembles Group Hug regelmäßig auf der Bühne. Ihre Impro-Arbeit verbindet Varianz, Tiefe und einen feinen Hauch Dark Play. Abseits der Bühne setzt sie sich als Initiatorin und Moderatorin der Fuck Up Night Mannheim für eine offene Fehlerkultur ein.
Kunstclash, Jamsession und Puppenspiel

Das Programm startet mit einer Lecture Performance am 30.9. um 20 Uhr unter dem Motto „Euphorie an den Grenzen des Chaos“. Rebecca Waldecker und Pablo Pirnay-Dummer vollziehen eine Grenzwanderung zwischen Mathematik und Psychologie: Mit Interaktion, Wort und Klangwelten führt die Lecture Performance an die Grenzen des Begreifbaren. Wo Logik endet und Erleben beginnt, wird es im wahrsten Sinne des Wortes verrückt.
„Leben ist Improvisation!“ ist ein lebendiger Talk am 1.10. um 20 Uhr über Strategien, Flexibilität und die Kunst, im entscheidenden Augenblick intuitiv richtig zu handeln. Gemeinsam mit den Gästen geht es um den „Werkzeugkasten der Improvisation“ – und um die Frage, was sich aus ganz unterschiedlichen Disziplinen für den Alltag lernen lässt. In entspannter Bar-Atmosphäre treffen vier Perspektiven aufeinander, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten: ein Herzspezialist, eine Juristin, ein physikalischer Chemiker und eine Gesellschafts- und Veränderungswissenschaftlerin. Sie alle kennen Situationen, in denen Pläne wichtig sind – und in denen trotzdem spontan reagiert werden muss.
Die Performance „Die Überlebenden“ findet um 20 Uhr statt: Das Schlimmste liegt hinter ihnen – sie haben überlebt. Doch die eigentliche Prüfung beginnt erst jetzt: Wie sieht die kommende Zeit aus, in der nichts mehr ist, wie es war? Inmitten neuer Umstände und Ungewissheit müssen Menschen, deren Lebenswege unterschiedlicher nicht sein könnten, sich neu orientieren. Wird die Not ihre Werte verändern? Werden sie an der Last zerbrechen oder über sich hinauswachsen? Offen bleibt, ob es für die Überlebenden einen machbaren Weg zurück ins Leben gibt – oder ob ihr Durchhalten nur ein flüchtiger Moment des Glücks war.
Im Anschluss um 22 Uhr wartet ein improvisiertes Puppenspiel von Amy Craft (USA) über Gespräche, die im echten Leben unausgesprochen bleiben, auf die Gäste: Mithilfe einer Puppe dürfen Zuschauer/-innen all das sagen, was sonst nie ausgesprochen wird – und erleben, wie daraus etwas Lustiges, Seltsames, Düsteres und überraschend Aufschlussreiches entsteht.
„CoCoCo“ ist ein interdisziplinärer Kunstclash, in dem Kunst im Moment entsteht: Aus einem thematischen Impuls wachsen Live-Malerei, Videoprojektionen, Sound, gesprochenes Wort und körperliche Präsenz zu einer offenen, unvorhersehbaren Jamsession zusammen. Diese experimentelle Show von Lucian Patermann findet am 3.10. um 20 Uhr statt.
Am 3.10. um 22 Uhr heißt es „Musik, die gemeinsam live entsteht“: Die DoSe-Crew bringt Verstärker, Mikrofone, Bass, Gitarre, E-Piano und Schlagzeug mit. Musikalisch ist die Jamsession offen – von Rock und Funk über Reggae bis Metal, von Ballade bis Disco. Das Publikum bestimmt, zu welcher improvisierten Musik getanzt wird!
Zum Abschluss berichten Jana Mohr und Simone Ruckstuhl am 4.10. um 15 Uhr von ihrem Selbstversuch in Halle. Sie geben Einblicke in ihr digitales Tagebuch, erzählen von Herausforderungen und fragen, wo Kunst endet und echtes Leben beginnt.
Einfach mal ausprobieren

Die Workshopreihe der Impronale startet am 30.9. von 16 bis 19 Uhr in der Freien Spielstätte mit „Playing the line“. Lucian Patermann, Maler und Konzeptkünstler, taucht mit den Teilnehmenden mithilfe kalligrafischer Mittel (z. B. Feder, Pinsel, Tinte, Bleistift) in einen Zustand des Flows ein. Linie, Rhythmus und Bewegung stehen im Vordergrund – nicht das perfekte Ergebnis. Durch einfache Übungen wird ein Raum für spontane, körperliche Gesten geöffnet; es entstehen Schriftzeichen, Kalligramme und grafische Bilder.
Olivia Wendt bietet am 1.10. um 16 Uhr einen dreistündigen Workshop in der Geiststraße 22 (Hinterhaus, 3. Etage) mit dem Titel „Persona! Lass deine Stimme erschallen“ an. Die Teilnehmenden lernen die menschliche Stimme als Wunderwerk und eigenes Instrument kennen. Mit verschiedenen Übungen wird die eigene Stimme zum Klingen gebracht; einige Übungen werden zu kleinen Songs und Klangerlebnissen. Am Ende entsteht gemeinsam Mehrstimmigkeit. Keine Vorerfahrung nötig.
Der Mini-Workshop „Was weg muss, wird lecker“ gibt Lebensmitteln eine Chance. Am 2.10. von 16 bis 19 Uhr können die Teilnehmenden ebenfalls in der Geiststraße 22 vom „Crummen Eck“ lernen, wie sich mit Lebensmitteln improvisieren lässt. Gemeinsam entsteht aus spontan geretteten Lebensmitteln ein kleines Buffet. Dazu gibt es Tipps zum Lebensmittelretten. Keine Vorkenntnisse erforderlich, die Teilnahme ist kostenlos.
Das Crumme Eck ist ein kleiner Laden im halleschen Paulusviertel, in dem Lebensmittel vor dem Wegwurf gerettet werden. Ein Team aus 39 Ehrenamtlichen sammelt im Stadtgebiet Lebensmittel von verschiedenen Kooperationspartnern ein: Produkte, die nicht mehr ganz chic aussehen, zu viel geordert wurden oder deren Haltbarkeit zumindest laut aufgedrucktem Stempel angezweifelt wird. An drei Tagen in der Woche werden die Lebensmittel gegen eine Spende abgegeben.
Die freischaffende Theaterpädagogin und Clownin Elisa Hansen (Foto) bietet am 2.10. von 16 bis 19 Uhr in der Geiststraße 22 (Hinterhaus) einen Mini-Workshop mit dem Titel „Fehlerfreuden“ an. Im Mittelpunkt steht die Frage: „Was passiert, wenn wir Fehler nicht vermeiden, sondern gemeinsam feiern?“ In diesem Workshop erforschen die Teilnehmenden den Clown als Figur, die träumerisch, ehrlich und mit voller Anstrengung scheitert – und gerade darin lebendig, nahbar und menschlich wird. Der Workshop ist für alle, die Lust haben, sich auszuprobieren – mit oder ohne Vorerfahrung.
Im dreitägigen Workshop „It’s Alive! A Puppet as a Scene Partner“ von Amy Kraft (USA) vom 1. bis 3.10. in der Freien Spielstätte entstehen aus einfachen Materialien Handpuppen, die durch Improvisation lebendig werden. Mit Puppenspiel-Grundlagen, Improspielen, Partner- und Ensembleszenen geht es um Figurenentwicklung, Szenenarbeit und die Kunst, mit zwei Köpfen zu spielen.
Am 3.10. bietet Melli Heyne von 10 bis 17 Uhr einen Tagesworkshop in der Geiststraße 22 (Hinterhaus) an: „Haut rein. Körper im Widerstand“. Wenn zwei Körper aufeinandertreffen, kann vieles passieren. Mit Tanzimprovisation, performativen Formaten und spielerischen Methoden geht es um Nähe und Distanz, Zärtlichkeit und Konflikt – und um einen sensiblen, gewaltfreien Raum, in dem Reibung produktiv werden kann.

