Impro nonstop in Halle - die Impronale im Rückblick

Mit der interdisziplinären Performance „Am Anfang war das Wort“ geht heute Abend das Festival der Improvisation in Halle (Saale) seinem Finale entgegen. Eine Woche lang hat die Impronale 2025 gezeigt, was passiert, wenn Theater, Film, Musik und KI aufeinandertreffen – und wie lebendig Improvisation in unterschiedlichsten Formen sein kann.
„Wir wollten zeigen, wie breit Improvisation wirken kann – auf der Bühne ebenso wie im Alltag“, sagt Festivalleiterin Franka Söll. „Die Resonanz zeigt: Diese Offenheit spricht Menschen aus vielen Bereichen an.“
Impro trifft KI, Film, Musik und Alltag
Den Auftakt bildete das Ensemble AI Theatre, das in „Kann KI lieben?“ Szenen zwischen Mensch und Maschine improvisierte – mal poetisch, mal absurd, immer nah dran an der Frage, wie Gefühle und Algorithmen sich begegnen. Am Dienstag folgte der Filmabend „Tiger Girl“ mit Regisseur Jakob Lass, der im Gespräch Einblicke in seine improvisationsbasierte FOGMA-Methode gab. In der Lecture Performance am Mittwoch drehte sich alles um Intuition, Fehlerkultur und das kreative Potenzial des Ungeplanten. Am Donnerstag diskutierten Gäste aus Pflege, Illustration, Gastronomie und Musik bei „Impronale – der Talk“, wie Improvisation ihre Arbeit prägt – bevor die Late-Night-Show „Spätschicht“ das Scheitern einer fiktiven Gastronomie improvisiert und in pure Spielfreude verwandelt hat. Mit „Fußnoten“ am Freitag und „Am Anfang war das Wort“ am Samstagabend spannt das Festival schließlich den Bogen von Musik über Sprache bis hin zu Bewegung. Parallel dazu lud die interaktive Ausstellung „Ferngesteuert“ im Raum für Grafik eine Woche lang ein, selbst Teil eines Improvisations-Experiments mit KI zu werden.
Bilanz einer Festivalwoche
Sieben Tage lang wurde improvisiert, diskutiert, ausprobiert und gelacht – auf Bühnen, in Ausstellungsräumen und in Workshopräumen gleichermaßen. Viele Formate setzten bewusst auf Begegnung und Austausch, ließen Publikum und Künstler/-innen in Kontakt treten. Die Veranstaltungen waren gut besucht, das Publikum offen, neugierig und spürbar bewegt – von Momenten, die berührten, irritierten oder einfach Freude auslösten. „Wir haben Menschen erreicht, die mit Improvisation bisher gar nichts zu tun hatten – und genau das wollten wir“, sagt Franka Söll. „Es ging nicht darum, Bekanntes zu wiederholen, sondern darum, Improvisation als Haltung erlebbar zu machen.“

Nahezu ausgebuchte Workshops, gut besuchte Vorstellungen, die Reaktionen durchweg positiv. Viele Teilnehmende nahmen neue Perspektiven mit: auf Kunst, Kommunikation – und auf das eigene Vertrauen ins Ungeplante. Am Sonntag, 5. Oktober, endet das Festival mit der Finissage der Ausstellung „Ferngesteuert“ um 16 Uhr im Raum für Grafik (Geiststraße 43).

