Ich freue mich schon auf Halle

Makiko Hirabayashi verbindet das Exotische mit dem Klassischen (Foto: Cultourbüro Herden)

Das neue Jahr warf seine sonnigen Seiten schon voraus, zahlreiche Höhepunkte standen an und deswegen gaben wir einen Ausblick auf die kulturellen Höhepunkte des Jahres. Im Januar und Februar präsentierten wir Ihnen einige Highlights, wie zum Beispiel das Women in Jazz Festival. Wir sprachen im Vorfeld dessen mit der japanischen Künstlerin Makiko Hirabayashi.

Kulturfalter: Das Festival ist fokussiert auf die weibliche Seite des Jazz. Wie würden Sie diese beschreiben?

Makiko Hirabayashi: Ich denke, dies ist vor allem ein biologischer Unterschied. Es zeigt sich in der Wahl der Musik. Für mich ist die weibliche Seite nicht so aggresiv, die weibliche Seite ist weicher und persönlicher. In meiner Band sind aber beide Seiten gut vertreten.

Ist Ihr Jazz weiblicher Jazz?

Für mich ist es wichtig, wenn man sich selber ausdrückt. Ich habe aufgrund meiner Herkunft viele Einflüsse aus dem Osten und aus dem klassischen Bereich. Ich habe seit meinem vierten Lebensjahr Klavier gelernt. Durch meine Mutter habe ich viel klassische Musik gehört und ebenso japanische Volkslieder. Als Teenager ging ich dann nach Hongkong, habe eine englische Schule besucht und habe Pop- und Rockmusik der westlichen Welt kennengelernt. Die Jazzmusik kam erst in meinen ganz späten Teenagerjahren dazu. Aber das wichtigste an meinem Jazz ist, dass ich mich selber ausdrücken kann.

Sie leben schon seit geraumer Zeit in Dänemark...

Ja! Noch ein Einfluss. Die skandinavische Musik hat mich definitiv auch beeinflusst.

Gibt es eine Jazzszene in Japan?

Ja die gibt es, aber ich bin nicht involviert, obwohl ich ab und zu dort spiele. Es gibt eine große Szene, die sich sehr am Mainstream orientiert. Viele Leute fahren nach Amerika, um Jazz zu hören und zu spielen. Aber es gibt auch eine Freejazzszene.

Was macht den japanischen Jazz speziell?

Die Japaner spielen sehr gut, denn sie sind sehr diszipliniert, deswegen hapert es manchmal mit dem Improvisieren.

Meinen Sie damit auch Ihr Spiel?

(lacht) Nein, denn ich bin in Hongkong groß geworden und bin eher nicht die typische Japanerin, die schaut, was auf dem Papier geschrieben steht und nach Fehlern sucht. Ich spiele und liebe den direkten Weg.

Was unterscheidet den japanischen vom europäischen Jazz?

Hier in Europa merkt man sehr den Einfluss der klassischen Musik, denn diese bildet die Roots hier. Sie ist die Basis. In Japan ist das nicht so. Wir haben den Jazz aus New York als Basis.

Einmal weg von der Musik – wissen Sie etwas von Halle?

Nein gar nichts, das müssen Sie mir doch erzählen. Ich weiß nur, dass es in der Nähe von Leipzig liegt.

Es gibt klassische Roots in Halle – Händel ist hier geboren.

Oh wirklich?! Und Bach war doch in Leipzig. Das ist ja interessant.

Was wissen Sie über das Festival?

Es ist sehr respektiert. Viele große Namen haben hier gespielt und meine Plattenfirma wollte sehr, dass ich hier spiele. Ich freu mich schon sehr auf Halle. Ich spiele mit Candy Dulfer zur Eröffnung des Festivals und dann geht’s auf eine kleine Tour durch Deutschland und im März durch Schweden.

Frau Hirabayashi, vielen Dank für das Interview.
(Martin Große, Kulturfalter Januar 2009)