Live oder nicht?

Caden Manson und Jemma Nelson bilden das künstlerische Zentrum der Big Art Group. Sie sind die Shooting Stars einer lebendigen New Yorker Szene und revolutionieren seit 1999 die Performance-Kunst und erfinden sich immer wieder neu. Sie waren ebenfalls Gast beim TdW 2008.

Kommt man in den Genuß einer Performance der Big Art Group scheint auf den Lein- oder Hauswänden alles live zu sein. Es sieht aus wie Kino und doch passiert alles live, wie im Theater. Für das Theater der Welt Festival haben sie sich einen denkwürdigen Titel überlegt. „The People“ – „Das Volk“ werden sie auf öff entliche Räume derPolis projizieren: Orte, in denen die Macht in der Altstadt und in Halle-Neustadtresidiert(e). Diese Orte sind unter anderem das Finanzamt Halle Nord und Süd.  

Bei ihren Arbeiten in Halle haben sie Pasolinis “Skizzen für eine afrikanische Orestie” als Grundlage, die den Übergang einer archaischen Zivilisation zur Demokratie nachzeichnen. Für Pasolini war Afrika 1969 am gleichen Wendepunkt seiner Geschichte angelangt wie das antike Argos zur Zeit des Orests. Noch bis Festivalbeginn werden die Hallenser nach ihrer Auffassung von Demokratie befragt und als Darsteller gecastet.  

Caden Manson stammt aus Corpus Christi in Texas. In Austin studiert er an der Universität von Texas Darstellende Künste, Theater und Performance. Er ist Assistent von Robert Wilson, als dieser „Four Saints in Three Acts“ an der Oper von Houston auff ührt. Die Performancegruppe setzt neben den Stilmitteln des Theaters vor allem Film- und Fernsehtechniken ein. Sie experimentiert zunächst mit Marionetten, Liedern, Tanz und Textfragmenten und durchsetzt die Darstellung zunehmend mit Filmaufnahmen, die vor den Augen der Zuschauer entstehen, auseinandergenommen, manipuliert und neu zusammengesetzt werden. In der Sprache der Medien läuft ein undurchschaubares Spiel mit der Realität und der eingeschleusten Fiktion ab.