Der 13. Lange Abend der Galerien in Halle

Wer sich einen Überblick über Halles Galerien verschaffen möchte, für den bietet sich der Lange Abend der Galerien an. Seit über dreizehn Jahren gibt es dieses Event, welches immer am letzten Samstag im November stattfindet. Am 2. Dezember 2017 öffnen auch dieses Jahr wieder über 30 hallesche Galerien, Kunsthandlungen, Ateliers und Geschäfte mit angewandter und dekorativer Kunst abends ihre Türen und laden Interessierte ein, Kunst einmal aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Von 17 bis 22 Uhr kann man stöbern, schauen, sich begeistern lassen und natürlich kaufen. Auf dieser besonderen Halle-Tour kann man mit den Künstlern und Kunstschaffenden ins Gespräch kommen. In entspannter Atmosphäre warten viele Teilnehmer mit kleinen Weihnachtsüberraschungen bei Glühwein und Gebäck auf Sie. Der sinnliche Spaziergang in die 13. Runde – und er hält so viel mehr bereit als nur malerische Landschaften.

Wie alles begann …

„Die Idee zum Langen Abend der Galerien in Halle entstand vor etwa 14 Jahren“, erinnert sich Thomas Steuber von der Galerie Nord. „Jutta Wittenbecher von der Zeitkunstgalerie und wir von der Galerie Nord, die damals noch die Galerie Kunststücke war, wollten etwas unternehmen, um die Wahrnehmung der Galerie-Landschaft unserer Stadt zu verbessern. Denn sie macht meines Erachtens einen wichtigen Bestandteil des kulturellen Lebens in Halle aus.“ Zehn Jahre lang richtete der Galerist die Veranstaltung selbst aus, bis er die Organisation 2015 an den Kulturfalter übertrug. Mittlerweile machen sich jährlich rund 5.000 Interessierte auf die Socken, um sich bei mehr als 30 Teilnehmern einen Überblick über den halleschen Kunstbetrieb zu verschaffen. „Der Abend bietet eine aktuelle Momentaufnahme der halleschen Galerie-Szene. Denn sie ist immer in Bewegung, ändert sich zwar nicht drastisch, aber signifikant“, weiß Steuber und freut sich: „So bin ich schon gespannt, wie sie dieses Jahr aussieht.“ Am ersten Adventswochenende gibt es von 17 bis 22 Uhr zahlreiche Werke der bildenden, dekorativen und angewandten Künste zu sehen, wobei das Spektrum von Malerei, Grafik und Fotografie über Objekt-, Installation- und Keramikarbeiten bis hin zu Mode-, Schmuck- und Produktdesign reicht. Selbstverständlich werden auch die einstigen Initiatoren von der Galerie Nord und der Zeitkunstgalerie mit von der Partie sein. Neben etablierten Kunstgalerien öffnen aber auch Künstler und Designer selbst die Türen zu ihren Ateliers.

„Kommen, Sehen, Fröhlich werden“

Beispielsweise laden die Keramikkünstler Tilman Beyer und Antje Halter in ihre Werk- und Verkaufsstätte an der Mühlpforte ein. Handgefertigte Geschmeide gibt es indes in der Schmuckgalerie Antje Weyrich im Lukashof oder in der Schmuckwerkstatt von Claudia Baugut und Silvia Nagel zu entdecken. Am Alten Markt bietet das Künstlerhaus Goldener Pflug Einblicke in die geschichtsträchtigen Mauern eines der ältesten Gebäude der Stadt von 1602 sowie in die Studios und Ateliers der hier arbeitenden Künstlerschaft. Spannende Begegnungen stellt auch ein Besuch im Trothaer Kunstsalon Hänsel in Aussicht, der unter dem Motto „Kommen, Sehen, Fröhlich werden im Namen der Bildenden Kunst“ Halles Bohème-Kultur zum Erblühen bringt. Darüber hinaus beteiligen sich auch kleine Geschäfte wie die Parade in der Großen Steinstraße, in denen sich vor allem junge hallesche Künstler und Designer mit ihren Arbeiten präsentieren, an dem abendlichen Rundgang. Zudem sind Pop-up-Stores wie das alljährlich in der Innenstadt aufgewirbelte Porzellanlädchen Schneegestöber oder die temporäre Verkaufsgalerie Santa Bebel in der Geiststraße mit dabei. Wenngleich der Altstadtkern die meisten Attraktionen bündelt, erstreckt sich die Route insgesamt über die nördliche Innenstadt hinaus bis nach Trotha und entspricht damit bis heute Thomas Steubers Bestrebungen, die Veranstaltung über den gesamten städtischen Bereich auszudehnen. Damit bietet der Lange Abend der Galerien auch in diesem Jahr wieder eine wunderbare Gelegenheit, in die reich facettierte Welt des halleschen Kunstbetriebs einzutauchen, bei Gebäck und einem Gläschen Wein in entspannter Atmosphäre mit seinen Akteuren und Interessierten vor Ort ins Gespräch zu kommen und ganz nebenbei klug in die eigene kleine Kunstsammlung zu investieren – oder in erste Weihnachtsgaben.

Text: Katharina Lorenz



Der 12. Lange Abend der Galerien - Ein Einblick in Bildern

  • Vier Designerinnen in einem Atelier - Frauenzimmer. (Foto: Frauenzimmer)
  • Ein Foto-Palimpsest mit einer Keramik von Claudia Trebstein. Zu sehen im Atelier für FotoKunst und Design. (Foto: Doris Behm)
  • Ausstellung „Die neuen Nanas“ - Fotografien von Angelika Himburg. Zu sehen in der Galerie des Frauenzentrums Weiberwirtschaft.
  • Eine Statue von Martin Traub kann man in der Galerie Nord sehen. (Foto: Galerie Nord)
  • Eine Weihnachtsausstellung wird es in dem Galerieatelier von Frau Weyrich geben. (Foto: Antje Weyrich)
  • Viele bunte Sachen kann man beim Klunkerfisch bewundern und sich im Acrylmalen probieren. (Foto: Steffi Herrmann)
  • Viele Künstler, unter anderem Sabine Kunz beteiligen sich im Künstlerhaus "Goldener Pflug" (Foto: Sabine Kunz)
  • Ringe und vieles mehr gibt es bei Frau Jakob zu bestaunen. (Foto: Margit Jakob)
  • Schönes Einkaufen heißt es in der Parade, denn es gibt Kunst von lokalen Künstlern. (Foto: Henriette Lattorff)
  • Nicht nur Gamaschen sondern vieles mehr kann man beim Adventsbasar von Romy Kraft kaufen. (Foto: Romy Kraft)
  • Die Ausstellung von Bildern von Iris Band. Und dazu gibt es eine Verkostung von Winzerglühwein anlässlich des 20jährigen Bestehens der Damenkunstklasse Halle. Im Kunstsalon Hänsel. (Foto: Fr. Hänsel)
  • Schönstes Porzellen kann man in der Weihnachtszeit im Schneegestöber - dem temporären Porzellanladen im Inteckta kaufen. (Foto: Claudia Stölzel)
  • Viele Ausstellungen bietet die Zeitkunstgalerie. (Foto: Zeitkunstgalerie)


Der 11. Lange Abend der Galerien - ein Rückblick

Unsere Redakteurin Madeleine Adler wollte sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen. Sie schnappte sich eine Freundin und wanderte los.

Die erste Station war die Galerie Nord in der Bernburger Straße. Herr Steuber, der Inhaber, hatte in den vergangenen 10 Jahren den Langen Abend der Galerien organisiert und dadurch eine einmalige Gelegenheit geschaffen, Kunst und Künstler zu erfahren und kennenzulernen. Er erzählte uns, dass nicht nur Hallenser diese Möglichkeit wahrnehmen, sondern auch Besucher aus Leipzig und Magdeburg darunter sind. In der Galerie Nord fand an diesem Abend die Vernissage zur  Ausstellung  „Die Verwandlung“ statt. 32 Künstler, darunter Marc Fromm, Eva Mahn und Moritz Götze, tauchten in die Welt Kafkas ein und machten diese auf 2 Etagen u.a. durch Gemälde und Plastiken sichtbar. Auch wir wurden Teil von Gregor Samsas Metamorphose, und bewunderten Werke wie „Die Verwundung“ von Klaus Völker oder „Die Verwandlung“ von Roland Köhler. Anschließend zogen wir weiter Richtung Ludwig-Wucherer-Straße. In der Galerie Kunst im Keller von Ursula Niedrig herrschte ein buntes Treiben. Begleitet von leiser Musik und dem Duft von Weihnachten sahen wir uns Keramiken, Schmuck und Bilder der halleschen Künstlerin Iris Band, die gerade dort ausstellte, an. Diese war auch selber vor Ort und gerne bereit über ihre Kunst zu sprechen. Auch mit Frau Niedrig sprachen wir. Sie erzählte uns, dass sie ebenfalls seit dem ersten Jahr an dem Langen Abend der Galerien teilnimmt und darin jedes Jahr aufs Neue eine schöne Gelegenheit sieht, auf ihre auf den ersten Blick etwas versteckt gelegene Galerie, für jedermann aufmerksam zu machen.  Nach einem selbstgemachten Punsch ging es für uns von expressiven Gemälden und Kunstwerken weiter zu expressiver Mode. 

Extravagantes in eigenen Shows

Im Studio Cugat ID Styling – Fashion – Coaching konnte man sich die extravaganten Stücke nicht nur ansehen, sondern auch live bei kleinen Shows erleben. Und weil zur Mode auch der Schmuck gehört, führte uns der Weg weiter gen Zentrum. Am oberen Ende der Kleinen Ulrichstraße konnte man im Schmuckatelier Garzareck-Todorov stilvoll inszenierte Unikate bewundern und mit den beiden Schmuckdesignern sprechen.  Nach dem wir uns von den einmaligen Stücken losreißen konnten, liefen wir die Kleine Uli hinunter zum Keramikatelier und Galerie Anne Viecenz. Von Einzelstücken bis hin zu Kaffee-Sets fand man allerlei Keramikkunst. Und auch hier stand Frau Viecenz bei Fragen gern zur Verfügung. Für uns ging es von dort aus weiter, vorbei an Galerie-Atelier Mojak, in der es so voll war, dass wir uns gar nicht mehr rein getraut haben, zur Schmuckwerkstatt von Claudia Baugut und Silvia Nagel. Das Besondere hier war, dass man nicht nur die fertigen Schmuckstücke ansehen konnte, sondern dass man sich auch gleichzeitig mitten in der Arbeitsstätte der beiden Frauen befand. Diese stellen von schlichten Designerstücken bis zu opulente Kette und ausgefallenen Ringe, Schmuck aus sämtlichen Materialien her. Außer den Klassikern in Gold und Silber bekommt man hier auch u.a.  Stücke aus Kupfer und Eisen.

Zum Schluss ins Frauenzimmer

Nach einem kurzen Gespräch gingen wir zu unserer letzten Station an diesem Abend, der Galerie Frauenzimmer. Hier fanden wir hochwertige, von handgefertigte Einzelstücke, die in jeden Frauenschrank gehören. Taschen passend zum Kleid und Schal sowie Schmuck und andere Accessoires werden von den Frauen mit Liebe zum Detail hergestellt. Aber nicht nur ansehen war an diesem Abend möglich, sondern vor allem auch anprobieren und kaufen. Gegen 22 Uhr beendeten wir unsere Tour und auch der Lange Abend der Galerien neigte sich langsam dem Ende entgegen. Unser Fazit: Fünf Stunden sind leider viel zu wenig Zeit, um all die einzigartigen Werke zu bewundern, aber für alle Kunstbegeisterten und Interessierte ist der Lange Abend der Galerien eine besondere Möglichkeit in die hallesche Kunstwelt einzutauchen und mit dem ein oder anderen Künstler ins Gespräch zu kommen.    

Der 12. Lange Abend der Galerien in Halle findet am 26. November 2016 statt.