Es war die schönste Zeit meines Lebens

Mit Patricia Kelly war ein weiteres Mitglied der Kelly Familie auf Solopfaden in Halle im Objekt. (Foto: Lutz Winkler)

Am 18. April 2010 weilte mit Patricia Kelly ein weiteres Mitglied der Kelly Familie auf Solopfaden in Halle im Objekt. Nach ihrem Bruder Jimmy Kelly nahm sie sich auch Zeit für eine Interview in unserer Reihe „Station Halle“ mit Kulturfalterredakteur Martin Große.

Kulturfalter: Guten Tag, Patricia Kelly. Unsere Serie heißt Station Halle – Wo weilten Sie gestern?

Patricia Kelly: Ich war gestern noch in Südfrankreich und habe privat Freunde besucht.  

Sie sind nicht das erste Mal in der Stadt. Welche Erinnerungen verbinden Sie mit der Stadt?

Halle ist für mich immer Herr Reichert. Er ist eine Schlüsselperson. Er hat uns, als wir nach der Wende hier gespielt haben, viele Türen geöffnet. Das waren Riesenkonzerte damals. Und Halle ist für mich immer auch Kultur. Was hier an Kultur geboten wird und erhalten wurde, das ist nicht selbstverständlich. Halle ist da ganz besonders im Osten, wie auch Dresden, Leipzig und Berlin.

Haben Sie einen Lieblingsplatz in der Stadt?

Es gibt ein nettes kleines Café da in der Ulrichstraße (Anm. d. Red. wahrscheinlich der Kaffeeschuppen) Das ist ein süßer alter Laden, in dem ich oft war. Es gibt mehrere schöne Plätze – die Marktkirche, vor der wir oft gespielt haben, der Markt überhaupt, die kleinen Gassen und alten Häuser und die alte Architektur. Das ist im Westen alles weg. Ich finde das großartig hier.

In Ihrem Konzert und der CD geht es um Spurensuche. Worum geht es?

Naja, ich mache seit dem letzten Jahr meine eigenen Sachen. Ich bin sehr gern Mutter von meinen zwei Kindern, doch ich brauche die Musik zum Leben wie die Luft zum atmen. Ich erzähle in dem Konzert meine musikalische Geschichte. Ich singe in sechs Sprachen und erzähle Geschichten aus Spanien, Erlebnisse die mich geprägt haben aus Frankreich, aus Italien, davon wie es war, auf den Straßen zu singen und im VW-Bus zu reisen. Es waren die die schönsten Jahre meines Lebens.  

Was ist das eigentlich für ein Gefühl, nach dem großen Hype plötzlich alleine auf der Bühne zu stehen?

Wir waren lange zusammen und haben unglaublich viele Konzerte gespielt. Ich habe mir danach viele Gedanken über das Leben gemacht. Wo ich hin will. Was möchte ich und wo komme ich her. Dann habe ich nebenbei mit einem Jazzprogramm angefangen und habe gemerkt, dass Zukunft und Vergangenheit zusammengehören. Ich bin Teil meiner Vergangenheit. Und es ist eine reiche Vergangenheit. Ich habe so viel erlebt und habe dann gemerkt, wie selten das ist, wie mutig das war, einfach durch die Gegend zu ziehen. Da habe ich dann gespürt, dass ich davon erzählen will und eine kleine Tournee geplant. Das war ein super Gefühl. Doch ich hab tagelang nichts mehr gegessen vor dem Konzert. Es ist völlig anders als vorher. Aber es war alles ok! Ich hab mit der Jazzband 18 wunderschöne Konzerte gespielt.  

Wie ist eigentlich der Kontakt der Kellys untereinander?

Wir haben viel Kontakt untereinander. Jimmy ist ein direkter Nachbar von mir. Es ist ein bisschen wie in einer großen Kommune. Maite und Barby wohnen eine Straße weiter. Zu manchen habe ich ein gespanntes und zu manchen ein entspanntes Verhältnis, wie in einer normalen Familie.

Würden Sie mit Ihren Kindern auf die Bühne gehen?

Oh ja, die wollen immer und drängen mich schon. Sie sind jetzt fünf und sieben Jahre alt und lieben die Musik. Sie wollen immer Musik machen. Aron spielt afrikanische Trommel und Klavier. Sein Rhythmusgefühl ist sagenhaft. Alexander, der ältere, lernt Schlagzeug. Doch ich versuche ihnen ein normales Leben zu geben, ohne sie in die Öffentlichkeit zu pushen. Es muss einen gesunden Rahmen haben, ohne dass es zu viel wird. Aber sicher wird es eine Band in der Zukunft geben.

Ihr Bruder Jimmy Kelly erzählte, dass er auch jetzt noch gern auf der Straße spielt. Ist das auch für Sie vorstellbar?

Nein, das kann ich mir nicht mehr vorstellten. Ich bin eine Frau und als Frau alleine auf der Straße – das ist hart. Auf der Straße spielen ist generell hart, aber mit den anderen zusammen ging es. Wir waren jung und hatten Lust und Freude daran zu spielen. Heute könnte ich mir vorstellen, für einen guten Zweck zu spielen, etwas anderes ist nicht drin.

Sie sind nebenbei auch noch Patin eines Wettbewerbes...

Ja, das ist noch ganz neu. Seit letzter Woche mache ich da mit. Da können sich Jugendliche anmelden und eine eigene Version zu dem Lied „Welcome to Europe“ einreichen. Das passt zu mir. Ich bin Europäerin. Ich habe in so vielen Ländern gelebt. Es ist einfach meine Heimat. Ich fand es passend, dass junge Bands daraus ihr eigenes Ding machen und Kreativität und eigene Persönlicheit entfalten.  

Wo geht es morgen hin?

Oh, wir sind überall, aber morgen geht es nach Berlin.

Frau Kelly, vielen Dank für das Gespräch!
(Martin Große, Kulturfalter April 2010)