Ich bin ein Wanderer und fühle mich überall ein bisschen zu Hause

Auch als Solokünstler immer noch ein Familienmensch: Jimmy Kelly (Foto: Pr)

Jimmy Kelly war bestimmt schon 100 Mal in Halle. Das letzte Mal zum Salzfest 2010 und auch am 7. November 2010 im Objekt 5. Kulturfalterredakteur Martin Große sprach mit ihm über sein Leben als Straßenmusiker, seine neue Band, seine Tour und seine Beziehung zu Halle.

Kulturfalter: Sie waren als Straßenmusiker zum Salzfest in Halle angekündigt, wie kam es dazu?

Jimmy Kelly: Das war eine Idee von Jürgen Reichardt. Er hatte gesehen, dass ich in Eisleben war und dass es da Probleme gab, und meinte, ich könnte doch in Halle spielen. Aber es kam nicht dazu, denn ich bin krank geworden und es hat auch die ganze Zeit geregnet.

Wie ist es, wenn Sie auf der Straße spielen – erkennen Sie die Leute?

Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt viele, die mich nicht erkennen, aber genauso viele, die mich kennen und begeistert sind, während es andere als selbstverständlich hinnehmen. Schön ist, dass es sich im Kreis dreht, also dass einige, die uns damals als junge Menschen oder Kinder erlebt haben, nun mit ihren Kindern kommen.

Sie spielen im November im Objekt 5 mit Ihrer Band und darin spielt auch Ihre Frau. Sind sie jetzt wieder als Familie auf Tour?

Ein bisschen ist es so. Meine Frau spielte auch schon mit mir auf der Straße. Es ist ein bereicherndes und neues Erlebnis, auch für unsere Beziehung.

Die „The Hometown Tour“ wird auch als Suche nach einer echten Heimat bezeichnet. Was ist damit gemeint?

Ich weiß es nicht. Ich habe keine richtige Heimat. Als Kinder sind wir viel umhergezogen und vielleicht bin ich ein Mischwesen aus vielen Einflüssen. Ich bin ein Wanderer, ein Heimatloser und fühle mich überall ein bisschen zu Hause. Zu Hause ist für mich da, wo meine Frau und Kinder sind.

Die Mitglieder Ihrer Band sind Straßenmusiker, wie erleben die es auf einmal auf einer richtigen Bühne zu stehen und zu spielen?

Die Bühne ist ein bisschen wie ein Echo und es ist eine andere Stimmung, aber sie kennen auch Bühnenshows. Sie haben alle schon viel Erfahrung und haben schon einiges gemacht und in vielen Bands gespielt. Sie sind Straßenmusiker nur in ihrer Freizeit.

Es wird erzählt, Sie haben sich auf der Straße kennengelernt?

Das stimmt. Ich habe in Aachen gespielt und dann kamen sie an und meinten ‚Das ist unser Platz‘. Ich habe dann noch ein Lied gespielt und das hat ihnen gefallen. ‚Du singst nicht schlecht meinten sie‘ und dann habe ich mir ihre Musik angehört. Sie hat mir gefallen und wir haben Telefonnummern ausgetauscht.

Waren sie überrascht, als sie erfahren haben, wer Sie sind?

Am Anfang ja. Sie fragten, ob es sein kann, dass ich einer von den Kellys bin. Wir haben dann den Kontakt gehalten und ich hab sie dann gefragt, ob sie Lust haben mit mir auf Tour zu gehen.

Jimmy Kelly, vielen Dank für das Interview.
(Martin Große, Kulturfalter November 2010)

 

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