Im Foyer mit... Alexander Terhorst

Alexander Terhorst als Kommissar Wittebrink (Foto: Promo)

Am 15. November hatte das Stück „William Shakespeare schreibt für uns“ von Theater Apron Premiere in der Goldenen Rose. Für unsere Reihe traf sich Kulturfalter- Redakteur Martin Große nach der ersten Vorstellung im Foyer mit dem Schauspieler und MDR-Moderator Alexander Terhorst. Ihn kann man aktuell nicht nur bei MDR Jump hören, sondern auch als Kommissar Wittenbrink (Foto) im Krimitheater der Kulturreederei im Krug zum Grünen Kranze erleben. Wie ihm das neue Stück von Theater Apron gefallen hat, erzählt er hier.

Kulturfalter: Was wusstest du über das Stück?

Alexander Terhorst: Fast nichts. Autor und Regisseur Volker Dietzel hat mir zwar vor Monaten mal von seiner Grundidee erzählt, das konnte ich aber erfolgreich verdrängen. Alles, was ich jetzt noch wusste, war, dass ein bisher unbeachteter Shakespeare-Text eine hallesche Welturauff ührung möglich macht.

Mit welchen Erwartungen bist du hingegangen? Wurden diese erfüllt?

Befürchtet habe ich einen pseudo-intellektuellen Langweiler in Reimform, mit Schauspielern als überforderte Repetiermaschinen. Bekommen habe ich eine Überraschung. Zwei junge Frauen in Männerrollen und ein alter Mann mit femininen Zügen. Sie schenken sich nichts und jonglieren sich ziemlich kurzweilig durch wortakrobatische Pointen und begeistern mit lebendigem Spiel.

Was hat dir noch gefallen an der Inszenierung?

Die vielen aktuellen Bezüge. Es geht um institutionelle Arschkriecherei und Anarchismus. Um Frauen, die sich nicht verbiegen wollen, um noch schlimmere Männer zu werden. Um Grabschen, Glotzen, Motzen und Kotzen. Aber auch um die Angst vor Veränderung. Und um die Unerbittlichkeit festgefahrener Machtstrukturen.



Welche Sachen würdest du anders machen? Gibt es Kritikpunkte?

Ich hätte sicher alles anders gemacht. Denn ich bin ein Anderer. Aber auch aus der Inszenierung heraus sehe ich durchaus Potenzial. Das betrifft vor allem theatralische Möglichkeiten wie Licht, Musik, chorisches Sprechen oder abstrakte Bildsprache, die praktisch nicht vorkommen. Anderseits spricht die Reduzierung auf das Schauspiel für Geradlinigkeit.

Wie waren die Reaktionen des Publikums?

Amüsiert. Bewundernd. Dankbar. Weil das Stück in einem Spiegelsaal aufgeführt wird, kann man die Reaktionen der Zuschauer jederzeit in den gespiegelten Gesichtern ablesen. Man wird also zum Voyeur, der nicht nur die Schauspieler, sondern auch sich selbst und das Publikum beobachtet.

Wie lautet dein Fazit?

Dieser Theaterabend eignet sich besonders für Liebhaber bitterböser und geistreicher Wortkaskaden. Auch das Zusammenspiel von Katja Röder, Maria Naumann und Bartel Wesarg ist sehenswert und ganz „Apron-like“: Du wirst nach und nach in das Spiel der Figuren hineingezogen.