Jüdische Kulturtage in Halle

Die Band Dobranotch ist zu Gast bei den jüdischen Kulturtagen 2018. (Foto: jüdische Kulturtage)

Mit einem Konzert der St. Petersburger Klezmer-Band Dobranotch (Foto) beginnen am 14. Oktober die Jüdischen Kulturtage in Halle, die in diesem Jahr unter dem Motto „Jüdische Kultur in der Weimarer Republik“ stehen. Mit hochklassigen internationalen Konzerten, Vorträgen, Führungen und vielem mehr lädt das bisher umfänglichste Programm der Kulturtage zu Begegnungen mit lokaler und internationaler jüdischer Kultur und Geschichte sowohl in Halle als auch an ausgewählten Orten Sachsen-Anhalts ein. Die jüdischen Kulturtage finden 2018 vom 14. Oktober bis zum 14. November statt.

Fokus Weimarer Republik

Passend zum Themenjahr der Stadt Halle „Moderne und Revolution“ geben die Jüdischen Kulturtage Einblick in die jüdische Perspektive auf die erste deutsche Demokratie. Ob Daniel Kahn mit „Verfremdungsklezmer“, eine Lesung mit Werken Kurt Tucholsky oder der Vortrag des bekannten israelischen Publizisten Chaim Noll zum Beitrag jüdischer Intellektueller zur Weimarer Republik: die Veranstaltungen zeigen, dass die 1920er und 30er Jahre entscheidende Jahre für die europäisch-jüdische Kultur darstellen, eine einmalige Blütezeit des geistig-kulturellen Miteinanders. Gerade im europäischen Kontext wird der Vortrag von Dr. Diana Matut zu jiddischer Kultur in der Weimarer Republik Einblick geben in eine Ära, in der osteuropäisch-jüdische Kulturschaffende in Deutschland Zuflucht und Exil suchten und fanden.



Viele Veranstaltungen mit halleschem Bezug

Schon seit dem Mittelalter gab es eine jüdische Präsenz in Halle. Deren Geschichte stellt Dr. Maike Lämmerhirt in ihrem Vortrag im Stadtmuseum vor. Zudem ziehen seit Beginn der Kulturtage die Führungen von René Zahl zur jüdischen Geschichte in Halle gleichbleibend viele interessierte Zuhörer an, weswegen sie aus dem Programm nicht wegzudenken sind. Anlässlich des 80. Jahrestags der sogenannten Reichspogromnacht bietet Heidi Bohley einen Rundgang zu Stolpersteinen in Halle an, die an Menschen erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden.

Wer weiß schon, dass die Geschichte des Jüdischen Fußballs in Halle etwas Besonderes ist und sich von Vereinsgeschichten der Fußballclubs in anderen deutschen Großstädten unterscheidet. Ein moderierter Gesprächsabend zum Vortrag von Prof. Dr. Jürgen Hermann mit dem Halleschen Fußballclub e.V. und Turbine Halle e.V. wird Interessantes zu Tage fördern.

Eine Ausstellung zeigt das Leben der Mäzenin Emmy Rubensohn, deren Familie aus Halle stammt und ein Musikabend widmet sich ihrem New Yorker Pendant, der „Jazz-Baroness“ Pannonica de Koenigswarter. Beide Veranstaltungen sind erstmals eine Kooperation mit dem Verein Dornrosa e.V zu den FrauenKULTURTagen in Halle.

Ein weiterer historischer Bezug: 70 Jahre Israel

Die Jüdische Gemeinde zu Halle als Mitveranstalterin der Kulturtage lädt zu einem Abend mit ihrem ehemaligen Gemeindemitglied – und jetzigem israelischen Staatsbürger – Zeev Dvorkin ein, der über seine Einwanderung nach Israel berichten wird, wiederum im historischen Kontext der Alija des Hallensers Leib Herschkowitz, der in den 1930er Jahren ins damalige britische Mandatsgebiet Palästina ging. Auch lädt die jüdische Gemeinde zu der Ausstellung „1948“ ein, die über die Gründung des Staates Israel berichtet.



Eine Filmreihe und viel Gelegenheit zur eigenen Beteiligung

Der traditionelle Klezmer-Tanz-Abend, in diesem Jahr in der Harzmensa, und viele weitere Veranstaltungen wie die ENTDECKUNGEN XX mit dem Kurt- Weill- Fest in Dessau zum Thema: „Weimar – im Vorhof des Exils“, die Schabbat-Abende, der Musik-Workshop mit Daniel Kahn & The Painted Bird, die Jam-Session und das Konzert und Sing-Along mit den Rabbinern Zsolt Balla und Daniel Fabian laden zum Mitlernen, -singen, -spielen und -tanzen ein. Filmenthusiasten finden einen der wenigen aktuellen Spielfilme in jiddischer Sprache „Menashe“ sowie eine Dokumentation über jüdisches Leben in Berlin im Programm.

Erstmals Veranstaltungen in den jüdischen Museen Sachsen-Anhalts

Das Museum Synagoge Gröbzig stellt sich im neuen Gewand vor und die Stiftung Moses Mendelssohn Akademie Halberstadt ist mit einem gemeinsamen Projekt des Museumsverbandes Sachsen-Anhalt e.V. erstmals dabei.

Alle Infos zu den einzelnen Programmpunkten finden Sie in unserem Kalender und auf www.juedischekulturhalle.de