Jüdische Kulturtage in Halle

Die Klezmatics kommen zum ersten Mal in die Saalestadt. (Foto: jüdische Kulturtage)

Das junge Festival präsentiert seine fünfte Ausgabe. „Fünf Jahre, das ist doch schon ein kleiner Meilenstein“, meint die Vorsitzende des Freundeskreis Leopold Zunz Zentrum e.V., Cornelia Zimmermann, anlässlich der Präsentation des Programms der Jüdischen Kulturtage in Halle 2017. Was 2013 mit einer Idee des Kulturmanagers und Musikers Andreas Schmitges in Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis begann, präsentiert sich heute als ein umfangreiches und vielseitiges Festival, das sowohl ein internationales und hochwertiges Musik- und Kulturprogramm bietet, als auch Vorträge, Lesungen und Filme, die ein Fenster öffnen in die reiche jüdische Kulturgeschichte Europas und der USA.

Jüdische Musik verschiedener Epochen

In diesem Jahr kommen speziell die Freunde der Renaissance- und Barockmusik auf ihre Kosten. Gleich zwei Ensembles präsentieren jüdische Musik dieser Epoche. Mit simkhat hanefesh singt Diana Matut, Dozentin am Institut für Judaistik der MLU, ein Programm westjiddischer Lieder, die das reiche kulturelle Leben der Juden in Deutschland aus dieser Zeit beschreiben. Das israelisch-schweizerische Ensemble Profeti della Quinta hat sich hingegen ganz dem Repertoire des jüdisch-italienischen Renaissance-Komponisten Salamone Rossi gewidmet. Dessen fünfstimmige hebräische Psalmvertonungen sind Meisterwerke der jüdischen Musik und werden von den jungen Profeti kongenial vorgetragen.

Klezmer-Musik darf nicht fehlen

Doch auch die in den Jüdischen Gemeinden Deutschlands sehr beliebte jüdische Musik Osteuropas ist mit Highlights vertreten: Karsten Troyke und Sharon Brauner eröffnen die Kulturtage am 15.10. mit ihren jiddischen Lieblingsliedern und das weltbekannte kalifornische Klezmer-Ensemble Veretski Pass präsentiert gemeinsam mit dem Klarinetten-Virtuosen Joel Rubin die jiddische Musik Polens.


Vorträge, Lesungen, Filme

Einen besonderen Akzent möchten die Organisatoren mit zwei Filmen setzen, die sich mit jüdischem Leben in Polen beschäftigen, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit einer großen Gruppe Zuwanderer auch in Halle vertreten war. Weiterhin befassen sich Vorträge und Lesungen etwa mit dem Werk Heinrich Heines und mit unterschiedlichen Geschichtsbildern in Ost und West am Beispiel von Bruno Apitz und Edgar Hilsenrath. Ein neues Format stellt unter dem Motto: „Jüdische Gemeinden zu Gast“ das Leben in anderen jüdischen Gemeinden Deutschlands vor. In diesem Jahr berichtet Frau Dr. Röcher zur Geschichte und Gegenwart der Jüdischen Gemeinde in Chemnitz. In Halle lädt die Jüdische Gemeinde wieder zu offenen Schabbat-Abenden ein und die beliebten Stadtführungen mit René Zahl locken die Hallenser*innen, die jüdische Geschichte ihrer Stadt kennenzulernen.

Entdeckungen und Programm für Kinder und Jugendliche

In Zusammenarbeit mit dem Dessauer Kurt-Weill-Fest bieten die Entdeckungen im Stadtmuseum an zwei Tagen Gelegenheit zu einer intensiven Beschäftigung mit deutsch-jüdischer Geschichte nach dem Ersten Weltkrieg. Das Stadtmuseum bietet außerdem sowohl für die Grund- als auch für die Sekundarschulen und Gymnasien ein Programm zur Entdeckung jüdischer Lebenswelten an.


Gemeinsamer Tanz in der Aula der Universität

In der letzten Woche der über dreiwöchigen Kulturtage lockt ein besonderer Abend: Begleitet von virtuoser Klezmer-Musik aus den USA dürfen alle Tanzbegeisterten auf dem Parkettboden der Aula der Universität das Tanzbein schwingen, bevor das Festival mit dem Abschlusskonzert von Veretski Pass zusammen mit Joel Rubin endet.

Alle Infos zu den einzelnen Programmpunkten finden Sie in unserem Kalender und auf www.juedischekulturhalle.de