300 Jahre erste Freimauergroßloge in London – Halle als ein Zentrum der deutschen Freimaurerei

Die Siegel der fünf halleschen Freimaurerlogen in der Reihenfolge ihrer Gründung

Am 24. Juni 2017, dem Geburtstag Johannes des Täufers – Schutzpatron der Steinmetzen und Freimaurer –, begehen die Freimaurer in der ganzen Welt das Jubiläum der Gründung der ersten Freimaurergroßloge durch vier Logen in London vor 300 Jahren. Diese wurde zur Muttergroßloge aller „regulären“, d. h. von ihr anerkannten, Großlogen. Schon im 17. Jahrhundert gab es in England und Schottland Freimaurerlogen. Die Bruderschaften der alten Bauhütten nahmen zunehmend Männer auf, die nicht dem Baugewerbe angehörten, aber an den Gebräuchen und dem geistigen humanitären Klima interessiert waren. Als die Freimaurerei auch auf das europäische Festland gelangt war, breitete sie sich in Deutschland schnell aus, nachdem der 1738 heimlich in den Bund aufgenommene Kronprinz Friedrich bei seinem Regierungsantritt als Friedrich III. sich im Jahre 1740 öff entlich zur Freimaurerei und ihren humanitären Zielen bekannt hatte.

 In Halle mit seiner 1694 gegründeten Friedrichs-Universität und seinen gelehrten Aufklärern, etwa dem Philosophen Christian Wolff, musste die freimaurerische Idee der Humanität und Toleranz auf besonders fruchtbaren Boden fallen. Als erste hallesche Freimaurerloge gründeten Ende 1743 fünf Jurastudenten die Loge „Zu den drei goldenen Schlüsseln“, die sich jedoch um 1749 oder 1750 aus unbekannten Gründen wieder auflöste. Ende 1756 kam es zur Gründung der Loge „Philadelphia zu den drei goldenen Armen“. Nachdem sie sich infolge der in der Anfangszeit der deutschen Freimaurerei durch die verschiedensten Strömungen aufgetretenen Irrungen und Wirrungen – meist von Fantasten, Hochstaplern und Betrügern verursacht – Ende 1764 aufgelöst hatte, kam es im nächsten Jahr zur Neugründung als Loge „Zu den drei Degen“, die jedoch zwischen 1769 und 1778 ruhte. Ab da kam es zu einer raschen Entwicklung der Loge zu einer der größten deutschen Freimaurerlogen, die schließlich 1934 bei ihrer erzwungenen Auflösung durch die Nationalsozialisten insgesamt 2275 Mitglieder besessen hatte. 19 Straßen, Plätze und Brücken tragen heute noch die Namen von um die Stadt Halle besonders verdienten Mitgliedern, wie z. B. Wucherer, Riebeck, Reil und die Oberbürgermeister Bertram und Voß. Die höchste Mitgliederzahl betrug 1928 außer Ehrenmitgliedern und ständig Besuchenden 523 ordentliche Mitglieder. Nachdem die Degen-Loge auf Anraten des Mediziners und Leopoldina-Mitgliedes Johann Christian Reil 1792 den Jägerberg neben der Moritzburg erworben hatte, wurde in der nachfolgenden Zeit das Logengebäude immer wieder umgebaut und vergrößert und ist seit 2012 der eindrucksvolle Sitz der „Leopoldina“. Eine weitere Besonderheit ist, dass diese Loge auf dem Gertraudenfriedhof eins von zwei Freimaurergrabfeldern in Deutschland besaß. Einmalig ist auch die Gründung der ihr angegliederten kulturellen „Berggesellschaft“ für Nichtlogenangehörige im Jahre 1800. Die dort berühmt gewordenen Konzerte wurden u. a. von Johann Friedrich Reichardt und Robert Franz geleitet. Und einmalig ist auch, dass die ehemaligen Mitglieder nach der Zwangsauflösung der Freimaurerei im Jahre 1935 als „Berggesellschaft“ mit höchster Genehmigung ihr Haus weiternutzen durften, aber dann unter dem Druck der Bevölkerung 1937 das Logenhaus nebst Grundstück der Stadt schenkten. Erst 1885 gründete sich als zweite Loge die „Fünf Türme am Salzquell“, die bereits zwei Jahre später in der damaligen Albrechtstraße ihr ebenfalls prächtiges Logenhaus (das sog. „Puschkinhaus“) beziehen konnte. Dieses wurde ohne die sonst übliche Enteignung durch die Nazis 1937 unter Wert an die Stadt verkauft. Nach der Rückübertragung übergab die 1992 reaktivierte Loge 2002 das für sie nun zu große Gebäude für einen guten Zweck an die „Gesellschaft der Freunde des Thalia-Theaters“.

Die Siegel der fünf halleschen Freimaurerlogen in der Reihenfolge ihrer Gründung

1903 wurde eine weitere Loge installiert, die „Friedrich zur Standhaftigkeit“ (Namenspatron Kaiser Friedrich III.), die nach Erweiterung der ehemaligen Villa des Medizinprofessors Ernst Kohlschütter 1908 ihr neues Domizil in der heutigen Heinrich-u.-Thomas-Mann-Str. 26 bezog, das sie 1935 an die Universität verkaufte. Auch diese Loge konnte nach der Wende reaktiviert werden und nutzt heute gemeinsam mit der 5 Türme-Loge das rückübertragene Haus. 1905 gründete sich als vierte Freimaurerloge die „Burg am Saalestrande“ und schließlich 1927 die „Zu den drei Säulen am Giebichenstein“, wobei diese eine geringere Mitgliederzahl und kein eigenes Haus besaßen. Immerhin gab es um 1930 über 1000 Freimaurer in Halle. Die von diesen fünf Freimaurerlogen in der Zeit ihres Bestehens für die hallesche Bevölkerung geleisteten Wohltaten und Spenden sind beträchtlich. Was ebenfalls besonders bemerkenswert ist, dass nachweislich die halleschen Freimaurer in der Nazizeit vergleichsweise relativ wenigen Repressalien ausgesetzt waren. Der Autor hat bisher die Chroniken aller fünf halleschen Freimaurerlogen verfasst, die aber wegen ihrer vielen logeninternen Details für den nicht freimaurerischen Leser überfrachtet sind. Daher soll Ende 2017 sein Buch „Die alten Logen und Orden der Saalestadt Halle“ erscheinen. Denn neben den Freimaurerlogen gab es hier früher viele erwähnenswerte freimaurerähnliche Logen und Orden.