400 Musiker für 25 Junge Meister!

Junge Musiker des Impulsfestivals im Steintor 2017. (Foto: Kathrin Singer)

Die glanzvolle Zeit der Barock- und Bauhausära prägt bis heute die kulturelle Landschaft Sachsen-Anhalts. Bei solch glanzvoller Vergangenheit ist es manchmal notwendig, dass man musikalische Weichen auch für die Zukunft stellt. So entstand 2007 das Impuls-Festival für Neue Musik. Der unkonventionelle Satz des niederländischen Intendanten Hans Rotman „Neue Musik lecker machen“ steht dabei sinngebend hinter den vielen besonderen Konzertformaten und Jugendprojekten. Statt hochspezialisierte Ensembles einzuladen, setzten die Macher auf den Aufbau eines Netzwerkes mit den eigenen Orchestern im Bundesland, den MDR-Klangkörpern, Schulen und dem Bauhaus Dessau.



Unter dem Motto „Junge Meister!“ steht die 11. Ausgabe vom 17. Oktober bis 17. November 2018 des Impuls- Festivals für Neue Musik Sachsen-Anhalt mit mehr als 20 Veranstaltungen, diesmal in Magdeburg, Halle, Dessau, Halberstadt, Wernigerode, Quedlinburg, Kalbe (Milde) und in den Landesvertretungen in Berlin und Brüssel.

Nach dem Jubiläum in der vergangenen Saison fokussiert sich das Festival in diesem Jahr verstärkt auf die internationale Nachwuchsförderung, und zwar in Kooperation mit den Orchestern des Landes, mit zwei jungen Ensembles für Neue Musik in Halle und Leipzig und dem Bauhaus Dessau. Mit den „Jungen Meistern“, das sind Dirigenten, Komponisten und Solisten, fördert das Festival Musiker, die am Anfang ihrer Karriere stehen. Ihnen soll in den professionell, im Bauhaus-Sinne von „Meistern“, angeleiteten Impuls-Masterclasses das Handwerk gelehrt werden, mit dem sie Neue Musik interpretieren, aber vor allem zu vermitteln in der Lage sind.

In diesem Jahr fördern drei Masterclasses Nachwuchsmusiker aus sieben Ländern. Das Stichwort „Handwerk“ gilt nicht nur in Bezug auf die Erfordernisse an die Künstler – denn Dirigieren, Komponieren und Musizieren sind Handwerk –, sondern auch auf den einmaligen Ort der Lehrgänge, das Bauhaus Dessau. Denn auch der Bauhausbegriff als „Synthese von Kunst und Handwerk“ ist ideal auf die Impuls-Masterclasses übertragbar.



Deutschlandweit einzigartig ist dabei, dass die jungen Musiker professionelle Bedingungen in den Sinfonieorchestern des Landes vorfi nden. Eng verzahnt wird hier die Talentförderung im Bereich Komposition, Dirigieren und solistischen Musizierens, und zwar ganz praktisch auf den Konzertpodien des Impuls- Netzwerks. Ansporn und Unterstützung auf diesem Weg geben die Schirmherrschaften von Tomoko Masur, Präsidentin des Internationalen Kurt-Masur-Instituts, sowie Kulturminister Rainer Robra.

Im Festivalzeitraum erklingen elf Urauff ührungen, darunter neun Impuls-Auftragskompositionen. Beteiligt sind die Partnerorchester in Halle, Magdeburg, Dessau, Halberstadt, Wernigerode und die Ensembles „Tempus Konnex“ aus Leipzig, die Kammerakademie Halle und ein Percussionisten- Ensemble aus verschiedenen Orchestern.

Mit der Künstlerstadt Kalbe in Nord-Sachsen-Anhalt startet das Festival erstmalig eine Zusammenarbeit für junge Musiker. Das Eröff nungskonzert bestreitet die Staatskapelle Halle am 22. Oktober. Die Komponisten Giya Kancheli und Tianyang Zhang erhellen den Weg zum fi nsteren Fluß Styx und seinem Fährmann Charon. Die Viola spielt dabei eine zentrale Rolle, als Soloinstrument mit dem fantastischen Bratschisten Nils Mönkemeyer und in der Orchestergruppe der Staatskapelle. Am Pult steht der Shootingstar Darell Ang.

Zum Gedenken an die Zerstörung Magdeburgs im Dreißigjährigen Krieg darf das Publikum gespannt sein auf die Urauff ührung des Percussion- Battle „Lost City” von Gene Pritsker (Foto) nach Texten Friedrich Schillers, gespielt von vier Percussionisten aus unterschiedlichen Orchestern. Außergewöhnlich ist auch das Projekt „Breaking News”, für das fünf Komponisten aus Deutschland, Frankreich, China, Belgien und der Türkei mit der Sängerin Salome Kammer und der Autorin Astrid Vehstedt zusammen an einem Auftragswerk arbeiten.