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Sie suchen Büchertipps für Kinder?

Auch die Welt der Kinderbücher ist groß, bunt und unübersichtlich. Und gerade jetzt ist es Zeit zum Lesen. Auf dieser Seite finden Sie Buchtipps und Rezensionen vom Kulturfalter-Kinderbuchexperten Detlef Stallbaum.



Liebe ist besser als keine Liebe

Sehnsucht ist eines der widersprüchlichsten Gefühle. Einerseits ist jeder froh, wenn sie oder er jemanden hat, nach dem man sich sehnen kann. Gleichzeitig sind Unsicherheit und Traurigkeit groß, weil man nicht weiß, wann man die Freundin oder den Freund wiedersieht. Die sieben Bücher von Rose Lagercrantz und Eva Eriksson über die Freundinnen Dunne und Ella Frieda beschäftigen sich mit Formen kindlicher Sehnsucht und zeigen deutlich, wie zwei sieben-achtjährige Mädchen mit Freundschaft, Liebe und Sehnsucht umgehen lernen und letztlich alle Hürden überwinden, um beieinander zu sein.

Im vorliegenden Abschlussband treffen sich die beiden Freundinnen erst spät wieder. Ella Frieda ist mit ihrer Mutter und kleinen Schwester Miranda auf einer Schäreninsel, um den Familien-Osterurlaub vorzubereiten. Sie fragt sich, wann sie Dunne endlich wiedersehen kann, schickt eine Flaschenpost ab und „verliert“ dabei ihre kleine Schwester. Aus Scham und Angst versteckt sie sich und hofft auf ein Wunder, auf Dunne. Die hatte einigen Wochen vorher versucht, Ella Frieda auf eigene Faust zu besuchen. Doch sie fand die Freundin nicht und wurde dabei sehr krank. Als sie wieder gesund war, musste sie „sicherstellen“, dass ihr Vater wirklich Wanda in Rom heiratet. Dann verzichtet Dunne auf die Hochzeitsreise nach Venedig, sie will endlich ihre Freundin besuchen. Aber als sie mit Ella Friedas Vater auf der Insel ankommt, ist Ella Frieda immer noch verschwunden. Da heißt es, eine Geschenkespur auszulegen und ein Wunder zu vollbringen, wie es nur eine beste Freundin kann.

Wie auch in sechs Büchern davor (Mein glückliches Leben, 2012; Mein Herz hüpft und lacht, 2013; Alles soll wie immer sein, 2015; Du, mein Ein und Alles, 2016; Wann sehen wir uns wieder?, 2017 und Glücklich ist, wer Dunne kriegt, 2018) erzählt Rose Lagercrantz (kongenial übersetzt von Angelika Kutsch) in einer wundervoll poetischen Sprache alltägliche Erlebnisse zweier Mädchen mit Witz und Empathie. Dabei entstehen die Konflikte meist aus dem Unvermögen der Erwachsenen, das Wichtige zu erkennen: ihre Gefühle nicht zu verstecken, spontan sein zu können und mit der besten Freundin zusammen zu sein. Eva Eriksson trägt durch ihre bezaubernden Illustrationen, die mit einfachen zeichnerischen Mitteln die Gefühlsebenen deutlich werden lassen und die einen großen Wiedererkennungswert haben, maßgeblich zum Erfolg der Bücher über diese zwei ungewöhnlichen und liebenswerten Mädchen bei.


Wolf innen

Mac Barnett, mehrfach ausgezeichneter amerikanischer Autor, und der kanadische Illustrator Jon Klassen erzählen eine besondere Geschichte über drei Tiere, die normalerweise nicht zusammen passen. Die seltsame Begegnung fordert die Phantasie der Kinder und wird sie unweigerlich zur wiederholten Beschäftigung mit dem Buch führen. Und wenn am Ende des Bilderbuchs sich der Wolf bei Ente und Maus bedankt, wird die übliche Betrachtungsweise dieser drei Tiere auf den Kopf gestellt und wir werden angeregt, über Stereotype neu nachzudenken. Barnetts klare Sprache ist von Realität und von überraschenden Einsichten zum Leben geprägt. Klassens ungewöhnliche Illustrationen sind von wohltuend zurückhaltender Farbigkeit und großformatigen Bild-Ideen bestimmt, sie lassen uns die emotionale Verfassung der Akteure einfühlsam nachvollziehen. Sie geben der ungewöhnlichen Geschichte von Überleben und Zusammenhalt immer ein erhellendes und ein infrage stellendes Schlaglicht. Kinder und Eltern, die sich auf das Buch einlassen, werden viel Spass haben und angeregt, über Zusammenleben neu nachzudenken, und nebenbei erfahren sie, warum Wölfe heulen.

Mac Barnett, Jon Klassen (Ill.), Der Wolf, die Ente & die Maus , ISBN 978 3 314 10440 4, für Kinder ab 5 Jahre, NordSüd Verlag


Lies das Kleingedruckte

David Walliams hat sich eine haarsträubend witzige Geschichte über den Jungen Sam und eine Tierpatenschaft ausgedacht. Mit dem vielfach ausgezeichneten Tony Ross hat er einen künstlerischen Partner gefunden, der mit seinen farbenprächtigen Illustrationen die Handlung auf die Spitze treibt. Da haben sich zwei gefunden, die in dieser chaotischer Handlung ihrem Affen/ Elefanten so viel Zucker geben konnten, wie sie wollten – zur Freude aller Leser! Sam hat im Zoo ein Formular über eine Tierpatenschaft unterschrieben, aber nie geglaubt, dass wirklich ein Tier bei ihm einzieht. Was dann passiert, wird hier nicht verraten. Nur soviel, der Spaß, den die beiden Künstler hatten, überträgt sich schnell auf die kindlichen Betrachter, die immer wieder zwischen „o weh, wer soll das wieder in Ordnung bringen“, „was wird die Mama sagen“ und herzlichem Lachen schwanken werden. Und sie erhalten noch eine Lehre fürs Leben: Wichtig ist immer das Kleingedruckte.

David Walliams, Tony Ross (Ill.), Der etwas nervige Elefant, ISBN 978 3 499 218453, für Kinder ab fünf Jahre, Rowohlt, Rotfuchs Verlag



Alles Quatsch?

Beileibe nicht! Dieses kleine feine Buch stellt Kindern ungewöhnliche Fragen und gibt witzige Um-die-Ecke-Antworten in skurrilen Bildideen und im Text, die alle Leser mehr als lächeln lassen. Nach der 2017 erschienenen Sammlung „Der Flugzeugspatz nahm auf dem Flugblatt Platz“ liegt nun das zweite Buch voller Rätselwitzen und Quatschbildern vor. In der Frankfurter Ateliergemeinschaft LABOR zusammenarbeitend, ließ sich Moni Port die schön absonderlichen Fragen einfallen und Philip Waechter hilft mit seinen ganzseitigen Illustrationen bei der Suche nach Antworten. Das Buch ist sicher auch gut geeignet, Kindergeburtstage oder Familienfeste aufzuheitern. Denn die Fragen führen oft zu Gesprächen über das eigentliche Rätsel hinaus. So wird die Frage „Wie nennt man die Lieblingsspeise eines VW-Käfers?“ bei Älteren zwangsläufig zu Schilderungen von eigenen Erlebnissen mit  diesem Kult-Auto führen. Und dies ist von den beiden Künstlern ausdrücklich gewünscht, denn die letzte Frage im Buch lautet: „Fällt Dir auch einer ein?“    

Moni Port, Philip Waechter (Ill.), Wie nennt man ein Kaninchen im Fitnessstudio?, ISBN 978 3 95470 205 3, für Kinder ab 8 Jahre, Klett Kinderbuch


Große Klappe nutzt nicht viel

Heutige Kinder spielen mit Tamagotchis, Pokemon oder Ninja. Da sind Cowboys kaum bekannt und eher uncoole Figuren aus der Vergangenheit. Die Illustratorin Lotte Bräuning widmet sich in ihrem ersten Bilderbuch, bei dem sie auch den Text entwarf, auf sehr witzige Weise dieser „ausgestorbenen“ Spezies. Jack, Freddy und Slim haben viele Wünsche, sind aber leider nicht in der Lage, sich diese zu erfüllen. Denn das macht sich schlecht im Saloon und mit Unmengen Whiskey. Also schwadronieren sie darüber, wie sie den gefährlichen Bären fangen, für den es 5.000 $ als Belohnung gibt. Und noch mehr darüber, was sie mit dem Geld danach machen. Annie muss ihnen immer wieder ein neue Flasche bringen. Im herrlichen Schlussbild ist es dieses Mädchen, das im ganzen Buch nur fünf Mal zu sehen ist, das den erlegten Bären in den Saloon bringt. Jack, Freddy und Slim werden nur kurz wach... Bei der Lektüre spürt man deutlich, mit welcher Freude Lotte Bräuning die drei „Großklappen“ und Möchte-gern-Helden in Bild und Text in Szene setzt. Und sie ist dann doch schnell wieder in der Gegenwart: nicht schwafeln, sondern etwas tun, führt zum Ziel.

Lotte Bräuning, Annie und die Bärenjäger, ISBN 978 3 7152 0764 3, für Kinder ab 5 Jahre, dtv Verlag


Kajakfahren ist ein großer Spaß

Es gibt sie noch, die Helden, die ihre Taten für sich und nicht für das öffentliche Palaver vollbringen. Der Pole Aleksander
Doba überquerte 2010 in 98 Tagen in einem sieben Meter langen Kajak und mit Muskelkraft erstmals den Atlantik. Agata Loth-Ignaciuk und Bartlomiej Ignaciuk lassen dieses Abenteuer in einem eindrucksvollen Bilderbuch lebendig werden. Sie beschreibt in exemplarischen Szenen, wie diese ungewöhnliche Tour von Dakar nach Acaraú (Brasilien) durchgeführt wurde, und lässt den Leser an aufregenden Episoden auf dem Atlantik teilhaben. Er schuf mit seinen ausdrucksstarken und kontrastreichen Illustrationen in Schwarz, Blau und Weiß einprägsame Bilder, die die Einmaligkeit des Unterfangens deutlich machen. Doba musste in dem Ozeankajak Olo, das als unsinkbar konstruiert war, neben dem Paddeln Meereswasser entsalzen, navigieren, Essen zubereiten, schlafen und auf Toilette gehen. Er musste fliegenden Fischen, riesigen Containerschiffen und Haien ausweichen, ebenso trotzte er Unwettern und überwand Unterwasserberge. Und letztlich ermutigte ihn dieses Abenteuer, drei beziehungsweise sechs Jahre später weitere Kajakfahrten über den Atlantik zu unternehmen. Dieses sehenswerte Buch dokumentiert eindrucksvoll die Reise von Aleksander Doba und wird junge Leser lange beschäftigen.

Agata Loth-Ignaciuk, Bartlomiej Ignaciuk (Ill.), 14 000 Meilen über das Meer, IBSN 978 3 836 960144, für Kinder ab zehn Jahre, Gerstenberg Verlag



Ein Hoch auf die Zuckerbäcker

Einmal im Jahr stiehlt der Riese Karak alle Süssigkeiten aus dem Dorf, in dem der Zuckerbäcker Tschaggomo Doltsche und seine Frau Biondinella leben. Dies will sich der Bäcker nicht mehr gefallen lassen und tritt dem Riesen im kommenden Jahr entgegen. Was den Riesen jedoch nicht sonderlich stört. Er verschlingt Tschaggomo gleich samt seiner Backstube. Aber die Bäckerei im Magen stört, vor allem wenn der Backofen geheizt wird. Karak versöhnt sich mit dem Zuckerbäcker und wird dessen Gehilfe. Das hat den großen Vorteil, dass er nun jeden Tag als Lohn einen großen Kuchen essen kann. Und er wächst, indem er kleiner wird... Willi Tobler erzählt über Verschiedenheit und Gemeinsamkeit, über Fremdsein, Kennenlernen und Freundschaft. Die poetische Sprache der phantasievollen Geschichte trägt Erstleser durch diese unglaubliche Begegnung und Rotraut Susanne Berners herrliche Illustrationen und Figuren machen das Buch zum großen Lesevergnügen.  

Willi Tobler, Rotraut Susanne Berner (Ill.), Karak und der Zuckerbäcker, ISBN 978 3 98565 374 2, für Kinder ab 6 Jahre, Moritz Verlag