The Clairvoyants im Interview

Auf Halles Bühnen lassen sich regionale Künstler/-innen sowie weltweit bekannte Acts bestaunen. Das magische Duo „The Clairvoyants“ besucht im April 2026 das Steintor Varieté und verzaubert Jung und Alt mit seinen Bühnenshows. Kulturfalterredakteur Sven Schneider im Gespräch mit Thommy Ten und Amelie van Tass.
Wie wird man Magier/-in?
Thommy: Bei mir hat es ganz klassisch mit einem Zauberkasten mit zehn Jahren begonnen. Als ich realisierte, dass viele Kinder in der Schule denselben Zauberkasten hatten und die Tricks daher schon kannten, fing ich an, mir eigene Kunststücke zu überlegen. Mich hat von Anfang an das kreative Arbeiten gefesselt.
Amélie: Die Bühne war schon immer mein Zuhause. Aufgrund meiner Tanzausbildung habe ich unter anderem für Zaubershows choreografiert. Dass ich schließlich in die Welt der Zauberei gekommen bin und dort geblieben bin, war reiner Zufall – ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Und so lernte ich Thommy kennen…
Was wärt ihr geworden, wenn euch die Magie nie gefunden hätte?
Thommy: Für mich gab es nie einen Plan B. Die Zauberei war und ist mein Leben.
Amélie: Ich bin diplomierte Sozialpädagogin und habe in diesem Bereich auch vor unserer Karriere gearbeitet.
Welcher Moment in eurer Kindheit hat eure magische Sehnsucht befeuert?
Thommy: Als mir mein Bruder zu Weihnachten einen Zauberkasten geschenkt hat.
Amélie: Diese Sehnsucht wurde bei mir tatsächlich erst im Erwachsenenalter geweckt. In dem Moment, in dem ich realisierte, was man im Publikum auslösen kann, begann dieses innere Feuer zu brennen.
Wer waren eure Vorbilder?
Thommy: Ich hatte nie wirkliche Vorbilder in der Zauberkunst. Mich haben generell Künstler inspiriert, die erfolgreich waren und von ihrer Arbeit leben konnten.
Amélie: Meine Vorbilder waren und sind Menschen, die erfolgreich sind und dabei empathisch und geerdet bleiben.
Ihr habt zahlreiche Auszeichnungen erhalten – welche bedeutet euch am meisten?
Thommy: Als Weltmeister der Mentalmagie ausgezeichnet zu werden, war für uns der größte Erfolg in der Zauberwelt. Dieser Titel wurde vor uns 30 Jahre lang nicht vergeben.
Amélie: Und natürlich America’s Got Talent. Unter über 100.000 Acts zu den letzten zwei zu kommen, war einfach unglaublich.
Ihr habt viel erreicht und seid weltberühmt – gibt es dennoch weitere Ziele?
Amélie: Unser nächstes Ziel ist es, viele begeisterte Zuseher bei unseren Tourneen durch Österreich und Deutschland zu erleben.
Thommy: Wir arbeiten Schritt für Schritt an neuen Projekten. Besonders spannend ist aktuell unser internationales Projekt „The Magic Table“, das mittlerweile an vielen Orten weltweit läuft unter anderem auch in 6 Deutschen Städten. Dort stehen wir nicht selbst auf der Bühne – stattdessen werden die Gäste selbst zu Magiern und erleben die Magie direkt an ihrem Tisch. Das ist eine ganz andere Form von Zauberkunst als unsere Liveshows.
St. Pölten, Las Vegas, München – wo fühlt ihr euch aktuell zuhause?
Amélie: Aufgrund unserer Familie fühlen wir uns in Österreich, genauer gesagt in Krems an der Donau, zuhause. In St. Pölten ist unser großes Magic Warehouse von wo unsere Shows in die ganze Welt gehen. Unser zweites Zuhause ist Las Vegas, eine Stadt, die wir vor fünf Jahren kennen und lieben gelernt haben. Mit München verbinden uns viele wunderschöne Erinnerungen, wir kommen immer gerne zurück.
Thommy: Zuhause ist für uns überall dort, wo wir als Familie gemeinsam sind – das war sogar schon für ein halbes Jahr auf einem Schiff der Fall.
Welche „unmagische“ Angewohnheit habt ihr, die niemand erwarten würde?
Amélie: Wir fliegen gerne am Trapez durch die Luft – wobei Luftakrobatik eigentlich auch ziemlich magisch sein kann.
Welche Eigenschaft von euch beiden sieht das Publikum gar nicht, obwohl sie extrem wichtig ist?
Thommy: Amélie ist ein sehr empathischer und einfühlsamer Mensch. Das ist in unserer Arbeit ein großer Vorteil – und natürlich auch privat.
Amélie: Thommy ist sehr zielstrebig und verbringt neben der kreativen Arbeit viel Zeit im Büro, kümmert sich um Buchhaltung und Organisatorisches.
Was unterscheidet euch von Harry Potter und Hermine Granger?
Thommy: Uns gibt es live auf der Bühne zu sehen – und die Zuseher werden Teil der Magie.
Der Zauberstab – überbewerteter Gegenstand oder hilfreiches Werkzeug?
Thommy: Der Zauberstab ist natürlich DAS Requisit, wenn man an Zauberkunst denkt, im realen Leben aber eher wenig hilfreich.
Amélie: Und trotzdem zaubern Kinder mit ihrem ersten Zauberkasten fast immer mit einem Zauberstab. Er ist ein Symbol für Magie und einfach nicht wegzudenken.
Zauberei, Magie, Mentalmagie – gibt es klare Unterschiede?
Thommy: Wir machen einfach das, was uns Spaß macht. Dazu gehören klassische Zauberkunst genauso wie Mentalmagie, also Kunststücke rund ums Gedankenlesen.
Amélie: Für mich sind das Begriffe, die ineinander verschwimmen. Im Grunde hängt alles zusammen.
Inwiefern werdet ihr von anderen Magier/-innen überrascht?
Thommy: Man kennt die meisten Kunststücke, die weltweit gezeigt werden. Wenn man dann etwas sieht, das man nicht sofort versteht, ist das ein wunderbares Gefühl.
Amélie: Ich liebe Shows, die kreativ und einzigartig gestaltet sind. Der Trick selbst ist oft nur ein kleiner Teil – genauso wichtig sind Geschichte, Kostüme, Musik und das Bühnenbild.
Gibt es Tricks von Kolleg/-innen, die ihr euch nicht erklären könnt?
Thommy: Das kommt äußerst selten vor, aber wenn, genieße ich diesen Moment sehr.
Amélie: Ich liebe es, einen Trick nicht sofort zu verstehen. Nicht alles gleich zu wissen, ist in Zeiten von Internet und KI ein echter Luxus.
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Habt ihr schon einmal Freund/-innen oder der Familie einen Trick verraten?
Thommy: Ein Teil unseres Berufes ist es, Geheimnisse für uns zu behalten.
Amélie: Der Moment, in dem Magie im Menschen entsteht, ist einzigartig – und den möchte ich niemandem nehmen.
Wann ist eine Show für euch eine gute Show?
Amélie: Die Energie muss auf beiden Seiten stimmen. Ich liebe auch die vielen spontanen Momente, die zwischen uns und dem Publikum entstehen.
Thommy: Wenn wir mit dem Publikum auf einer Welle sind und am Ende alle zufrieden und mit einem Lächeln nach Hause gehen.
Welches Vorurteil über Magie würdet ihr am liebsten aus der Welt schaffen?
Amélie: Dass Zauberei immer noch mit „Hase aus dem Hut“ gleichgesetzt wird.
Thommy: Dass Männer die Zauberer sein müssen und Frauen „nur“ Assistentinnen sind.
Was würdet ihr gerne aus unserer Welt wegzaubern?
Thommy: Hass und Angst. Es wäre schön, wenn Menschen sich gegenseitig respektieren und angstfrei in Frieden miteinander leben könnten.
Amélie: Ich würde gerne Hektik und innere Distanz wegzaubern. Zeit für sich selbst und für andere zu haben, ist zu einem echten Luxus geworden. Mehr echte Gespräche, mehr Zuhören und mehr Empathie – das wäre schön.

