Es ist eine spannende Aufgabe

René Schmidt, Geschäftsführer der Historischen Kuranlagen und des Goethetheaters in Bad Lauchstädt zieht Bilanz (Foto: Pr)

Schon seit Januar 2010 ist René Schmidt Geschäftsführer der Historischen Kuranlagen und des Goethe-Theaters in Bad Lauchstädt. Der studierte Musiker und Kulturmanager war vorher Geschäftsführer der Kulturbetriebs-GmbH Meißner Land. Neun Monate waren bis zum Oktober 2010 vergangen, Zeit also um eine kleine Bilanz zu ziehen und einen Ausblick auf die Zukunft des Goethe-Theaters zu geben.

Kulturfalter: Was wird sich programmatisch ändern?

René Schmidt: Bisher endete das Programm der Oper bei Mozart. Ein Schwerpunkt waren Barockopern, vorwiegend von Händel. Neben der weiterhin gebotenen und sehr guten Zusammenarbeit mit den Händelfestspielen werden wir den Schwerpunkt des Musiktheaters ‚nach vorn verlegen‘, also bei den Meisteropern Mozarts beginnen und bei Carl Maria von Weber, Friedrich von Flothow, Albert Lortzing und Gioacchino Rossini enden. Und natürlich wird Beethovens ‚Fidelio‘ in Lauchstädt ab 2011 gespielt. 

Woher kommen die Theaterbesucher für Bad Lauchstädt?

Sie kommen von ziemlich weit her: aus West- und Süddeutschland, sehr viele aus Dresden, Weimar, Leipzig und Berlin. Wir haben ein bürgerliches Publikum und ein Besuch in Bad Lauchstädt gehört immer noch zum Pflichtteil eines klassischen Bildungsprogramms. Dem möchten wir entgegenkommen und unsere Öffentlichkeitsarbeit auf die genannten Orte fokussieren.

Was bedeutet dies für das Programm?

Ab 2011 werden Theater- und Opernensembles aus München, Meiningen, Dresden oder das Nationaltheater Weimar in Bad Lauchstädt gastieren. Das weltberühmte Deutsche Theater Berlin ist eingeladen und es gibt Einzelgastspiele mit herausragenden Bühnen- und Filmschauspielern. Im Dezember liest Ulrich Matthes Kleist und im April 2011 wird Bruno Ganz im Theater zu Gast sein. Das Festspiel der deutschen Sprache hat sich zu einer festen Größe etabliert.   

Merkt man dies auch in dem neuen, gerade erschienenen Winterplan?

Der Konzertwinter wendet sich von jeher an die umliegende Region. Es gibt neben Kammerkonzerten und dem traditionellen Weihnachtskonzert des Rundfunkchores Wernigerode ein Heiteres Silvesterkonzert und um Fasching herum unsere herrliche Fledermaus-Adaption mit Reiner Süß als Frosch. Die Dresdner Salondamen gastieren mit den Evergreens der Goldenen Zwanziger und André Hermlin swingt im Kursaal. Die Veranstaltungsdichte ist geringer als im Sommerhalbjahr. Karfreitag öffnen wir dann 2011 bereits das Theater mit Goethes ‚Faust‘.   

Bisher hatte die Oper Halle immer viele Gastspiele in Bad Lauchstädt, das scheint nicht mehr der Fall zu sein…

Die Oper Halle ist nach wie vor ein guter und sehr enger Partner. Besonders die Staatskapelle wird 2011 mit Konzerten am Sonntagvormittag zu erleben sein, bei gutem Wetter im Kurpark. Gegenwärtig bereitet man in Halle für das Wagnerjahr 2013 den kompletten ‚Ring des Nibelungen‘ vor, ein ambitionierter, enormer Kraftakt für das gesamte Ensemble. So wird es erst im Sommer 2012 eine gemeinsame Freischütz-Produktion geben können. Im Herbst 2011 inszeniert Axel Köhler bei uns jedoch Jaques Offenbachs „Salon Pitzelberger“, ein wundervolles Intermezzo aus dem Bereich des heiteren Musiktheaters.   

Gibt es große Unterschiede zu Ihrer vorherigen Wirkungsstätte des Kulturbetriebs Meißner Land?

Die gibt es natürlich. Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal ist die Tradition. Im Meißner Land habe ich zwei Veranstaltungsreihen und ein Zentrum für Kammermusik und Literatur quasi ‚erfunden‘, d.h. es wurden Traditionen begründet. Hinzu kommt: Als Leiter eines kommunalen Kulturzentrums wird einem programmatisch die Zucht der berühmten ‚eierlegenden Milchwollsau‘ abverlangt! Bad Lauchstädt dagegen verfügt über eine zweihundertjährige Theatertradition, die sich auf Goethe und die Deutsche Klassik beruft und mit seinem Namen verbunden ist. Diese Tradition zu bewahren und sie dennoch nicht zu einer Last werden zu lassen, betrachte ich als enorme Herausforderung. Ansonsten handelt es sich dort wie hier um die Führung einer gemeinnützigen Kultur-GmbH mit allen Chancen und Risiken. In Sachsen finanzierten wir uns über das vielgelobte Kulturraumgesetz. Der Zuwendungsvertrag zwischen dem Goethe-Theater und dem Land Sachsen-Anhalt sichert den Betrieb und Unterhalt des Hauses vorbildlich, die finanziellen Verhältnisse sind mittelfristig geordnet und auskömmlich.    

Auf welchen Programmpunkt der Wintersaison freuen Sie sich besonders?

Natürlich auf Ulrich Matthes. Und auf die Hallenser Madrigalisten, die das Weihnachts-Oratorium von Bach bei uns aufführen werden. Ein wunderbares Ensemble.

Herr Schmidt, vielen Dank für das Gespräch!
(Martin Große, Kulturfalter Oktober 2011)

 

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