Ich liebe Halle

Die Keramikkünstlerin Heidi Preuss Grew weilte im Künstlerhaus 188 zum Internationalen Keramiksymposium. (Foto: Martin Große)

Zum fünften Mal trafen sich im Künstlerhaus 188 insgesamt neun Künstler aus dem In- und Ausland zum Internationalen Keramiksymposium. Kulturfalter nutzte die Möglichkeit um mit der amerikanischen Keramikkünstlerin Heidi Preuss Grew über Halle zu sprechen. Die Kunstprofessorin aus Salem im US-Bundesstaat Oregon hat eine deutsche Mutter und ist nicht zum ersten Mal in Halle. Knapp drei Wochen hatte sie Zeit um Halle kennenzulernen.

Kulturfalter: Frau Grew, wo waren Sie, bevor Sie nach Halle kamen?

Heidi Preuss Grew: Ich war vorher in Römhild, dort war ebenfalls ein Keramiksymposium. Das ist ebenfalls in der ehemaligen DDR und war sehr interessant, denn das Symposium ist nach 15 Jahren wiederbelebt worden. Und das Schloss Glücksburg ist einfach wunderschön.  

Sie sprechen ganz gut Deutsch – Wo haben Sie das gelernt?

Meine Mutter ist Deutsche. Sie kommt aus Schwäbisch Hall und mein Vater war dort Soldat. Sie haben geheiratet und sind in die USA gezogen. Aber zu Hause habe ich nie Deutsch gesprochen, weil mein Vater das nicht wollte. Aber ein bisschen habe ich gelernt: „Ich liebe dich“, und wir hatten einen absolut lieben Schäferhund. Den hat meine Mutter immer „Du Depp du“ genannt, wenn sie in streichelte. Deutsch gelernt habe ich aber dann während meines Studiums in Marburg.  

Sie hatten inzwischen mehrere Wochen Zeit Halle zu erkunden. Wie gefällt Ihnen die Stadt?

Ich liebe Halle. Ich bin auch nicht zum ersten Mal hier. Ich bin 1997 mit meinen Studenten von Prag aus für zwei Tage nach Halle gekommen, um die Burg Giebichenstein zu sehen. Überlegen Sie mal: Von Prag aus nach Halle. Die Burg allein ist schon die Reise wert gewesen. Sie ist wunderschön. Bei meinem Aufenthalt jetzt waren wir alle zusammen auf den Hausmannstürmen und im Landesmuseum. Die neue Ausstellung ist unglaublich. Richtig toll. Die muss jeder gesehen haben. Aber ich will auch noch diese Wunderkammer in den Franckeschen Stiftungen sehen. Die muss unglaublich sein. Und die Leute in Halle sind sehr nett. Nicht nur die Organisatoren, auch die Leute, die wir in der Stadt getroffen haben, waren sehr sehr nett zu uns.  

Worum geht es in Ihren Arbeiten, die man hier in der Ausstellung sehen kann?

Ich habe während meiner Zeit hier viel Geschichte, viel Archologie gesehen. Das ist kaum vorstellbar, wie sorgfältig die Menschen hier alles ausgraben. Hier kann keine Straße gebaut werden, ohne dass voher alles durchgesiebt wird. So etwas gibt es bei uns nicht. Da ist alles weg, was es früher mal gab. Deswegen heißt das eine Werk „Der Ausgräber“. Da bin ich von den ganzen Ausgrabungen und einem Kollegen inspiriert worden, der hier blind gegraben hat und so sein Werk gefertigt hat. Ein anderes Werk ist die „Lastträgerin“. Wir waren in Römhild auf einem Bauernhof, wo wir viele Bauern gesehen haben. Und es hat ja auch so jeder seine Last zu tragen.  

Die Figuren sehen aus wie Mischwesen?

Ja, sie sind Mischwesen aus Mensch und Tier. Ich nehme die Tiere und gebe ihnen ein menschliches Antlitz und Eigenschaften. Ich finde das ist eine besondere Freiheit und Möglichkeit Psychisches und Inneres zum Ausdruck zu bringen. Ich möchte aber so auch erreichen, dass es in dem Besucher arbeitet.  

Wohin gehen Sie nach Ihrem Aufenthalt in Halle?

Ich gehe zuerst nach Düsseldorf, dort treffe ich Freunde, die ich während meiner Studienzeit in Marburg kennengelernt habe. Ich habe in Marburg Kunstgeschichte und Germanistik studiert. Dann geht es nach China zur International Academy of Ceramics und ich habe dann auch dort eine Gruppenausstellung.  

Frau Grew, vielen Dank für das Gespräch.
(Martin Große, Kulturfalter Juli 2008)

 

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