Als Jugendliche bin ich heimlich nach Halle getrampt

Sängerin und Songwriterin Christiane Hebold kennt sich in Halle aus (Foto: Objekt 5)

Christiane Hebold hört auf den singenden, klingenden Künstlernamen Bobo In White Wooden Houses und verzückt mit ihrer noch melodischer anmutenden Stimme seit der Wende nicht nur deutschlandweit Akustikliebhaber. Im April brachte die gebürtige Gräfenhainicherin im Objekt 5 in Halle ihre neuesten musikalischen Wunderwerke zu Gehör und schenkte Kulturfalter ihre Zeit für ein paar Fragen.

Kulturfalter: Du bist in Gräfenhainichen geboren, bist in Halle zur Schule gegangen und mit Zwischenstopp Weimar 1990 in Berlin gelandet. Was bedeutet es dir, jetzt in Halle musikalisch Station zu machen?

Christiane Hebold: Ich bin in Ziesar und Gräfenhainichen aufgewachsen, aber egal, Halle ist trotzdem wie eine Heimatstadt für mich. Bin seit meiner Kindheit immer dort gewesen und in den letzten Jahren auch wieder viel mehr, seit Sebastian Herzfeld – der bei euch sicher allseits bekannt ist – und ich unser Lieder-von-Liebe-und-Tod-Projekt aus der Taufe gehoben haben.  

Da kommen doch sicherlich auch Heimatgefühle auf, oder?

So viele Erinnerungen... schon früher, wenn ich Schule geschwänzt habe, bin ich heimlich nach Halle getrampt...  

„Halle verändert“, so das Antriebsmotto der Stadt in den letzten Jahren – was fällt dir an Veränderungen hier besonders ins Auge, so aus der Berliner Besucherdistanz heraus?

Sieht jetzt viel schöner aus! So viele romantische Häuser gibt es hier! Schöne Ecken, vor allem Kröllwitz... das Essen bei Georg im Lucys... herrlich, und ich liebe die Spaziergänge an der Saale zum alten Wehr.  

Was magst du speziell an Halle? Was hat Halle, was Berlin nicht hat?

Inzwischen finde ich kleinere Städte so entspannend und einfach. In Berlin braucht man ja immer so viel Zeit für alle Wege...

„Deutschlands Pop-Hoffnung aus dem Osten“, so wurdest du nach der Wende von der Musikkritik betitelt. Mittlerweile kann von bloßer Hoffnung keine Rede mehr sein – was kannst du persönlich anfangen mit der Klassifizierung „Ost“, gibt es etwas, was in deinen Texten/deiner Musik für dich mehr „Ost“ ist als „West“… oder ist man mit solchen Einordnungen nicht längst auf dem Holzweg?

Das ist immer wieder eine Analyse wert! Im Osten bezieht man sich immer gerne auf die Vergangenheit, das ist ein deutlicher Unterschied zum Westen. Da wird man eher gefragt, was man gerade oder in Zukunft macht. Aber ich habe kein Problem damit. Das liegt bei uns Ostlern so drin. Nur wird es langsam ein bisschen langweilig. Wie man sich aber als Mensch und Musiker entwickelt, wird ja von vielen anderen Energien gespeist. Ich hänge zwar auch gerne in der Vergangenheit rum und singe alte Volksweisen, aber die Zukunft interessiert mich mehr.

Wie wichtig sind für dich deine diversen Projekte vor der Neukonstituierung von „Bobo In White Wooden Houses“ gewesen?

War ein längerer Weg, wieder bei meinen Wurzeln anzukommen und ich laufe weiter, mit immer neuen Einflüssen…

Du hast 1997 mit Rammstein „Engel“ performt – immer noch ein Aushängeschild für dich, an dem sich die Presse aufhängt?

Ich bin froh, das gemacht zu haben! Ist doch auch ein lustiges Lied! Und Rammstein eine großartige Band.

Wenn du selbst deinen musikalischen Weg beschreiben solltest… von der Weimarer Singersongwriterin bis zur Berliner Großstadtmusikerin, wie siehst du heute diese Entwicklung für dich?

Oh, da wird mir gleich ganz schwindlig! Deswegen vielleicht noch was Konkretes: Wir spielen unser Liederprogramm „Lieder von Liebe und Tod“ am 16.5. im Magdeburger Moritzhof.

Vielen Dank für das Gespräch!
(Barbara Wolf, Kulturfalter April 2008)

 

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