Mir geht es ums Entdecken

Das Keramiksymposium im Künstlerhaus 188 war 2008 schon eine Weile zu Ende und die Arbeiten einiger Künstler konnte man in der Moritzburg sehen. Unter den Künstlern beim Symposium war auch die Schweizer Keramikkünstlerin Marianne Eggimann. Sie gewann im September 2008 den SACHSEN_ART Preis, den unser Nachbarland an junge Künstler verleiht. Kulturfalter nutzte die Chance während des Keramiksymposiums für ein Interview.

Kulturfalter: Frau Eggimann – Wo waren Sie, bevor Sie nach Halle kamen?

Marianne Eggimann: Ich hatte eine Gruppenausstellung in Freiburg in der Schweiz und war in Vallauris eingeladen. Dort war die Schweiz Gastland im Rahmen der "Biennale internationale ceramique contemporaine" – das ist eine internationale Keramikbiennale.  

Was haben Sie von Halle kennengelernt?

Wir haben viele Ausflüge gemacht und viele Ausstellungen gesehen. Unter anderem waren wir in einer Ausstellung von Antje Scharfe und natürlich sind wir in der Burg Giebichenstein und im Stadtmuseum gewesen. Ich habe eigentlich nur positive Erlebnisse hier in Halle gehabt, obwohl es weniger Zeit war als gedacht, um die Stadt kennenzulernen.  

Worum geht es bei Ihren Arbeiten, die man hier sehen kann, zum Beispiel die Frau mit der Kamera?

Bei ihr geht es ums Entdecken, darum herumzufahren und zu sehen, was es alles so gibt. Diese Frau habe ich in Rom gesehen und fotografiert. Später fange ich an dann mit diesen Bildern zu spielen und eigene Assoziationen in die Sachen mit einzuarbeiten. Und in letzter Zeit geht es bei einigen Arbeiten mehr und mehr um Gesellschaftskritik.  

Liegt das an der Ecke hier? (Anm. der Red. Neben dem Künstlerhaus ist ein Obdachlosenheim)

Nein, das nicht, das gab es schon vorher. Vielleicht kommt es daher, wenn man die behütete Schweiz verlässt. Aber wenn ich sozialkritisch sage, dann geht es mehr um ein Erstaunen. Ich finde zwar Sachen richtig blöd und nicht gut, aber ich will nicht mit dem Zeigefinger dastehen. Ich transformiere die Sachen dann auch ins Surreale und es geht mehr um diese Szene, die dann ja wieder etwas Neues ist.  

Wo sind Sie nach dem Keramiksymposium?

Ich bin den ganzen September in Polen, genauer in Walbrzych. Dort ist auch ein Symposium zum Thema Porzellan. Das gibt es schon seit ganz vielen Jahren und ist mit ein paar mehr Künstlern als hier. Ich bin gespannt, denn es ist in einer Fabrik.

Frau Eggimann, vielen Dank für das Gespräch!
(Martin Große, Kulturfalter August 2008)

 

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