Halle wird wieder einmal zur Heimat der DDR

In Halle gedreht: "Boxhagener Platz" (Foto: Promo)

Dass Halle als Drehort in der Medienlandschaft Mitteldeutschlands einen wichtigen Platz einnimmt, dürfte mittlerweile keine Schlagzeile mehr sein, die großes Erstaunen hervorruft. So scheint die Stadt nicht nur aus Kosten- und Förderungsgründen ein reizvoller Drehort zu sein, sondern besticht offenbar durch einen eigenen Charme spezieller Motive. Gerade für Filme, die in der Vergangenheit spielen, bietet Halle jede Menge Potenzial. Das liegt wohl nicht zuletzt daran, dass es hier noch Straßenzüge und Ecken gibt, bei deren Anblick man nicht genau weiß, in welchem Jahr man sich befindet.

So wundert es nicht, dass gerade Filme, die die DDR-Zeit thematisieren, in Halle gedreht werden. „An die Grenze“ und der im letzten November in Kinos gekommene Ostalgie-Film „Liebe Mauer“ sind Beispiele dafür. Zudem ist 20 Jahre nach der Wende das Leben in der DDR nicht nur beliebtes Material für eine kritische Auseinandersetzung mit dem Stasi-Regime. Gerade in den letzten Jahren kommt die Herausstellung vom ganz normalem zwischenmenschlichen Miteinander in den filmischen Fokus: die Träume, Hoffnungen, Ängste und Freuden die den Alltag beherrschten – also die Heimat DDR, die sie für die Menschen über vierzig Jahre lang gewesen ist.

In diese Liste der Filme, die auch in Halle gedreht wurden und das Leben in der DDR thematisieren, reiht sich nun auch der im März in die Kinos kommende Film Boxhagener Platz nach dem gleichnamigen Roman von Torsten Schulze ein. Dieser versetzt den Zuschauer zurück in den Berliner Osten des Jahres 1968. Während im Westen die Studentenunruhen die Öffentlichkeit bestimmen, erleben Oma Otti und ihr zwölfjähriger Enkel Holger ihre eigenen Abenteuer. Otti hat schon fünf Ehemänner ins Grab gebracht und dem sechsten geht es auch nicht mehr so gut, als sie Avancen von Altnazi Fisch-Winkler und dem ehemaligen Spartakuskämpfer Karl Wegner  erhält. Otti verliebt sich in den ehemaligen Revolutionär Karl und plötzlich ist Fisch-Winkler tot.

Während Holgers Mutter, sexuell von ihrem Mann und Abschnittsbevollmächtigten Klaus-Dieter frustriert, sich nach dem Westen sehnt, versucht dieser als staats-loyaler Polizist für die Aufklärung des Mords dienlich zu sein. Sohn Holger dagegen avanciert zum Hobbydetektiv und lernt dabei einiges über die Liebe und die 68er Revolte. Jedoch bringt er ausgerechnet Karl, seinen Freund und den Geliebten von Oma Otti,  in Gefahr.

Mit seiner skurrilen Liebes- und Detektivgeschichte verbindet Boxhagener Platz den Alltag im Berliner Osten der 60er Jahre auf melancholische, jedoch humoristische Art und Weise mit persönlichen und individuellen Geschichten und versetzt mit Hilfe des halleschen Charmes den Zuschauer in die von Regisseur Matti Geschonneck bezweckte seelische Befindlichkeit der Figuren.

(Nico Elste, Kulturfalter)