Andreas Rost: Projekte zur Bestätigung des Neuen, (Foto: © Andreas Rost)

Projekte zur Bestätigung des Neuen | Proun

Der Fotograf Andreas Rost nahm während eines Aufenthaltes in Minsk bei nächtlichen Streifzügen durch die Stadt die Formenwelt der stalinistischen Baukunst auf, die für ihn stellvertretend für das Menschenverachtende totalitärer Gesellschaftssysteme steht. Für die Ausstellung kombiniert er diese dramatisch inszenierten Architekturfotografien mit Porträts von ekstatisch tanzenden Besucherinnen und Besuchern einer weißrussischen Underground-Veranstaltung, die, so Andreas Rost, eine Jugend zeigen, die „mit unbändiger Kraft aus diesem System ausbrechen möchte“. Das war noch vor den Massenprotesten anlässlich der Wiederwahl Alexander Lukaschenkos. Und vor dem Ukraine-Krieg, der die Welt seit Februar erschüttert. Der Konstruktivist El Lissitzky (1890 Potschinok – 1941 Moskau) kreierte als Architekt, Typograf, Ausstatter, Bühnenbildner, Plakatgestalter, Maler, Zeichner, Plastiker, Fotograf, Collagist und Theoretiker ein System gestalterischer Grundlagen, das nicht nur die Kunst, sondern alle Bereiche der urbanen Wirklichkeit durchdringen sollte. Als Anhänger der Oktober-Revolution wollte er aktiv an der Gestaltung der neuen Welt mitwirken. Hierfür entwickelte er – zunächst zweidimensional auf Papier – ab 1919 ein geometrisches Formenvokabular, um eine räumliche Wirkung zu erzielen. Diese „Proune“, wie er sie nannte, bilden den Beginn seiner Visionen von der Fläche in den Raum hin zur Architektur. „Proun“ ist ein Akronym (ein aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter gebildetes Kurzwort) aus dem Russischen „Pro Unowis“ und bedeutet übersetzt „Projekte zur Bestätigung des Neuen“ – diesen Titel übernahm Andreas Rost für seine Werkserie und diese Ausstellung im Kunstmuseum Moritzburg.

Der Ausstellungsraum lässt an El Lissitzkys „Kabinett der Abstrakten“ denken, das 1927 im Hannoverschen Provinzialmuseum eröffnet wurde. Hier verband er den zeitgenössischen Sammlungsraum mit seinen künstlerischen Ansichten: Schwarz-weiße Wandlamellen änderten die Raumwirkung je nach Standpunkt der Besucherinnen und Besucher und verschiebbare Kassetten und Drehvitrinen ließen variable Kombinationen in der Anordnung der präsentierten Werke zu. Passive Kunstberieselung wurde zu aktiver Wahrnehmung und Irritation.

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Kunstmuseum Moritzburg, Friedemann-Bach-Platz 5, Tel. 0345/ 212 59 0 www.kunstmuseum-moritzburg.de

05.12.2023 bis 14.01.2024

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