Halle ist Spielstadt: Wieso Spielzeug fester Bestandteil der Stadtgeschichte ist

Spielzeug gilt in Halle keineswegs als Randthema, das nur für Eltern und Kind interessant ist. Vielmehr stellen Spielsachen einen großen Teil der Stadtgeschichte dar – sie spiegelten über Dekaden hinweg sogar die Stadtentwicklung wider und sollten dem halleschen Nachwuchs wichtige Werte vermitteln. Insbesondere die sowjetische Besatzung wirkte sich stark auf den Zeitgeist – und damit auch das Spielzeug der Kleinsten – aus. Warum Spielsachen als Zeitzeuge der Stadtgeschichte angesehen werden können und an welche gesellschaftlichen und politischen Umbrüche sie erinnern, verrät der nachfolgende Artikel. 

 

Puppenstuben und Zinnfiguren als Repräsentanten bürgerlicher Ordnung

Zum Übergang des 18. ins 19. Jahrhundert spielte die traditionelle Ständeordnung in Deutschland noch eine zentrale Rolle, was sich auch in dem Spielzeug der Kleinsten widerspiegelte. Puppenhäuser verdeutlichten die gesellschaftlichen Rollen, in die alle Kinder hineingeboren und -erzogen wurden. Sie verfestigten, was von ihnen erwartet wurde und inwiefern sich die einzelnen Stände voneinander unterschieden. Soziale Hierarchien wurden aber auch anhand der zu dieser Zeit populären Zinnfiguren verdeutlicht: So sind die sogenannten Halloren bis heute berühmt, die Ende des 18. Jahrhunderts von Friedrich Christoph Dreyßig produziert wurden und die traditionellen Salinenarbeiter aus Halle darstellen sollten. Mitte des 19. Jahrhunderts trug die industrielle Revolution dazu bei, dass die Arbeiterbewegung entstand – und soziale Hierarchien tiefgreifend umgewälzt wurden.



Militärisches Spielzeug als Ideologie-Vermittler

Wo heute Autos als Spielzeug eingesetzt werden, standen in Nachkriegszeiten militärische Spielwaren hoch oben auf der Wunschliste der Kleinsten. Während nach dem ersten Weltkrieg Soldatenfiguren einen regelrechten Boom erlebten, erfreuten sich militärische Spielsachen in Form von Panzern und Schiffen in der Zwischenkriegszeit wachsender Beliebtheit. Unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg wurden Kriegsspielsachen allerdings verboten – und galten als weitgehend verpönt. In der DDR-Stadt Halle wurden deshalb Spielsachen nicht länger zur Vermittlung von Ideologien verwendet, sondern zur frühen Förderung von Bildung und Zukunftsoptimismus. Damit zeigt sich: Spielsachen waren und sind bis heute nicht völlig neutral, sondern verkörpern insgeheim immer die Vorstellungen ihrer Entstehungszeit. 

 

Welche Spielwaren der Spielstadt Halle bis heute traditionell weitergeführt werden

Das Puppentheater Halle kann auf eine lange Geschichte zurückblicken und ist Einwohnern der Stadt bis heute erhalten geblieben: In der Handwerkerschule Halles wurde 1918 zum ersten Mal ein Puppentheater aufgeführt, dessen Puppen maßgeblich von Bildhauer Gustav Weidanz geprägt wurden. Die Puppenspiele an der Burg Giebichenstein zogen den halleschen Nachwuchs nicht nur magisch an, sondern prägten auch das Spielerlebnis nachhaltig. So prägte die Burg Giebichenstein als Kunsthochschule das Spielzeugdesign der Region und DDR  stark. Sie kombinierte Funktionalität mit einer zeitlosen Aufmachung und bauhausnahen Einflüssen, die bis heute erhalten geblieben sind und Generationen verbinden – etwa durch Ausstellungen im Stadtmuseum Halles.



Vom kulturellen Gedächtnis bis hin zur modernen Unterhaltung des Nachwuchses – darum ist Spielzeug nie neutral

Mit dem städtischen Wandel und steigendem Verkehr erlebte Halle auch eine erhöhte Nachfrage nach Spielzeugautos. Zusammen mit Straßenteppichen konnten Kinder im eigenen Zimmer städtische Infrastrukturen nachbilden und Verkehrsszenen nachbilden. Parkplätze, Häfen und Industriegebiete gewannen auf den Teppichen an Bedeutung, da sie Halle auch im Realen zu einem bedeutenden Wirtschaftsstandort heranwachsen ließen. Der Wandel der Stadtteile wirkte sich also auch darauf aus, wie in der Stadt – oder auch ganz Deutschland – gespielt wurde.

Heute spiegeln Spielwaren wie beispielsweise von Action wider, wie innovativ die moderne Infrastruktur ausfallen kann. Von modernen Alternativen wie E-Autos und -Zügen bis hin zum autonomen Verkehr verändern viele moderne Technologien die Vorstellungen des städtischen Lebens von Grund auf. E-Scooter und E-Bikes werden als Mikromobilität ebenfalls vermehrt in das urbane Verkehrsnetz integriert. Heutige Spielteppiche zeugen von diesen modernen Entwicklungen, indem sie E-Ladestationen und Parkmöglichkeiten für E-Scooter aufzeigen und selbst die Kleinsten früh an die Materie heranführen. Damit zeigen Spielwaren nicht nur, wie Generationen vor uns gelebt haben – sondern auch, wie künftige Generationen leben werden.