euro-scene Leipzig 2025 zieht eine positive Bilanz

Die 35. „euro-scene Leipzig“ blickt auf eine erfolgreiche Festivalwoche mit großem Publikumszuspruch zurück: Auslastung von über 95%.
Am Sonntagabend hat das internationale Tanz- und Theaterfestival „euro-scene Leipzig“ erfolgreich den Leipziger Festivalherbst 2025 beendet. Das Programm stand dieses Jahr unter dem Leitmotiv „Love Body Politics“. Im Fokus stand dabei der Körper als Bühne aktueller gesellschaftlicher Konflikte. Gleichzeitig wurde eine breite Vielfalt von Tanz und Theater präsentiert.
Christian Watty, Festivalleiter der „euro-scene Leipzig“, blickt zufrieden zurück: „Die Künstlerinnen und Künstler haben in diesem Jahr auf eindrucksvolle Weise gezeigt, wie politische Themen und persönliche Geschichten in Tanz und Theater über den Körper erfahrbar werden, weil er selbst Träger von Geschichte, Identität und Macht ist. Der eigentliche Star des Festivals war aber das Publikum. Dass alle Programmpunkte weitgehend ausverkauft waren – erstmals sogar die „Oper Leipzig“ – zeigt, wie lebendig und relevant dieses Festival für Stadt und Publikum auch im 35. Jahr bleibt.“
Vom 4.–9. November 2025 wurden 14 internationale Gastspiele gezeigt: darunter zwei Uraufführungen, drei Deutschlandpremieren und vier Koproduktionen. Ergänzend standen unter anderem zwei Filme, drei Workshops und ein Vortrag auf dem Programm. Viele Veranstaltungen hatten freien Eintritt – darunter erstmals eine fünfstündige Choreografie zum Mitmachen in der Innenstadt, die mit einer großen Tanzparty auf dem „Marktplatz“ endete.

 



Künstler/-innen aus über 16 Ländern (u. a. Belgien, Brasilien, Deutschland, Frankreich, Italien, Kanada, Norwegen, Österreich, Schweiz, Serbien, Slowenien, Spanien, Südafrika, Taiwan, Uganda, USA) zeigten ihre Kreationen in Leipzig. Trotz der eingeschränkten Platzkapazitäten im „Schauspielhaus“ aufgrund von Renovierungsarbeiten auf der Großen Bühne gelang es der „euro-scene Leipzig“, durch die erstmalige Einbeziehung des öffentlichen Stadtraums als zusätzlichen Veranstaltungsort nahezu ebenso viele Menschen zu erreichen und zu begeistern wie in den Vorjahren.
Rund 4.100 Zuschauer/-innen haben die 33 Veranstaltungen des Bühnen- und Diskursprogramms der „euro-scene Leipzig“ besucht. Beim „Slow Walk“ der Compagnie „Rosas“ unter der künstlerischen Leitung von „Anne Teresa De Keersmaeker“ nahmen etwa 350–400 Menschen aktiv teil. Mit einer Auslastung von über 95 % beim Bühnenprogramm zieht das Festival insgesamt eine äußerst positive Bilanz.
Ein Höhepunkt des Festivals war die Uraufführung „People Will People You“ des südafrikanischen Performers „Steven Cohen“ am 7. und 8. November. Mit einem hochemotionalen und berührenden Stück nahm er Abschied von der Bühne und von seiner Zeit als performender Künstler. In der ausverkauften „Schaubühne Lindenfels“ erlebte das Publikum eine intime Reflexion über Leben, Kunst und Erinnerung – ein Abschied, der lange nachhallen wird.



Eröffnet wurde das Festival am 4. November mit „Healing Hate“ des zwölfköpfigen Performance-Kollektivs „Caravan Of Luv“. Mit ritualhaften Bildern, bewegender Musik und einer klaren Botschaft gegen Hetze und Hass besetzte die „Karawane Der Liebe“ die „Oper“ und verwandelte das gesamte Haus sowie den Opernvorplatz in einen Raum voller Gesang und Applaus. Besonders gefeiert wurden die Ehrengäste Bürgermeisterin „Dr. Martina Münch“, der Schweizer Musiker „Bonaparte“ und der Leipziger „Chorbeau“. Trotz des gewagten Experiments waren nahezu alle 1.200 Plätze im „Großen Saal“ ausverkauft.

Weitere Programmpunkte zeigten, wie Herkunft, Geschichte und Machtverhältnisse Identität formen: Die Taiwanerin „Fang-Yun Lo“ thematisierte in „The Seas Between Us“ politische Systeme und kulturelle Prägungen. In „Me Too, Galatea“ verband der Choreograf „Pol Pi“ antike Mythen mit der #MeToo-Bewegung. „Sex Education Ii: Fight“ von „Tjaša Črnigoj“ erinnerte an feministische Kämpfe im ehemaligen Jugoslawien. Und „Mila Turajlić“ brachte in „Non-Aligned Newsreels“ das Erbe der Blockfreien Bewegung ins Bewusstsein.


Insgesamt standen bei der „euro-scene Leipzig“ zehn Tanz-Performances im Fokus: „Cristiana Morganti“ und „Emanuele Soavi“ reflektierten in „This Is A Premiere“ ihre künstlerischen Biografien. „Manuel Roque“ brachte mit „Le Vent Se Lève“ und „Bang Bang“ zwei intensive Stücke nach Leipzig und füllte viermal die „Diskothek“. In der „Residenz“ untersuchte „Robert Ssempijja“ in „Alienation Iii“ koloniale Spuren der Stadtplanung Kampalas, während „Harald Beharie“ in „Batty Bwoy“ stereotype Körperbilder queerer Schwarzer Identität radikal befragte.
Das Kinderstück „Amazonen“ begeisterte etwa 160 Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren. Die Compagnie „Rosas“ präsentierte erneut ihr Stadtprojekt „Slow Walk“ – ein fünfstündiger meditativer Spaziergang in Zeitlupe. Den Abschluss bildete am 9. November „Dancer Of The Year“ des international gefeierten Choreografen „Trajal Harrell“, eine poetische Reflexion über die Bewertung von Kunst und die Freiheit des Tanzes.
Das Plus-Programm bot Filmvorführungen, Publikumsgespräche und Vorträge. Die Philosophin „Jule Govrin“ sprach in „Politische Körper“ über die Verbindungen zwischen Macht, Körper und Gesellschaft.

Die 36. "euro-scene Leipzig" findet vom 3. bis 8. November 2026 statt.

Weitere Infos finden Sie auf: www.euro-scene.de