Das Leben und Wirken des berühmten Namensgebers der Franckeschen Stiftungen

Das Francke-Denkmal im Lindenhof der Stiftungen erinnert an den Gründer. (Foto: Falk Wenzel)

Zum 350. Mal wurde im Jahr 2013 der Geburtstag eines bekannten Hallensers und zugleich Namensgebers der Franckeschen Stiftungen gefeiert: August Hermann Francke. Die Themenseite gibt einen Überblick über Franckes Leben und Wirken und das kulturelle Leben in den Stiftungen heute

„Man muss lernen, was zu lernen ist, und dann seinen eigenen Weg gehen“ sagte einst Händel. Das würde sich wohl auch sein Umsetzer August Hermann Francke heute noch denken, wenn er auf dem Gelände der Franckeschen Stiftungen einen Kaffee trinken, dass Spielehaus oder eine der zahlreichen Bibliotheken auf dem Gelände aufsuchen würde. Von hier aus die Welt mit Bildung und Kultur zu verändern, sollte nicht nur Franckes Vision sondern auch sein Lebenswerk werden.

Seit bereits 350 Jahren existieren die Franckeschen Stiftungen in Halle und feiern im Jahr 2013 ihr Jubiläum. Kein anderer als August Hermann Francke (1663-1727) selbst hat den gewaltigen Komplex und mit ihm eine Revolution des Pietismus in der Saalestadt ins Leben gerufen.

Francke, der als Theologe und Pädagoge wirkte, hatte schon früh den Wunsch die Welt zu verändern. Aufgewachsen zur Zeit des Pietismus verfolgte ihn die Idee, eine gemeinsame Einrichtung zu schaffen, in der Bildung und religiöser Glaube untrennbar miteinander verbunden sind. Sein Fundament: Die Bereiche Glaube, Wissen, Politik, Kommunikation und Erziehung ganz im Zeichen Luthers miteinander zu verbinden und für jeden zugänglich zu machen. Unabhängig von Schicht, Geschlecht oder Bildungsstand  sollte jedem der Zutritt zu den späteren Franckeschen Stiftungen möglich sein.



Von Glaucha aus, der kleinen Vorstadt Halles, strebte er ein immenses Reformvorhaben an, dass auch heute noch ein kulturelles Denkmal seiner Zeit ist. Francke gelang es, 200 Jahre nach Martin Luther zentrale Aspekte der Reformation in die Praxis umzusetzen. Neben pädagogischen Konzepten, die Kinder und Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten integrierten, legte er Wert auf die Verbreitung von Bibeln, die er in seinem eigenen kleinen Verlag preiswert für alle Bürger drucken ließ.

Die Franckeschen Stiftungen, gegründet 1695, bestanden zunächst nur aus einem Waisenhaus und einer Armenschule, bevor auf dem Gelände um die historischen Linden eine große Schulstadt entstehen konnte. Besonders für diese Zeit war das mehrgliedrige Schulsystem mit seinen neuen Lehrmethoden und den individuellen pädagogischen Betreuungsansätzen. Die Zeit um 1700 gestaltete sich als eine gesellschaftliche Umbruchphase, die prägend für die Neuzeit sein sollte. Nach den verheerenden Folgen des Dreißigjährigen Krieges, herrschte nun erstmals eine Atmosphäre voller Wissens- und Entwicklungsdrang, die auch Francke antrieb. Kernthemen waren die fortschreitende Entwicklung und Anerkennung der Naturwissenschaften,die Krise der Frömmigkeit und die beginnende Globalisierung. Das Individuum und sein Verständnis von der Welt stand im Vordergrund.

Sein Wirken legte den Grundstein für weitere gesellschaftliche und geschichtliche Entwicklungen, u. a. die Gründung der ersten Realschule Deutschlands, die Professionalisierung des Lehrerberufs sowie die Verbreitung der Bibel in einem handlicherem Format. Seine Schulstadt wurde über die Landesgrenzen hinaus bekannt. In 30 Jahren entstanden auf dem Gelände Schul- und Wohngebäude, Gärten und Werkstätten. Francke schaffte mit seiner Idee der Weltveränderung eine eigene kleine Stadt vor den Toren Halles. In den Stiftungen arbeiteten und lebten zur damaligen Zeit rund 2500 Menschen zwischen Bildung und christlicher Nächstenliebe.

Heute sind die Franckeschen Stiftungen ein einzigartiges Areal, dass restauriert und in neuer Blüte erstrahlt. In mehr als 40 Einrichtungen tummeln sich Schüler, Studierende und Interessierte aus Pädagogik, Wissenschaft und anderen sozialen Bereichen. Noch immer ist die Geschichte vergangener Zeiten zu spüren. Die Naturalienkammer Franckes, sein historisches Waisenhaus und die Gärten sind nur einige der Sehenswürdigkeiten auf dem 14 Hektar großen Stiftungsgelände. Die Verantwortlichen haben es durch ihre Bemühungen auf die deutsche Vorschlagsliste für das UNESCO Welterbe geschafft.

Francke wollte die Welt mit seinen Ideen verändern. Beim Anblick der Franckeschen Stiftungen wird deutlich, dass er seinen Traum verwirklichen konnte. Noch heute sind die Stiftungen ein beliebter Anlaufpunkt für Touristen aus aller Welt. Das hat nicht nur mit Franckes Kontakten zu berühmten Persönlichkeiten wie Christian Thomasius, Gottfried Wilhelm Leibniz, der englischen Königin Anne und dem russischen Zaren Peter I.  – um nur einige zu nennen - über die Vergangenheit hinaus zu tun.

(Yasmin-Coralie Berg, Kulturfalter)