Vortrag Iran, (Foto: © AG Antifa)

Löwe und Sonne. Zur nationalen Erhebung im Iran.

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Mehr als 36.000 Iranern hat das blutigste Massaker in der Geschichte der Islamischen Republik das Leben gekostet, hunderttausende wurden verletzt, weitere 50.000 wurden inhaftiert und müssen ihre Hinrichtung befürchten. Nicht nur bedeutet die schiere Zahl der Toten eine nationale Katastrophe. Der Massenmord ist die letzte Wahrheit über den Charakter eines Regimes, das sich in einem apokalyptischen Endkampf gegen satanische Feinde wähnt und die Opferung der eigenen Bevölkerung zugleich als Mittel des Machterhalts und heiligen Zweck versteht. Dieses so zerstörerische wie selbstzerstörerische Projekt der herrschenden Mullahs aufzuhalten, hatte sich im Dezember und Januar der bislang größte Aufstand iranischer Regimegegner formiert. Spätestens seitdem Millionen dem Aufruf des exilierten Kronprinzen Reza Pahlavi am 8. und 9. Januar gefolgt sind, machte sich jedoch nicht nur unter deutschen »Nahost-Experten« Nervosität breit: Dass iranische Oppositionelle massenhaft nach der Rückkehr Pahlavis rufen, müsse entweder einer gezielten Manipulation geschuldet sein – oder jedenfalls für die Rückwärtsgewandtheit unbelehrbarer Monarchisten sprechen. Dass dennoch Pahlavi zur Führungsfigur einer breiten Strömung geworden ist, die der Wunsch nach einer säkularen Demokratie eint, dementiert einen historischen Mythos, der auch über linke Kreise hinaus gepflegt wird: Keineswegs nämlich war die Revolution von 1979 eine progressive Massenbewegung gegen jahrtausendelange monarchische Knechtschaft, die im letzten Moment von Islamisten gekapert wurde. Vielmehr handelte es sich um den von Linken, Gotteskriegern und Klerikern gemeinsam unternommenen Abbruch eines zweifellos reformbedürftigen, aber modernen Verfassungsstaats. Die absolute Herrschaft des Schahs war bereits in der Konstitutionellen Revolution von 1906 bis 1911 gebrochen worden, die Trikolore mit Löwe und Sonne in dieser Zeit zur Flagge des ersten parlamentarischen Nationalstaats Asiens geworden. Die Rückkehr zu Löwe und Sonne – und selbst eine Restauration der konstitutionellen Monarchie – wären also unmöglich als »reaktionäre« Vorhaben abzukanzeln, schon gar nicht angesichts der Bestialität des herrschenden islamischen Regimes; sie stehen auch für die Fortführung der unvollkommenen Revolution von 1906, die 1979 verheerend gekontert worden war. Der Vortrag wird aufzeigen, woher der jüngste Aufstand seine Stärke bezog und was seine brutale Niederschlagung für die Freiheitsbewegung bedeutet. Er wird den langen Kampf von Iranern um Säkularismus und Demokratie nachzeichnen und darstellen, weshalb den Streitern für einen freien Iran heute nicht nur die Mullahs und ihre Milizen im Weg stehen, sondern ebenso hiesige Diskurswächter, die den Revolutionären von 1979 immerhin zugutehalten können, die »Free Palestine«-Bewegung im Iran an die Macht gebracht zu haben, und die die Pahlavi-Opposition nicht zuletzt deshalb zu untergraben versuchen, weil der Kronprinz und seine Anhänger für ein Ende des »antiimperialistischen Widerstandes« und für Frieden mit Israel einstehen. Lukas Sarvari ist Redakteur der Zeitschrift casa|blanca. Texte zur falschen Zeit.

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