Wie ein großes Orchester

Die Vollblut-Jazz-Musikerin und „Königin der Instrumente" Barabara Dennerlein (Foto: Cultourbüro Herden)

Als eine Art Nachtrag zum diesjährigen Festival „Women in Jazz” präsentierte das Culturbüro Herden am 11. März 2012 die Jazz-Musikerin Barbara Dennerlein in Halle. Sie gehört sie zu den wenigen deutschen Jazz-Künstlern mit internationaler Reputation. Vor allem ihr legendäres Pedalspiel machte sie zur Meisterin an der Hammond-Orgel. In der Ulrichskirche war sie jedoch wieder an der „Königin der Instrumente” zu erleben, an der Kirchenorgel. Im Interview verrät Barbara Dennerlein, wie sie das „träge” Instrument zum swingen bringt.

Kulturfalter: Wie, wann und warum haben Sie angefangen, Jazz an Kirchenorgeln zu machen?

Barbara Dennerlein: Die Kirchenorgel hat mich schon immer interessiert; und als 1994 gefragt wurde, ob ich bei den Würzburger Bachtagen auf der Konzertorgel spielen würde, sagte ich spontan zu. Inzwischen habe ich auf weltweit 150 Kirchen- und Konzertorgeln gespielt. Klangvielfalt und Volumen einer Pfeifenorgel sind etwas Besonderes, als hätte man ein großes Orchester zur Verfügung. Dazu kommt die Atmosphäre in der Kirche, die das Publikum ganz in die Musik eintauchen lässt. Es ist mehr bei sich und dem Vortrag, und die Spiritualität des Raums überträgt sich. 

Was ist anders als an der Hammond-Orgel, Ihrem „regulären” Instrument?

Es gibt große Unterschiede. Die Pedale sind viel weiter auseinander, haben keinen Nachklang, generell ist die Kirchenorgel viel schwerfälliger als die Hammond. Man braucht auch viel mehr Kraft für Tasten und Pedale. Und man muss sich der Akustik anpassen, dem Hall in großen Kirchen und der Verzögerung zwischen Anschlag und Erklingen der Pfeife.

Wie würden Sie Ihr Repertoire beschreiben, gibt es Reminiszenzen an den Spielort?

Mein Repertoire komponiere ich speziell für die Kirchenorgel. Obwohl es auch Stücke gibt, die ich auch auf der Hammond spiele, jeweils unterschiedlich arrangiert. Meine Musik lebt natürlich von der Improvisation: Die Stücke haben zwar ausgearbeitete Passagen, erlauben aber auch viele Freiheiten. Ich bin aber auch immer wieder von dem grandiosen Klang echter Pfeifen fasziniert. Ganz automatisch schleicht sich da hin und wieder ein Zitat von Bach oder Mendelssohn ein. An sich aber biete ich die ganze Bandbreite des Jazz: Swing, Blues, Latin, Balladen, Modern, Jazz Waltz, Funk und auch klassisch klingende Elemente. Ich versuche ein spannendes und abwechslungsreiches Programm zu machen, und freue mich, wenn nicht nur Jazzfans den Weg in die Kirche finden.  

Oft werden – vor allem auch der Hand- und Fußeinsatz – per Videowand übertragen. Warum?

Ich lege Wert darauf, dem Publikum meine Musik und das Instrument zu zeigen. Darum werden alle Konzerte auf eine Leinwand im Altarbereich übertragen. Außerdem moderiere ich und erlaube dem Publikum so viele Einblicke in Details.

Frau Dennerlein, vielen Dank für das Gespräch!
(Nico Elste, Kulturfalter März 2012)