Im Foyer mit ... Martin Kreusch

Regisseur Martin Kreusch (Foto: Martin Große)

Wie sehen Schauspieler oder Regisseure eigentlich andere Produktionen? Immer mit einem kritischen Blick oder schlüpfen sie auch einmal aus ihrer Rolle heraus und können sich unterhalten lassen? In unserer losen Reihe „Im Foyer mit...“ sprechen wir mit den Kollegen und bitten sie um eine Theaterkritik. Dieses Mal möchten wir das Stück „Bier für Frauen“ von Felicia Zeller besprechen, in dem Alkohol eine zentrale Rolle spielt. Denn Schauspielern wird nachgesagt, dass sie gern mal ein Gläschen heben. Martin Kreusch, Schauspieler beim Theater Varomodi oder der halleschen Kulturrederei hat sich das Stück gleich zur Premiere angeschaut. Kulturfalterredakteurin Anne-Marie Holze fragte nach seinen Eindrücken.

Kulturfalter: Was wusstest du über das Stück?

Ich wusste, dass das Stück eigentlich für drei Frauen konzipiert ist. In der Inszenierung des Schaustelle e.V. wurden aber zwei Frauen und ein Mann, der eine Frau spielt, auf die Bühne gebracht. Ich kannte die Schauspieler und die Qualität der Schaustelle, was mich veranlasst zu Bier für Frauen zu gehen. Inhaltlich wusste ich nicht, was mich erwartet.

Mit welchen Erwartungen bist du hingegangen und wurden diese erfüllt?

Meine Erwartungen waren ziemlich hoch, weil ich das Niveau der Schaustelle kenne. Was besseres haben wir in Halle in der freien Theaterszene nicht. Ich wusste, dass ich hier was geboten bekomme und hatte daran keine Zweifel. Und genau das ist auch eingetreten. Zum Einen ist es die Inszenierung und Stückentwicklung, bei denen man merkt, das künstlerisch an einem Strang gezogen wird. Und zum Anderen sind es die sehr guten Schauspieler.

Was hat dir noch gefallen an der Inszenierung?

Ich kann es sehr gut leiden, wenn ein Stück mit wenig auskommt. Bei Bier für Frauen gibt es eine relativ leere Bühne – nur ein Pult, mit dem das Licht gefahren wird und eine Flasche Bier. Es war eine durchgängige Inszenierung, in der in jeden Moment klar war, welche Haltung die Schauspieler gerade haben.

Welche Sachen würdest du anders machen? Gibt es Kritikpunkte?

Mir fällt ehrlich gesagt nichts richtig ein. Es gibt im Stück nur eine Person im Publikum, die immer einen Satz sagen muss. Das war an diesem Abend ich und hat mich persönlich ein bisschen gestresst. Aber es wird niemand vorgeführt, man braucht keine Angst haben.

Wie waren die Reaktionen des Publikums?

Ich hatte das Gefühl, dass es dem Publikum gut gefallen hat. Die meisten waren fasziniert und gebannt vom Stück. Es ist nicht wirklich hoch emotional, aber man kann immer in die Dialoge der Frauen einsteigen und denken: „Das ist mir bekannt, das ist lebensnah.“ Es war nicht künstlich.

Wie lautet Dein Fazit?

Es war ein schöner, intensiver Abend. Die Schaustelle ist immer eine Empfehlung wert. Man kann sich drauf verlassen, dass man was Gutes geboten bekommt.

Bier für Frauen, nächster Termin: 15.2. um 20 Uhr im Objekt 5, www.objekt5.de