Ein Land baut um

Der Riebeckplatz war Teil des Stadtumbaus. (Foto: Jana Kausch)

Im Jahr 2010 ging die Internationale Bauausstellung, die IBA 2010, in ihre letzte Runde. Nach vielen Jahren des Entwerfens, Verwerfens, der Bauarbeiten und des Diskutierens war es das Jahr des Freuens, Präsentierens und Weiterentwickelns sein und die Stadt Halle konnt und kann wirklich stolz auf die sieben IBA-Projekte sein, die aufgereiht an der Hochstraße und Magistrale liegen.

Der demografische Wandel stellt die Gesellschaft in Deutschland vor eine besondere Herausforderung. Schon heute prägt er nicht nur als wissenschaftliches Phänomen Politik, Wirtschaft und Kultur, sondern er ist Realität. Denn neben Wachstumsregionen gibt es gerade in Ostdeutschland trotz aller Bemühungen Gebiete mit einem erheblichen Bevölkerungsrückgang. Sogar innerhalb der Städte ist dieses Nebeneinander sichtbar. Davon sehr betroffen ist das Land Sachsen-Anhalt, das durch eine Vielzahl von Klein- und Mittelstädten geprägt ist, die sich durch herausragende kulturhistorische Orte wie die Bauhausbauten in Dessau-Roßlau, die Luthergedenkstätten in Wittenberg und Eisleben oder die Fachwerkhäuser von Quedlinburg auszeichnen. Seit 1989 hat das Land etwa 17 Prozent seiner Bevölkerung verloren, und noch ist der Rückgang nicht gestoppt. Damit steht Sachsen-Anhalt für eine gesellschaftliche Gegenwart, die auch in anderen Ländern bereits angekommen ist, und für eine Zukunft, die vieles noch erwartet.

Die Schrumpfungsprozesse erfordern einen weitblickenden Stadtumbau, der auf Leerstand und finanziellen Notstand antwortet. Mit der IBA Stadtumbau 2010 hat sich das Bundesland als deutschlandweit erstes offensiv dem Phänomen der schrumpfenden Städte gestellt. Im Rahmen der IBA Stadtumbau 2010 erprobten und erproben Stadtplaner, Architekten, Bürger und Vertreter aus Politik und Verwaltung neue Werkzeuge des Stadtumbaus in 19 Städten, die vom demografischen Wandel betroffen sind. Dabei verfolgt jede Stadt ihr individuelles Thema und schärft das eigene, historisch gewachsene Stadtprofil. Aus einem Labor für experimentelle Gestaltung ist so mittlerweile eine Modellregion geworden, deren Ausstrahlung weit über die Grenzen Deutschlands hinausgeht.

Das Ergebnis ist nicht das Ende des Rückgangs, aber dessen positive Wendung mithilfe kleinerer, gestraffter Strukturen – denn weniger ist Zukunft. Nach acht Jahren Arbeit wurde am 8. April 2010 die IBA Stadtumbau 2010 offiziell eröffnet. Ihr folgten eine Vielzahl von Veranstaltungen in Halle und den anderen 18 Städten. Außerdem gab es eine zentrale Überblicksausstellung im Bauhaus Dessau.