Katrin Schinköth-Haase über ihre Rollen, Arbeit und Familie

Charakterkopf und -gesicht Kathrin Schinköth-Haase (Foto: Pr)

Im Oktober 2011 feierte Katrin Schinköth-Haase als Clara Schumann in "Die Pianistin. Ein Nachspiel" Premiere in Leipzig, und im November war sie mit "Kein Ort. Erxleben" wieder in Halle zu erleben. Anlässlich dessen sprach Kulturfalter-Redakteurin Madeleine Adler mit der vielbeschäftigten Künstlerin. Katrin Schinköth-Haase verkörpert auf der Bühne meist starke, weibliche Persönlichkeiten aus vergangenen Jahrhunderten. Wir haben sie gefragt, ob sie sich vorstellen könnte, auch Berühmtheiten aus dem letzten und diesem Jahrhundert zu spielen. Und auch sonst haben wir einmal hinter die Kulissen der Schauspielerin, Sängerin, Autorin und fünffachen Mutter gesehen.

Kuturfalter: Frau Schinköth-Haase, Sie spielen überwiegend starke weibliche Rollen. Könnten Sie sich auch vorstellen, berühmte Frauen aus dem vergangen und diesem Jahrhundert zu spielen, wie Angela Merkel, Amy Winehouse, Charlotte Roche, Eveline Hamann und Hanelore Kohl? Wenn ja oder nein, warum?  

Katrin Schinköth-Haase: Zu Angela Merkel: Mein erster Impuls wäre „nein“; ich will ja kein Kabarett machen… und außerdem singt sie nicht! (lacht) Obwohl, bei Angela Merkel wäre es interessant, die Absicht für ihr Handeln und den Zwiespalt, in dem sie sich befindet, nämlich in einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs re(a)gieren zu müssen, zu beleuchten.

Zu Amy Winehouse: Bei ihr bestünde die Aufgabe und Schwierigkeit darin, ihr gesanglich gerecht zu werden. Ist ihr Ableben nicht noch zu nah, um jetzt bereits ihre Figur auf die Bühne zu bringen?

Zu Charlotte Roche: Nein, wollte ich nicht spielen. Wozu?!

Zu Eveline Hamann: Mit ihr würde ich gerne einmal zusammen spielen. (lacht)

Zu Hanelore Kohl: Nein, keine Verbindung, kein Grund…  

Fließt in Ihren Rollen auch immer ein Stück Katrin Schinköth-Haase ein?

Ja, da ich sie spiele. Aber ich versuche immer die Schwingungen der zu spielenden Person zu erfassen und vor allem: ihr gerecht zu werden.  

Können Sie sich mit Ihren Rollen identifizieren? Wenn ja, wie schaffen Sie das, da es immer sehr verschiedene Rollen sind? 

Die Grundvoraussetzung ist erst einmal, jede Rolle zu lieben. Während der langen Recherche versuche ich die Psyche der zu spielenden Figur zu erfassen, selbst wenn es schwer ist. Solange keine „schlechten“ Rollen zu verkörpern sind, z.B. die eines Mörders, kann ich mich eigentlich immer mit ihnen identifizieren. Aber ich löse mich nicht auf! Abstand und Hingabe zugleich, darin liegt die Gradwanderung, ich bin die Rolle in dem Moment, aber ich bin es nicht… klingt komplizierter, als es ist.  

Sie spielen öfter in Halle, was mögen Sie an dieser Stadt, dass es Sie immer wieder herzieht?

Halle ist eine Stadt und irgendwie auch ein Dorf. Halle ist klein, beschaulich, überschaubar und zugleich auch städtisch.  

Sie sind eine sehr beschäftigte Frau. Wie bekommen Sie Arbeit und Familie unter einen Hut?

Das ist schwierig, ich bin auch mein eigener Manager, meine Haushälterin, Logistikunternehmen… Ups, mir wird schwindlig von alledem! Irgendwie schaffe ich alles, aber die Angst, dass etwas hinten runter fällt, ist immer da. Und ausreichend Schlaf fehlt! (lacht)  

Sie spielen auch die Rolle der Clara Schumann. Man sagt, sie sei „kaltherzig gegen Gatten und die eigenen Kinder“ gewesen. Nun sind Sie selber Mutter von fünf Kindern. Wie sehen Sie diese Aufgabe und können Sie das Verhalten nachvollziehen?

Clara hat es nicht anders gelernt. Sie hatte eine schwierige Kindheit; musste als Scheidungskind an ihrem fünften Geburtstag zu ihrem Vater, was für sie sehr schlimm war (die damalige Gesetzeslage schrieb es so vor). Ihr Vater war sehr theoretisch, kühl und konnte ihr keine ausreichenden Emotionen vermitteln. Clara konnte nicht anders, als so zu werden. Ich würde schon sagen, dass (er) sie geliebt hat, aber nicht so, wie es nötig gewesen wäre. Sie wurde ein Kopfdenker, der Bauch blieb außen vor.  

Die Rolle der Clara Schumann ist eine Doppelrolle. Haben Sie vorher schon einmal eine solche Rolle gespielt und wie war das?

Clara Schumann war Pianistin. Ich selber kann kein Klavier spielen. So stand von Anfang an fest, dass ich eine begleitende (Schau-)Spielerin an meiner Seite brauche, die Klavier spielt und in die Rolle der Clara Schumann passen würde! Mit Maria-Clara Thiele habe ich die perfekte Partnerin für diese Rolle gefunden. Beide sind wir Clara. Bin ich Wieck, ist sie allein, so allein als Clara.  

Haben Sie schon neue Projekte geplant?

Noch für dieses Jahr habe ich ein Stück über Sappho geplant. Hier wird mich wieder eine Musikerin begleiten: die Percussionistin Nora Thiele und noch eine weitere Schauspielerin bzw. Tänzerin. Mit Maria-Clara Thiele ist ein Alma Mahler-Programm geplant; diese Frau hat eine sagenhafte Vita!  

Sie stehen auf der Bühne und sind im Fokus der Öffentlichkeit. Was ist das für ein Gefühl Fans zu haben und wie gehen Sie damit um?

Natürlich freue ich mich, wenn Leute auf mich zukommen und nach Autogrammkarten fragen – auch wenn ich gar keine habe (lacht). Es ist mir wichtig, etwas in den Menschen zu bewegen – die Sache steht im Vordergrund! Ich bin nur Sprachrohr, Mittler.  

Frau Schinköth-Haase, vielen Dank für das Gespräch.
(Madeleine Adler, Kulturfalter Oktober 2011)

 

Weitere Infos zu Kathrin Schinköth-Haase