Erschreckende Entwicklung: Immer mehr Studenten leiden an Depression

Depression, auch Belastungsstörung genannt, ist eine reale Erkrankung, die mit anhaltender gedrückter Stimmung, negativem Denken und verringertem Antrieb einhergeht und durch eine dauerhafte Überschreitung der eigenen Belastbarkeitsgrenzen hervorgerufen wird. Doch obwohl sie längst medizinisch anerkannt ist, stellt sie in unserer heutigen Gesellschaft immer noch ein heikles Thema dar, wird als "emotionale Verstimmung" unterschätzt, als "Hirngespinst" angezweifelt und somit letztendlich bagatellisiert. Und wenn man an die typischen Betroffenengruppen denkt, kommt einem wohl als letztes das Bild des faulen Dauerstudenten in den Kopf, der in den Tag hineinlebt und nicht einmal weiß, was Stress überhaupt bedeutet. Doch die Wahrheit sieht erschreckend anders aus.



Psychische Erkrankungen Hauptgrund für Berufsunfähigkeit

Laut großer Versicherungsunternehmen wie CosmosDirekt sind Nervenkrankheiten inzwischen der Hauptgrund für den Bezug einer Berufsunfähigkeitsrente, noch vor Erkrankungen am Skelett und Bewegungsapparat. Am häufigsten lautet die Diagnose Depression, aber auch Angststörungen und Erschöpfungssyndrome werden als Gründe für die Berufsunfähigkeit angeführt.

Auffällig ist eine starke Zunahme der psychischen Erkrankungen seit der ersten Hälfte der 2000er-Jahre. Inzwischen scheinen sich die Zahlen auf einem gleichmäßig hohen Niveau einzupendeln. Laut der Zeit erkrankt jeder fünfte Bundesbürger einmal in seinem Leben an einer Depression. Das bedeutet also: Selbst wenn man körperlich kerngesund ist, gehört man heutzutage doch zu den "Risikogruppen".



Prüfungsstress und Leistungsdruck

Eine Depression kommt meist schleichend daher und macht sich oft erst bemerkbar, sobald es zu spät zum Einlenken ist. Die Implikationen der modernen Arbeitswelt und der digitalen Medien seien genauso dafür verantwortlich wie die genetische Veranlagung, sagt die Wissenschaft. Hinzu kommen Stressfaktoren im Privatleben und in der Familie. Natürlich spielt aber auch die stärkere Sensibilisierung gegenüber diesem Thema eine Rolle dabei, dass die Krankheit häufiger diagnostiziert wird als früher, anstatt erst aufgrund ihrer körperlichen Spätfolgen wahrgenommen zu werden.

Aber warum trifft es immer mehr Studenten? Schuld ist laut vielerlei Meinungen der erhöhte Leistungsdruck, der mit der Einführung des Bachelor- und Master-Systems einhergegangen ist - eine Form des Studiums, die oft als "verschult", "schnelllebig" und zuweilen "restriktiv" kritisiert wird. Die Zahlen sprechen jedenfalls Bände: Zwischen den Jahren 2005 und 2016 ist der Anteil von 18- bis 25-Jährigen mit psychischen Erkrankungen um ganze 38 Prozent gestiegen, bei Depressionen beträgt der Anstieg sogar um die 76 Prozent. Fast eine halbe Million Studenten sei 2016 in psychologischer Behandlung gewesen - das ist fast jeder sechste!

Zu diesen Fällen gehören auch zwei Hallenser Studenten, deren wirkliche Namen mit Hannah und Max anonymisiert wurden. In diesem Artikel berichten sie davon, wie sie mit ihrer Belastungsstörung umgehen. Und davon, dass die Selbsthilfegruppen in ihren Universitäten vor Teilnehmern nur so überquellen.

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