Woyzeck, (Foto: © Julia Fenske)

Woyzeck

Er schneidet den Offizieren die Bärte, schuftet als Soldat und stellt seinen Körper für zweifelhafte medizinische Experimente zur Verfügung. Armut drückt, die Uniform schnürt ein und der Doktor betrachtet ihn als Forschungsobjekt. Woyzecks Welt bricht zusammen, als Marie – sein einziger Halt – sich einem anderen zuwendet. Der Tambourmajor verspricht ihr ein sorgloses Leben und gesellschaftlichen Aufstieg. Zurück bleibt ein Mann, zerrieben zwischen Abhängigkeit und Demütigung, der den Kontakt zur Realität verliert. Gequält, erniedrigt und von inneren Stimmen getrieben, bleibt ihm nur noch Gewalt. Georg Büchners sozialkritischer Text trifft auf Tom Waits’ Songs – mal roh und aggressiv, mal zerbrechlich und melancholisch. Gemeinsam mit Kathleen Brennan und Regisseur Robert Wilson verwandelte er Büchners fragmentarisches Drama in ein fatalistisch-schönes Musical, das 2000 in Kopenhagen uraufgeführt wurde. In Mille Maria Dalsgaards Inszenierung steht der Mensch als Experiment im Mittelpunkt und zeigt, wie Objektivierung durch Armee, Armut, Arznei und Angst in zerstörerische Muster treibt. Die Musik ist der pochende Herzschlag des Abends: ein Zufluchtsort, ein letzter Ausdruck von Sehnsucht und der Freiheit, die im Gefühlsausbruch noch möglich ist.

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