Vorwärts! Wir sind vergessen

»Kuhle Wampe« – Ein Film von 1932 und das Schicksal eines seiner Autoren. Ernst Ottwalt geboren 1901 in Westpreußen, verreckt 1943 im Lager bei Archangelsk. Wirtschaftskrise, Faschismus, Flucht, Krieg, Stalinterror.

Die Geschichte des Films spielt im Berlin der Wirtschaftskrise. Ein arbeitsloser junger Mann springt aus Verzweiflung aus dem Fenster. Seiner Familie wird die Wohnung gekündigt und sie muss auf einen Campingplatz mit dem Namen »Kuhle Wampe« umziehen. Die Tochter der Familie wird ungewollt schwanger, Verlobung, Entlobung, Politisierung. In den letzten Szenen kommen die Verlobten wieder zusammen und streiten während einer S-Bahnfahrt mit den anderen Fahrgästen über die Ungerechtigkeit der Welt. Fazit: Die Welt wird verändert werden, von den Menschen, denen »sie nicht gefällt«. Vorwärts und nicht vergessen und die Frage konkret gestellt beim Hungern und beim Essen: Wessen Morgen ist der Morgen? Wessen Welt ist die Welt?

Mit diesen Zeilen, vertont von Hanns Eisler und von Arbeiter*innen gesungen, endet der Film. Drei Autoren werden im Drehbuch genannt: Slatan Dudow, Bertolt Brecht und Ernst Ottwalt, nach dem Reichstagsbrand mussten alle drei Deutschland verlassen. Dudow floh zunächst nach Frankreich, dann in die Schweiz, Brecht erreichte endlich 1939 die USA. Ottwalt gelangte, nach kurzen Zwischenstopps in Dänemark und der Tschechoslowakei, nach Moskau, wo er 1936 denunziert und verhaftet wurde. Seine Witwe erfuhr erst Jahre nach dem Krieg von seinem Tod 1943 im Lager in Archangelsk. Seine Biographie vom Freikorps zur KPD, der Emigration in die UdSSR und seinem Untergang in den Mühlen des NKWD, ist ein harter Spiegel der Verwerfungen des 20. Jahrhunderts, dessen Schockwellen bis in unsere Zeit strahlen. Wohin werden die jetzigen und auf uns zukommenden Krisen unsere Gesellschaft lenken? Wie werden wir uns verhalten, wenn die Demokratie gefährdet ist? Können wir, trotz Utopieverlust, den Angriffen, die kommen werden, etwas entgegensetzen? »Wer sich seiner Vergangenheit nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.«

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29.06.2022: 19.30 bis 21.30 Uhr

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