Leißzig 1967, (Foto: © Günther Rössler)

Günter Rössler – Augenblicke

Günter Rössler hat die Geschichte der ostdeutschen Fotografie wesentlich mitgeprägt. Seine Arbeiten sind dabei nicht nur spannende Zeitdokumente, sondern auch einzigartige Kunstwerke. Früh wandte sich der 1926 in Leipzig Geborene der Fotografie zu. Nach einer Lehre als Fotolaborant studierte er von 1947 bis 1950 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in seiner Heimatstadt. Größte Bekanntheit errang Rössler insbesondere durch seine Aktfotografie. Seine erste Aktausstellung, die er 1979 im Kunsthaus Grimma zeigte, erregte in der DDR großes Aufsehen. Mit ihr führte er diese Gattung als ernsthafte und eigenständige Kunstform in die öffentliche Diskussion der DDR ein. Es sind stille, kraftvolle Bilder, deren Zeitlosigkeit und hoher ästhetischer Anspruch den Betrachter bis heute berühren. Doch Günter Rössler nur auf seine Aktfotografien zu begrenzen, würde seinem Werk nicht gerecht werden. Seine Modefotografien und Reportage-Arbeiten verdienen selbige Anerkennung, auch wenn sie bisher noch im Schatten seiner Auseinandersetzung mit dem Akt stehen.

So will die Ausstellung in der Kunsthalle „Talstrasse“ Günter Rössler in der ganzen Breite seines Schaffens vorstellen und dabei das Augenmerk auf den weniger bekannten Teil seiner Arbeit richten. Denn als Mode- und Reportagefotograf war Rössler nicht nur Chronist, sondern vor allem ein Entdecker, ein Neugieriger, ein Forschender, ein Mutiger und nicht zuletzt ein Wegbereiter. Eine Aufnahme wie die einer serbischen Mutter vor dem Bild ihres gefallenen Sohnes berührt noch immer und lässt uns deren Schmerz bis heute, fast 60 Jahre nach seiner Entstehung, spüren. Es ist ein Bild, das nichts an Aktualität verloren hat und von großer Einfühlsamkeit des Fotografen zeugt. Von 1954 bis 1990 arbeitete Rössler überwiegend für DDR-Modemagazine wie „Modische Maschen“ und „Sibylle“ sowie die Monatszeitschrift „Das Magazin“. Diese regelmäßige Präsenz seiner Arbeiten machte ihn in der DDR zu einem der bekanntesten Fotografen. Als 1984 der Playboy unter dem Titel Mädchen aus der DDR einen zehnseitigen Beitrag mit Fotos von Günter Rössler veröffentlichte, wurde der Fotograf aber auch in der Bundesrepublik Deutschland schlagartig bekannt. Neben den ca. 250 Fotografien ist auch der 90-minütige Dokumentarfilm „Die Genialität des Augenblicks“ von Fred R. Willitzkat in die Ausstellung in der „Talstrasse“ mit eingebunden. Der Film zeigt den Künstler als einen stillen und bescheidenen Menschen, der es schaffte, sich sein Leben lang treu zu bleiben. Als Rössler 2013 verstarb, hinterließ er hunderte von Abzügen, oft im Zusammenhang mit Layouts, Vorstudien und späteren Abdrucken in diversen Zeitschriften. Die Ausstellung „Augenblicke“ zeigt erstmalig eine Auswahl dieses Materials und stellt einen sensiblen Künstler vor, der für seine Arbeit lebte. Die Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit mit Rösslers Ehefrau Kirsten Schlegel, die dem Projekt maßgeblich beratend zur Seite stand.

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