Stuhlreihen im Theater
Stuhlreihen im Theater, (Foto: © Holgers Fotografie)

Mit der Faust in die Welt schlagen

Die Eltern von Philipp und Tobi wollen dem allgegenwärtigen Verfall ihrer Region etwas entgegensetzen. Also bauen sie für ihre Kinder und sich ein neues Heim. Ein eigenes Haus. Seit der Wende sind die Ortschaften, die Industrie, die sozialen Bindungen und die Ideale der Menschen im Osten Sachsens dem Kapital und der neuen Zeit anheim gefallen. Ein »einfach weiter machen« oder »nicht darüber reden« soll helfen, um in der neuen Ordnung zurecht zu kommen. Schließlich macht die Abwicklung auch nicht vor den Freund*innen und Kolleg*innen oder gar der Ehe der eigenen Eltern halt. Die beiden Brüder Philipp und Tobi gehen unterschiedlich mit der Situation um. Während Philipp sein Glück im Rückzug sucht, findet es Tobi bei der Gruppe von Jungen, die im VW vor der Schule stehen und lauten Rechts-Rock hören. Denn Nazis sind einfach da, so wie die Kirche, der Fußballverein oder die Freiwillige Feuerwehr. Sie geben Halt, bieten ein eindeutiges Weltbild und sorgen für Klarheit und Orientierung. Da kann man mal durchatmen. Muss nicht alles selbst herausfinden.

Lukas Rietzschel beschreibt in seinem Debütroman mit knapper Sprache und kühlem Kopf die Menschen in der ostdeutschen Provinz, die trotz der Desillusionierung durch die Wende unbedingt in ihrer Heimat weitermachen wollen. Berührend schildert er die Ohnmacht, die zur Normalität geworden ist, für die seltsame, ratlose, vorbilderlose Nachwendegeneration, die ihren Weg ins Leben sucht.

Erstmals arbeitet Swen Lasse Awe, Absolvent der Otto Falckenberg Schule München, in Halle und wird seine eigene Fassung des Romans im Schaufenster inszenieren.

www.buehnen-halle.de



Neues Theater, Große Ulrichstraße 51, Tel. 0345 20500, www.buehnen-halle.de
nt - Schaufenster

02.04.2020: 18.00 bis 20.00 Uhr
07.04.2020: 10.00 bis 12.00 Uhr
16.04.2020: 10.00 bis 12.00 Uhr

Theater, Oper, Orchester GmbH

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