Das Abschiedsdinner

Freundschaft ist ein hohes Gut. Hohe Erwartungen, hohe Verpflichtungen, hoher Zeitaufwand. Und da muss man schon mal von Zeit zu Zeit überprüfen, ob sich so ein gewohnheitsmäßig stattfindender, persönlicher Kontakt überhaupt noch lohnt. Schließlich hat ein berufstätiger Mensch nur eine begrenzte V.Z.F. (Verfügbare Zeit für Freunde). Dann heißt es: Konsequenzen ziehen. Zu diesem Zweck hat man in bestimmten Pariser Intellektuellenkreisen das Abschiedsdinner erfunden. Dabei lädt man jenen Freund, zu dem man den Kontakt abbrechen möchte, zu einem letzten Dinner ein, von dem aber nur der Gastgeber weiß, dass es der finale gemeinsame Abend sein wird. Der Gastgeber serviert dem ausgemusterten Freund noch ein letztes Mal dessen Lieblingsessen, legt dessen Lieblingsmusik auf, simuliert die begeisterte Nutzung einstiger Geschenke des Gastes, gibt sich einen Abend lang einer wohligen heimlichen Abschiedsstimmung hin – und wird danach nie wieder ans Telefon gehen, wenn der andere anruft. Genau dieses Programm wollen Pierre und Clotilde auch durchziehen. Sie haben sich für (und damit gegen) Béa und Antoine entschieden und die beiden künftigen Ex-Freunde zum Abschiedsdinner eingeladen. Und dass dieses Abschiedsdinner keinesfalls so abläuft wie geplant, ist ja klar, sonst wäre das »Abschiedsdinner« ja nicht die erfolgreiche neue Komödie des französischen Autorenduos Delaporte/de la Patellière, die schon mit »Der Vorname« bewiesen haben, wie genau und böse und unterhaltsam sie dem zeitgenössischen Mitmenschen aufs Maul und ins verstellte Herz schauen können.

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