Faust
Faust, (Foto: © Falk Wenzel, Bühnen Halle)

Faust

Wir möchten den satirischen Exkurs mittels beider Teile des »Faust« in unserer heutigen Zeit an einem einzigen Theaterabend antreten. Eben jenen Exkurs, den Goethe mit Ironie, Witz und Tiefgang in die menschliche Seele in seiner Zeit riskiert hat. Die jüngste Vergangenheit, die Zeit der Stagnation, der Spaßgesellschaft liegt hinter uns.

Die Globalisierung verlangt nach massenhaften Opfern in der sogenannten »Großen Welt«. Mit Angst lässt sich seit Menschengedenken das beste Geschäft machen.

Unsere Zeit akkumuliert – wie ein schwarzes Loch mit zunehmender Geschwindigkeit – wiederum alle möglichen Energien, die man zum Ausbruch von Gewalt und Verderben oder zur mühevollen Neugestaltung des Lebens benötigt.

Goethes Faust-Bearbeitungen sind genau in die Epochen jener Unruhen und deren Katastrophen gedichtet: in die Antike mit der kriegerischen Geschichte um die schöne Helena, in die Religionsgeschichte mit der gewaltsamen Unterdrückung des Wissens, in den Umbruch der Reformation und in die grausame Physis des verheerenden Dreißigjährigen Krieges und natürlich in die Renaissance, die Aufklärung, den Sturm und Drang in seiner, in Goethes, Zeit. Und gleichsam nimmt sich diese Tragödie Zeit, um die Liebes- und Sehnsuchtsgeschichte Fausts mit Gretchen in der sogenannten »kleinen Welt« tödlich scheitern zu lassen.

Warum treibt uns die Neugier, warum beherrscht uns dennoch immer wieder die Agonie? Können wir überhaupt ein Leben führen, ohne uns schuldig zu machen? Warum treibt uns zwischen den Tragödien das Lachen die Tränen in die Augen? Warum bin ich ich?

Goethe beteiligt sich mit jeder gedichteten Zeile an der listigen Suche nach Antworten auf diese Fragen, ohne uns eine einzige Antwort vorzugaukeln!

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