Vorhang
Vorhang, (Foto: © Fotolia, vitaliy_melnik)

Im Stein

Clemens Meyers monumentaler Roman Im Stein brachte dem aus Halle stammenden und in Leipzig lebenden Autor den endgültigen Durchbruch als einem der international bedeutenden Schriftsteller unserer Zeit. In soghafter, schwindelerregender Sprache führt er in schmutzige Hinterzimmer, nächtliche Straßen, Abgründe und Seelen der Menschen einer fiktiven Großstadt, Eden-City, die mehr Hölle als Paradies ist. Seine Protagonisten: selbstbewusst ihre Lage analysierende Prostituierte, ein untergetauchtes Mädchen, Freier, ein alternder Karl Marx lesender Zuhälter, kleine und große Kriminelle. Sie stolpern durch das Labyrinth ihrer Umwelt und Sehnsüchte, immer auf der Suche nach dem guten Leben, einem Stück Gewinn vom großen Geld und Erlösung ihrer Seelen. Poetisch fremd und realistisch zugleich ist Im Stein eine Geschichte (ost)deutscher Verhältnisse des Hier und Jetzt – und führt gleichzeitig, mythologische Erzählungen des kollektiven Bewusstseins verschränkend, virtuos zu grundlegenden Fragen der globalisierten Gegenwart. Von der (realen) Aufdeckung eines kinderpornografischen Rings in Leipzig Anfang der 90er-Jahre ausgehend, findet der Roman eine intensive Sprache für das Intimste und im bürgerlichen Verständnis vermeintlich Unveräußerliche: Liebe, Erotik und (käufliche) Sexualität. Gezeichnet wird ein epochales Porträt einer urbanen Gesellschaft nach dem Scheitern der großen Utopien.

Die Komponistin Brigitta Muntendorf ist für ihren intermedialen und Genregrenzen aufhebenden kompositorischen Ansatz bekannt und ausgezeichnet. Ihre Annäherung an einen Roman als Grundlage für ein neues großes Musiktheaterwerk an der Oper Halle unternimmt entsprechend eine zeitgenössische Neuauflage dieses Genres als kollaborative, montierte und hybride Form: Zusammen kommen Musik und Text, Dramatik, Show bzw. Performance und Film. Der Strom des Schreibflusses in Im Stein findet eine Übertragung in einen ekstatischen musikalischen Strom, der experimentelle Clubmusik ebenso integriert wie fulminante orchestrale Passagen und die gesamte Bandbreite der menschlichen Stimme. Als eine moderne Odyssee der Nacht und rauer Passionsweg der Gegenwart stellt sich das dritte Auftragswerk der Oper Halle in der Regie von Michael v. zur Mühlen auch den großen Themen der Operngeschichte von Aufstieg und Fall, Gier, Zärtlichkeit, Eros und Thanatos und Erlösungsphantasien in einer entzauberten Welt.

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