Vorhang
Vorhang, (Foto: © Fotolia, vitaliy_melnik)

Hieronymus B.

Während ein vogelköpfiges Ungeheuer sich einen ganzen Mensch lebendig einverleibt und ein Schwein mit Habit zärtlich an einem Ohrläppchen knabbert, liegt eine Gruppe Nackter im schönsten Müßiggang Erdbeeren schmausend im sattesten Grün. Um sie herum merkwürdige Chimären zwischen Tier und Mensch; Landschaften aus Körperkonvoluten und merkwürdig surrealen Symbolen. Bei kaum einem Künstler steht der Körper als grotesker Leib zwischen Verzerrung, Transformation und Lust so ausdrucksstark im Zentrum wie bei Hieronymus Bosch. In seinen Werken existieren Höllenqualen und himmlische Verzückung nebeneinander. Seine komplexen Tableaus lassen sicher geglaubte Gegensätze wie schön und hässlich, eigen und fremd, tugend- oder sündhaft erodieren. Stattdessen zeigt er irdische und jenseitige Welten überbordender Spektakel.

Die niederländische Choreografin Nanine Linning lässt die Bildwelten Boschs in ihrem Tanztriptychon Hieronymus B. in größter Opulenz lebendig werden. Das Künstlerduo Les Deux Garçons bringt im ersten und zweiten Teil lebensgroße Objekte aus den Werken des Künstlers auf die Bühne. In einer begehbaren choreografischen Ausstellung erleben die Zuschauer*innen das Ballett Rossa als Teufel und Dämonen, Narren und gequälte Seelen. Den Körper als virtuoses Wunderwerk zwischen Zerrissenheit und Aufbegehren stellt Nanine Linning im dritten Teil des Tanzabends in den Fokus. Ihre kraftvolle Choreografie ist den düsteren Höllenlandschaften aus Boschs Garten der Lüste nachempfunden. In ihrer zeitgenössischen Tanzsprache findet sie eine direkte physische Verbindung von mittelalterlichen Ikonen ins Hier und Jetzt, heutige Menschen mit ihren Sehnsüchten und Ängsten zeigend. Die Staatskapelle Halle spielt Werke von Händel, Purcell und Scarlatti sowie ein Auftragswerk des zeitgenössischen Komponisten Michiel Jansen, das diesen spannungsgeladenen Zeitensprung vollendet.

Nanine Linning war bis zum Sommer 2018 künstlerische Leiterin und Chefchoreografin der Dance Company Nanine Linning am Theater Heidelberg. Sie kreierte zahlreiche Uraufführungen und ist dafür mehrfach ausgezeichnet worden. Mit ihren multidisziplinären Arbeiten verlässt die Niederländerin ausgetretene theatrale Pfade und lässt Tanz nahtlos in Design, Video, Musik und bildende Kunst übergehen. Ihre extrem physischen Choreografien rekurrieren auf menschliche Instinkte, Begierden und Emotionen. Ihr Tanzabend Hieronymus B. feierte am 18. Januar 2015 anlässlich des 500. Todesjahres Boschs am Theater und Orchester Heidelberg seine Uraufführung, dort wurden in den Theaterwerkstätten auch Bühnenbild und Kostüme gefertigt „Ein Triumph“ schrieb die Fachzeitschrift Die deutsche Bühne und der Deutschlandfunk urteilte: „Wie das getanzt ist, mit welcher Kraft und Anmut, Expressivität und manchmal auch Demut, das ist sehr, sehr stark.“ Die Erfolgschoreografie, die für zahlreiche Vorstellungen vor ausverkauftem Haus sorgte, ist nun an der Oper Halle erstmals in Mitteldeutschland zu erleben.

*Eine Produktion des Theaters und Orchesters Heidelberg, UA 18.01.2015, Theater Heidelberg, Koproduzent der Produktion war Stichting Jheronimus Bosch 500. Herstellung der Ausstattung in den Werkstätten des Theaters und Orchesters Heidelberg*

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