Vorhang
Vorhang, (Foto: © Fotolia, vitaliy_melnik)

Bastien und Bastienne / Eine florentinische Tragödie

Bastien und Bastienne von Wolfgang Amadeus Mozart und Alexander Zemlinskys

Eine florentinische Tragödie: Zwei Stücke über die Liebe, die auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten. Im Singspiel des zwölfjährigen Mozart müssen ein Schäfer und eine Schäferin gegen die unsauberen Intrigenspiele des örtlichen Dorfwahrsagers ihre traute Zweisamkeit neu entdecken – ganz im Sinne des Natürlichkeitsideals des Rokoko. Manchmal scheint sie einfach, diese Liebe. Bei Zemlinsky hingegen erwischt ein Tuchhändler seine Frau in flagranti mit dem florentinischen Prinzen und bringt über dessen Ermordung neues Feuer in das dröge Eheleben. Ein spätromantischer Einakter von Alexander Zemlinsky nach einem Fragment von Oscar Wilde, uraufgeführt 1917, danach bis in die 1970er vergessen. Hier ist die Liebe psychologisch, intensiv – und letztlich ebenso unglaubwürdig wie bei Mozart. Zwei Werke, in Stil und Orchesterbesetzung größtmöglich voneinander entfernt – und auf faszinierende Weise ähnlich.

Tobias Kratzer untersucht in seiner Inszenierung dieses Mozart-Zemlinsky-Doppelabends die Auswirkungen einer kommerziell organisierten Gesellschaft und ihrer Wettbewerbsstruktur auf die Liebesbeziehungen des und der Einzelnen. Denn Liebe ist bei Mozart und Zemlinsky mitnichten die unveränderliche Größe, als die sie in der Regel angenommen wird. In beiden Werken ist das menschliche Gefühlsleben immer auch gesellschaftlich motiviert – etwa wenn bei Mozart der Schäfer Bastien seine Bastienne für eine höhergestellte Dame verlassen will oder bei Zemlinsky die bürgerliche Bianca hinter dem Rücken ihres Mannes eine Affäre mit dem Prinzen pflegt. In den Werken selbst gehen die Geschichten in beiden Fällen gut aus: Bastien und Bastienne versöhnen sich genau wie der Tuchhändler Simone mit seiner Frau Bianca jedoch nicht aus wahrer Liebe, Einsicht oder Selbsterkenntnis, sondern schlicht und ergreifend wegen äußerer Umstände. Bastien und Bastienne und die Florentinische Tragödie hinterlassen pervertierte Paarkonstellationen, die in ihrer Unbarmherzigkeit nichts an Aktualität verloren haben. Heute machen Dating-Apps und Seitensprung-Portale die Liebe katalogisierbar und quantifizierbar. Unterwirft sie sich in jüngster Zeit den Mechanismen des Marktes – oder hat sich seit Mozart eigentlich nichts geändert?

Das vielbeachtete Regieteam Tobias Kratzer / Rainer Sellmaier arbeitet in der Spielzeit 2018/19 auch an der Oper Frankfurt, debütiert an der Deutschen Oper Berlin und zeichnet für die Inszenierung von Wagners Tannhäuser bei den Bayreuther Festspielen 2019 verantwortlich.

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