Vorhang
Vorhang, (Foto: © Fotolia)

Die Großherzogin von Gerolstein

Die Großherzogin von Gerolstein wirbelt in ihrem ungestümen Reformeifer den verknöcherten Beamtenapparat allzu sehr durcheinander – man muss sie mit Unwesentlichem bei Laune halten. Ein kleiner Krieg gegen den Nachbarstaat beispielsweise erscheint Baron Puck und General Bumm als eine geeignete Beschäftigung. Während die junge Monarchin also das Regiment inspiziert, können die Herren weiter ihre Politik betreiben. In ihrem Machtspiel aus Strategie und Kalkül haben sie allerdings nicht mit den willkürlichen Leidenschaften der Regentin gerechnet. Denn sie schwärmt für den einfachen Soldaten Fritz und ernennt ihn im Handumdrehen zum General und Oberbefehlshaber der nahenden Schlacht. General Bumm wird derweil in den Ruhestand geschickt. Als wäre das nicht schlimm genug, kehrt Fritz sogar siegreich ins Herzogtum zurück. Den Triumph musste er keineswegs mit Blut bezahlen, denn er hat das feindliche Heer bis zur Kampfunfähigkeit mit Wein abgefüllt. Die Verhältnisse scheinen Kopf zu stehen. Oder doch nicht? Denn ihre Zuneigung für Fritz darf die Großherzogin ihm nicht eingestehen, der Standesunterschied ist zu groß. Stattdessen soll sie den langweiligen Prinzen Paul heiraten. Gut für Fritz, der liebt nämlich das Bauernmädchen Wanda. Vorerst muss er allerdings einem Mordkomplott entkommen. Die Staatsbeamten wollen den Aufsteiger wider Willen schnell beseitigen, bevor ihr Einfluss weiter schwindet.

Als Jacques Offenbach 1867 seine Großherzogin von Gerolstein während der zweiten Pariser Weltausstellung zur Uraufführung brachte, war er auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Mit Orpheus in der Unterwelt, Die schöne Helena oder Pariser Leben hatte er der Operette nicht nur zu großer Popularität verholfen, sondern sie zur Meisterschaft geführt. Doch seine Werke sind keineswegs seichte Schunkelstücke aus dem Heimatmuseum, sondern beißende Satire voll subversiver Doppelbödigkeit. Es geht in ihnen um nichts weniger als die schwungvolle Verkehrung bürgerlicher Verhältnisse: „Was im staatlich geregelten Alltag fest und sicher hochgehalten wird, rutscht hier in sich zusammen. Und was im Alltag kurz und klein gehalten wird, macht sich hier stark und pocht auf sein verpöntes Existenzrecht. Rausch herrscht und Verbrüderung, ungebremste Liebes-, Trunk-, Tanz- und Augenlust.“ (Volker Klotz).

Nicht umsonst werden Operetten dieses Kalibers Offenbachiaden genannt. Wenn Unterhaltung und Politik so lustvoll aufeinandertreffen wie hier, dann entfaltet Theater sein aufrührerisches Potential und die Welt wird im besten Sinne auf den Kopf gestellt.

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