Die richtige Zeit für Weiterbildungen - Perspektiven und Förderungen

Die Kulturbranche liegt brach, könnte man meinen. Doch das stimmt nicht. Egal ob Bühne, Fernsehen oder Literatur, Kulturhungrige warten auf Angebote. Und hinter den Kulissen tut sich viel. Neue Programme werden geschrieben, Künstler bilden sich weiter oder verlagern ihre Aktivitäten ins Internet.

Weiterbildungen für Kunst- und Kulturschaffende

Während große Wirtschaftsunternehmen ihre Angestellten in Zeiten der Kurzarbeit mit staatlichen Fördergeldern weiterbilden lassen können, suchen Kunst- und Kulturschaffende oft nach Geld und Seminaren, um Weiterbildungsangebote überhaupt wahrnehmen zu können. Die gute Nachricht: Auch für Künstler gibt es Möglichkeiten, sich die Seminarkosten bezuschussen oder komplett bezahlen zu lassen, wenn die Angebote den Richtlinien für eine Förderfähigkeit entsprechen. 

Thematisch können hier unterschiedliche Bereiche nach passenden Themen durchsucht werden. Jeder Künstler ist auch Unternehmer und muss sich daher mit Themen wie Marketing, Kommunikation oder Selbstpräsentation auseinander setzen. Vorträge oder Lesungen zu halten, bedarf auch einiger Kompetenzen, die in verschiedenen Rhetorikkursen vermittelt bzw. gestärkt werden. Hier kann ggf. sogar Einzelcoaching wahrgenommen werden. 

Ob und wie Seminare gefördert werden können, teilen die Seminaranbieter meist in ihren Programmen mit. Auf vielen Webseiten gibt es die Möglichkeit via Livechats mit den Bildungsanbietern zu schreiben, um Fragen hierzu beantworten zu lassen.



Fördermöglichkeiten, welche gibt es und wie können sie genutzt werden?

Bei den Fördermöglichkeiten muss nach den persönlichen Voraussetzungen geschaut werden. Wer beispielsweise als Bühnendarsteller einen Vertrag hat, der noch läuft, und sich in Kurzarbeit befindet, kann seinen Arbeitgeber ansprechen und die oben bereits erwähnten Fördermöglichkeiten für Unternehmen nutzen. In dem Falle muss das Theater bzw. der Träger des Theaters die Anträge stellen und den Künstler für entsprechende Weiterbildungen anmelden. Die Arbeitsagenturen haben hier ebenso Ansprechpartner, die beratend zur Seite stehen, wie auch die Bildungsträger gern bei der Antragstellung unterstützen, weil sie dadurch ja auch Kunden gewinnen. Diese Konstellation wird unter Künstlern allerdings die Ausnahme sein.

Eine zweite Möglichkeit, die Künstler nutzen können, die in ihrem Leben bereits bei einem Arbeitgeber vermögenswirksame Leistungen angespart haben, ist die, Weiterbildungskosten hieraus zu bestreiten (Weiterbildungssparen). Aus den angesparten Prämien können bis zu einem gewissen Teil, die Seminare bezahlt werden. Eventuelle staatliche Zuschüsse, die es zu den vermögenswirksamen Leistungen gab, bleiben davon komplett unberührt, selbst wenn die Laufzeiten für die Verträge noch kurz sind. In dem Fall beraten die Bildungsträger ebenfalls, wie vorzugehen ist, um diese Option zu nutzen.

So bitter es ist, der Idealfall unter dem Gesichtspunkt der Förderung ist tatsächlich die bereits bestehende oder akut drohende Arbeitslosigkeit und die damit einhergehende Meldung bei Arbeitsagentur oder Jobcenter. Denn hier können verschiedene Modelle der Weiterbildungsförderung genutzt werden.

Der Bildungsgutschein

Bildungsgutscheine sind für Bildungsangebote vorgesehen, die meist umfangreicher sind und ggf. auch mit Berufsabschlüssen oder Zertifikaten enden, die im weiteren Berufsweg hilfreich sind. Inzwischen haben selbst Fernuniversitäten viele Studiengänge, die mit Bildungsgutscheinen abgerechnet werden können. Der Vorteil beim Bildungsgutschein ist, dass sowohl die Bildungsmaßnahme, wie auch Nebenkosten (Fahrtkosten und in Ausnahmefällen Unterkunft) übernommen werden. Selbst Kinderbetreuungskosten die aufgrund der Teilnahme entstehen, können bis zu einem Höchstbetrag übernommen werden. Da der Gutschein für ein Bildungsziel ausgestellt wird, kann er bei einem Bildungsanbieter seiner Wahl eingelöst werden.

An den Bildungsgutschein ist allerdings die Verpflichtung zur Teilnahme geknüpft. Seminare können nur aus zwingendem Grund abgebrochen werden, allerdings wird ein Ende des Leistungsbezugs meist als Grund akzeptiert, weil der in der Regel aufgrund einer Arbeitsaufnahme erfolgt.



Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein

Der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS) wird trägergebunden ausgestellt und beinhaltet Seminare in Kleinstgruppen oder Einzelcoachings. Auch hier werden die Kosten voll übernommen und Fahrtkosten erstattet. Da diese Angebote üblicherweise mit den Kunden so terminiert werden, dass Kinderbetreuungszeiten und persönliche Situation berücksichtigt werden und die einzelnen Termine nur kurz andauern, sind die AVGS sehr beliebt.

Von Trägerseite aus, werden Inhalte der Maßnahmen zu Modulen zusammengestellt. Am verbreitetsten ist hier sicher das sogenannte Bewerbungscoaching, doch inhaltlich sind die Angebote oft viel breiter aufgestellt. Hinzu kommt, dass nach einem ersten Gespräch beim Bildungsanbieter auch ein komplett individuell abgestimmtes Angebot zusammengestellt werden kann, welches dann mit Rücksprache der Gutscheinausstellenden Behörde in Anspruch genommen werden kann.

Persönliches Budget

Zu dem Thema informieren die Jobcenter und Arbeitsagenturen in der Regel nicht. Verbreitet ist dieser Begriff in Zusammenhang mit der Teilhabe von behinderten Menschen am Leben. Doch es gibt dieses Instrument auch für Leistungsempfänger von Arbeitslosengeld. Das persönliche Budget ist ein Betrag, aus dem Ermessensleistungen bezahlt werden können. Gerade im künstlerischen Bereich gibt es ja viele Themen, zu denen sich kein Träger nach AZAV zertifizieren lässt. Spezielle Maltechniken beispielsweise oder das kreative Schreiben. Hier kann der persönliche Ansprechpartner ggf. eine Kostenzusage machen, wenn der Betrag nicht sehr hoch ist, denn üppig ist dies Budget nicht.

Der Antrag auf Förderung an Arbeitsagentur oder Jobcenter

Der Antrag kann formlos eingereicht werden. Manchmal reicht es sogar, den Antrag mündlich zu stellen. Doch allzu oft wird so eine mündliche Abfrage abgebügelt und es gibt dann keine Möglichkeiten, Rechtsmittel einzulegen (Widerspruch). Bei einem schriftlichen Antrag, muss schriftlich reagiert werden und damit wird automatisch auf Widerspruchsfristen usw. hingewiesen.

Damit der Antrag möglichst positiv beschieden wird, macht es Sinn, diesen gut zu begründen. Am effektivsten ist es, sich seinen Wunschkurs schon herauszusuchen und die relevanten Daten (Beginn, Dauer und Kosten) darzulegen. In einigen Sätzen kann dann Bezug auf die Inhalte genommen werden, und inwieweit das Seminar langfristig hilft, seinen Lebensunterhalt mit der Kunst sichern zu können.

Die richtige Zeit ist jetzt!

Die Pandemie dauert nun schon so lange an. Und immer hoffen die Kulturschaffenden, dass es Öffnungen gibt und sie wieder arbeiten können. Neben der aktuellen Situation, nicht arbeiten zu dürfen, kommt in der Zukunft auch noch hinzu, dass die Kulturstätten stark unter den fehlenden Eintrittsgeldern zu leiden haben. Ob alle wieder öffnen können, darf zumindest angezweifelt werden. Daher ist es jetzt die richtige Zeit, sich fortzubilden und die eigenen Chancen zu verbessern. Ganz abgesehen davon, fördert Lernen den Geist und verbessert auch das Allgemeinbefinden. Es bietet eine Perspektive die viele Künstler aktuell vermissen. 

Und selbst wenn kein Fördertopf genutzt werden kann. Das Internet bietet unheimlich viele MOOC und selbst YouTube hat eine Menge Lernvideos zu allen möglichen Themen. Da das Internet für viele noch eine Zeitlang die Bühne bleiben wird, lohnt es sich auf jeden Fall, sich mit den Themen Podcasts aufnehmen, Videos bearbeiten etc. auseinanderzusetzen. Auch das ist Weiterbildung.