Merkur-Spielbank in Halle: Trotz Baugenehmigung wird die Roulette-Kugel nie rollen

In Sachsen-Anhalt gab es bisher zwei offizielle Spielbanken. Nach vier Jahren Pause kommt nun die dritte hinzu. Was die Spielbank besonders macht, wer sie betreibt, warum trotz Millioneninvestition die Roulettekugel nie rollen wird und wo die Casinos in Sachsen-Anhalt zu finden sind, verraten wir Ihnen hier.

Spielbanken in Sachsen-Anhalt

Bisher werden von der Merkur Spielbanken Sachsen-Anhalt GmbH & Co. KG, die zur Gauselmann Gruppe gehört, zwei Casinos in Sachsen-Anhalt betrieben. Eines in Magdeburg und eines in Günthersdorf (Stadt Leuna). In einer Pressekonferenz im Februar 2018 bestätigte die Merkur Spielbanken-Gruppe dann vier Jahre nach dem letzten Spielhallen-Bau die Spekulationen, die es in Halle schon länger gegeben hatte: Im K&K an der Franckestraße 1 wird die dritte Spielbank Sachsen-Anhalts eröffnet werden. Seinerzeit war als Eröffnungstermin noch der August 2018 geplant. Da die Baugenehmigung allerdings erst im Spätsommer erteilt wurde, verzögerte sich der Bau.

Betreiber

Die Merkur Spielbanken Sachsen-Anhalt GmbH & Co. KG ist ein Gemeinschaftsunternehmen der familiengeführten, ostwestfälischen Gauselmann Gruppe sowie der schweizerischen Stadtcasino Baden AG. Im Rahmen des Auswahlverfahrens im Jahr 2013 konnte sich das Unternehmen für die Erteilung der Zulassung zum Spielbankenbetrieb in Sachsen-Anhalt durchsetzen. Im Jahr 2014 erhielt es dann de Zulassung zum Betrieb der öffentlichen Spielbanken in Sachsen-Anhalt. Besonders die Umsetzung des Konzeptes in Leuna-Günthersdorf erregte Aufmerksamkeit, denn hier entstand das modernste Casino Deutschlands mit einem bisher neuen Gesamtkonzept aus klassischem Casinospiel, Automaten und einem gastronomischen Angebot, das mit umfangreichen Events und Veranstaltungen gekoppelt ist. Die Eröffnung der Spielbank in Magdeburg fand schließlich im April 2016 statt.



Lizenzproblematik

Als Betreiber von Spielbanken in Sachsen-Anhalt hat Merkur ein Problem: Das Unternehmen verfügt nur über zwei Lizenzen für komplette Casinos mit klassischem Spieleangebot. Vier Lizenzen hält man hingegen für Spielbanken mit Spielautomaten. Durch die beiden bestehenden Casinos, bei denen es sich um vollwertige Casinos inklusive Croupiers und klassischen Spielen handelt, sind die beiden vorhandenen Lizenzen aufgebraucht. Entsprechend ist der Betreiber gezwungen, am Standort ein Casino zu errichten, das ausschließlich mit Automaten betrieben wird.

Neues Casino in Halle

Der Vorstand bei Merkur, Dieter Kuhlmann verriet, dass zunächst mit 85 Geräten begonnen wird, es jedoch eine Option gibt, auf 120 Geräte zu erweitern. In den Räumlichkeiten in Halle wird es entsprechend der Vorgaben des Spielbankengesetzes keine Croupiers und auch keine klassischen Casino-Tischspiele geben. Man konzentriert sich hier ausschließlich auf elektronische Spielvarianten der klassischen Spiele und ergänzt diese um 3D-Spiele und aufwändige Automaten aus unterschiedlichsten Bereichen.

Die Spielbankenleitung wird laut Supersonntag übrigens Tobias Hellbach übernehmen, der bereits bei der Eröffnung der Spielbank in Leuna-Günthersdorf fest zum Team gehörte.

Casino ohne Croupiers - alles virtuell?

Der Betreiber will am Standort ein reines Automatencasino eröffnen, das sich durch einen Angebotsmix neuester Spielautomaten unterschiedlicher Hersteller auszeichnet. Zu den Highlights sollen - trotz fehlender Croupiers und Dealer - virtuelle Varianten von Blackjack, 3D-Automaten und verschiedene elektronische Roulette-Varianten gehören. So kann sichergestellt werden, dass die beliebten Casinospiele trotz der Auflagen im Casino in Halle spielbar sein werden. Wenn die Umsetzung nach neuestem technischen Stand erfolgt, lassen sich alle Richtlinien des europäischen Roulette auch am virtuellen Tisch einwandfrei umsetzen. Schließlich geschieht dies in zahlreichen Onlinecasinos schon seit Jahren. Durch den Verzicht auf Dealer wird hier wahrscheinlich die europäische Variante gespielt werden, die den Hausvorteil herabsetzt, da man im Fall der Null 50% des Einsatzes zurückerhalten kann. Schließlich soll das Roulettespiel - wenn es schon 'nur' virtuell stattfindet, zumindest attraktiv für die Spieler sein. Man darf in Halle also kein Geister-Casino erwarten, sondern vielmehr eine Pilot-Umsetzung.



Spielhalle und Denkmalschutz

Über Denkmäler in Halle wird immer wieder diskutiert und auch in unserem Magazin haben wir das Thema historische Straßenzüge in Halle schon mehrmals aufgegriffen. Das Gebäude in der Franckestraße 1 unterliegt sowohl innen als auch außen dem Denkmalschutz. Dennoch wurde die Baugenehmigung für den Ausbau zur Spielbank genehmigt. Dass dies ein durchaus sinnvoller und logischer Schritt ist, zeigt die Vorgehensweise bei der Planung und Abwicklung. So wurde das gesamte Designkonzept von der Dipl.-Ingenieurin/Archtektin Susanne Rasspe in enger Zusammenarbeit mit der Denkmalschutzbehörde entwickelt, die strenge Auflagen an die Erhaltung des historischen Charakters der Räumlichkeiten gekoppelt hat. So sieht das gesamte Konzept die Akzentfarbe Gold und Umbauarbeiten vor, die die historische Erhaltung möglichst authentisch und gut unterstützen. So kann eines der vielen Gebäude im Rahmen der Denkmalgeschützen Straßenzüge in Halle, die die historische Atmosphäre der Stadt bestimmen, langfristig bewahrt werden, ohne öffentliche Gelder aufbringen zu müssen. Durch die hohe Investitionssumme in Höhe von rund 4,5 Millionen Euro steht man dem gesamten Umbaukonzept inklusive Erhaltung des Denkmalschutzes sehr positiv gegenüber.

Vor- und Nachteile des neuen Konzepts

Laut einem Bericht in der Mitteldeutschen Zeitung wird die Spielhalle den Fokus auf Freizeitspieler legen. So gibt es im Gegensatz zum vollwertigen Casino keine Anzugspflicht, sondern es kann auch in Freizeitkleidung gespielt werden. Die Spieler müssen sich am Empfang registrieren und können dann das komplette Angebot nutzen. Ein gepflegtes Erscheinungsbild ist laut des Betreiberunternehmens aber wünschenswert. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Spieler das Geld direkt in den Automaten einzahlen. Hierfür werden ausschließlich Scheine akzeptiert. Gewinnausschüttungen erfolgen hingegen nicht in bar, sondern in Form eines Tickets, mit dem man zu anderen Automaten gehen kann. Dadurch wird das gesamte Casino sehr gut vor Überfällen geschützt, da Spaziergänge mit Bargeld-Kassetten durch die Spielbank entfallen.

Der Nachteil ist allerdings offensichtlich: Trotz der Bemühungen wird letztendlich aufgrund der fehlenden Croupiers und Dealer vermutlich kein echtes Casino-Feeling aufkommen. Ob die Spieler dies akzeptieren oder ob dadurch die Grenze zwischen Onlinecasino und Spielbank noch weiter verschwimmt, bleibt abzuwarten, denn letztendlich muss das Ziel von Spielbanken sein, sich klar vom Online-Angebot abzugrenzen, um für Kunden nach wie vor attraktiv zu sein.

Zukünftige Umwandlung in vollwertiges Casino

Ein Umbau zum vollwertigen Casino mit Dealern und Croupiers ist laut Betreiber zwar möglich, wird aber voraussichtlich innerhalb der kommenden Jahre oder sogar Dekade kein Thema sein. Nicht nur, weil die entsprechende Lizenz schlichtweg fehlt, sondern auch weil die hohen Investitionen zunächst auf die bestmögliche Umsetzung des Konzepts ausgelegt ist. Bevor eine Amortisation diesbezüglich erreicht ist, wird sicherlich ohnehin kein Umbau in Frage kommen.