Das Stadtbad: „… geplant mit frischem Mut, gebaut auf Felsen gut.“

Abbildung: Stadtarchiv Halle

Die Idee für eine der Körperhygiene und Körperertüchtigung dienende städtische Schwimm- und Badeanstalt in Halle kam bereits Ende des 19. Jahrhunderts auf, da nur für etwa 13 % der Bevölkerung ein Bad mit fließendem Wasser in der Wohnung zur Verfügung stand. Es existierten um 1910 zwar 16 private Bäder, darunter 7 Flussbadeanstalten, doch waren die Eintrittspreise, die von den Besitzern bestimmt wurden, für die ärmere Bevölkerung unerschwinglich. So bestand im Winter, wenn man nicht in der Saale baden konnte, keine Möglichkeit zur Körperhygiene. Das folgende Zitat zeigt die Einstellung der Bürgerschaft und der Stadtverordnetenversammlung: „Im Sommer badet man in der Saale und im Winter badet man überhaupt nicht!“

Durch die Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens konnten allmählich die hygienischen Bedingungen und die Sichtweise der Hallenser gebessert werden. Zu Beginn des Jahres 1907 beschlossen die städtischen Körperschaften endlich den Bau eines neuen Hallenbades auf einem Grundstück zwischen Großer Steinstraße und Schimmelstraße. Durch die seit 1889 auf der Großen Steinstraße fahrende Straßenbahn lag das zukünftige Stadtbad ideal und war so für Bewohner entfernter Stadtviertel gut zu erreichen. Die Ergebnisse eines Wettbewerbs, den das städtische Hochbauamt 1911 ausgeschrieben hatte, waren architektonisch unzulänglich und hätten zu hohe Unterhaltungskosten verschlungen – deshalb wurden diese Entwürfe abgelehnt.

Mit dem Amtsantritt von Wilhelm Jost (1874–1944) als Stadtbaurat im April 1912 begannen die Bemühungen um ein Stadtbad erneut. Jost begann die vorliegenden Entwürfe für die Schwimm-Bade-Anstalt grundlegend zu überarbeiten. Am 30. Juni 1913 – vor genau 100 Jahren – wurde sein Entwurf genehmigt und schon am 1. August wurde mit dem Bau begonnen. Das von seinen Zeitgenossen als gelungen und stimmungsvoll empfundene Stadtbad überzeugte die Stadtverordneten jedoch nicht aufgrund seiner Architektur. Die Nutzung des 40°C warmen Kühlwassers, das vom Gaswerk über eine Trasse zugeführten wurde, ermöglichte die Senkung der Heizkosten von rund 45.000 RM jährlich – das war das überzeugende Argument für die Politiker. Trotz des Ersten Weltkrieges konnte der Bau 1915 fertiggestellt und am 16. Februar 1916 feierlich eröffnet werden.

(Mathias Homagk, Kulturfalter Juni 2013)

Das Stadtbad von Halle - das Themenspezial