27. Kurt Weill Fest - Konzerte in Halle

Traditionell kann man Konzerte des Kurt Weill Festes auch außerhalb von Dessau-Roßlau erleben. Gerade im Jubiläumsjahr von Bauhaus ist das Fest ein landesweites Ereignis. Im folgenden stellen wir Ihnen einige Highlights und ein paar Konzerte in Halle vor.



Weltstars zu Gast in Dessau

Eleanor Reissa und Frank London (Foto: Adrian Buckmeister)

Dessau erlebt ein Konzert der Extraklasse mit zwei umjubelten Broadway-Stars, das in seiner Art einzigartig wird: Grammy-Gewinner Frank London, der mit seiner Band „The Klezmatics“ Weltruhm genießt, präsentiert gemeinsam mit der Autorin, Schauspielerin und Sängerin Eleanor Reissa ein reizvolles Programm, das den „amerikanischen“ Weill in den Mittelpunkt rückt. Seine Welthits, aber auch weniger bekannte Songs in originellen neuen Arrangements refl ektieren das breite Spektrum von Einfl üssen, die Weill damals inspiriert haben: von kongenialen Textdichtern wie Ira Gershwin über den Jazz, die amerikanische Unterhaltungsmusik und europäische experimentelle Musik, bis hin zum Theater, zur jüdisch geprägten Lebenswelt und zur ethnischen und kulturellen Vielfalt des New York der vierziger Jahre.

Der Hintergrund: Kurt Weill ist in New York eine Karriere gelungen, wie sie nur wenigen Emigranten aus Europa vergönnt war. Er betrachtete die USA als seine neue Heimat, eroberte erfolgreich das Broadway-Musical und konzipierte die Idee einer stilistisch vielfältigen „amerikanischen Oper“.

Kurt Weill in New York / am 9.3. um 19.30 Uhr im Anhaltischen Theater Dessau

Erinnerungen an die Pioniere der Moderne

Weill besucht 1923 das Bauhaus-Fest in Weimar und war sofort fasziniert von den neuen Impulsen. Das reizvolle multimediale Programm in der beeindruckenden Kulisse der Moritzburg kombiniert den Klang der 1920er-Jahre mit optischen Impressionen, persönlichen Erinnerungen sowie historischen Tondokumenten. Nach dem Konzert besteht die Möglichkeit, mit dem Museumsdirektor auf Entdeckungsreise zur Kunst der Moderne mit Werken von Feininger und Klee zu gehen. Die Musik dieses Konzertes kommt von Ferruccio Busoni, Kurt Weill und Ernst Krenek. Durch das Programm führt der Weill-Biograf Dr. Jürgen Schebera, es singt Stefanie Wüst, Reinhard Schmiedel spielt Klavier.

Wir atmen Bauhausluft … / am 10.3. um 11 Uhr im Kunstmuseum Moritzburg



Leben, Lieder, Leidenschaft

Ute Lemper (Foto: David Andrako)

Ute Lemper (Foto) wurde lange als „neue Marlene“ gehandelt, obwohl sie alles andere als eine Kopie der großen Berliner Schauspielerin und Chansonnière ist. Allerdings gehört sie zu den wenigen Menschen, die ein „Rendezvous“ mit der echten Marlene hatten. Und das war 1988, nachdem sie gerade in dem Musical „Cabaret“ einen Riesenerfolg gefeiert hatte. Drei Stunden lang telefonierte sie mit Marlene Dietrich, die Ute Lemper als Reaktion auf eine Postkarte angerufen hatte. Das Gespräch drehte sich um Marlenes Leben, ihre Arbeit und ihren Stil, ihre Liebe zu Rilke, ihr kompliziertes Verhältnis zu Deutschland, ihre Trauer und ihre Faszinationen.

1992 hatte Ute Lemper dann in Berlin im Theater des Westens Premiere als Lola in „Der blaue Engel“ – in ebender Rolle, die Marlene 1928 zum Star gemacht hatte. Das Programm „Rendezvous with Marlene“ nimmt die Zuschauer mit in die Vergangenheit und lässt sie am Gespräch mit dem Weltstar teilhaben. Ute Lemper erzählt Marlenes Geschichte und singt ihre fabelhaften Lieder aus allen Kapiteln ihres Lebens, von den Berliner Kabarettjahren bis zu ihrer Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Song-Komponisten Burt Bacharach. Das Programm erinnert aber auch daran, dass Marlene Dietrich in den Jahren 1916/17 mit ihrer Mutter bei Verwandten in Dessau lebte, hier auch zur Schule ging und von ihrer Tante Vally von Losch ein Tagebuch geschenkt bekam, das sie seither intensiv führte.

Rendezvous with Marlene / am 16.3. um 20 Uhr im Steintor-Varieté

Spurensuche zur Klassischen Moderne

„Design“ ist ein kaum genau zu umschreibender Begriff . Von der Kunst unterscheidet sich Design hauptsächlich, weil es sich an Zweck und Funktion orientiert. Dennoch bleibt für „gutes“ oder „wirkungsvolles“ Design die künstlerische Intuition wesentlich. Nicht die bloße Funktionalität entscheidet, ob ein Auto ein Gebrauchsgefährt oder ein Kultgegenstand wird. Design will nicht nur Form und Funktion in möglichst zweckmäßiger Weise verbinden, sondern auch ästhetisch ansprechen. Im Idealfall wird es für viele Menschen zum vertrauten Symbol – wie etwa einst der VW-Käfer oder der Trabi, beides Autos, die von einem längst überholten Design gekennzeichnet waren. Aber wie ist es in der Musik? Ist eine mathematisch ausgeklügelte, perfekt gestaltete Musik, wie sie etwa Johann Sebastian Bach oder Philip Glass schrieben, gut „designt“, oder fehlt ihr die Wärme? „Die zunehmende Beherrschung der Natur und der physikalischen Gesetze wirkt sich auch auf Bau und Klang der Instrumente aus. Schon 1701 schrieb Giuseppe Maria Jacchini in Bologna die ersten Violoncellokonzerte. Das Konzert will die Entwicklung der Cellotechnik mit virtuosen Solo- und Duo-Werken berühmter Cellovirtuosen vom Beginn der industriellen Revolution bis in die Zeit Kurt Weills vorstellen. Am Violoncello ist Peter Bruns zu erleben.

Design & designte Musik / am 17.3. um 14 Uhr im Stadtmuseum Halle

Katja Riemann

Katja Riemann gehört zu den erfolgreichsten Schauspielerinnen ihrer Generation. In ihrem Programm für das Kurt Weill Fest rückt sie neben Kurt Weill einen bedeutenden deutschen jüdischen Schriftsteller in den Fokus des Abends: Edgar Hilsenrath. 1926 geboren und in Halle (Saale) aufgewachsen, fl oh Hilsenrath 1938 nach Rumänien, wurde in ein Ghetto verschleppt und gelangte befreit nach Palästina und New York. Seit 1975 lebt er wieder in Deutschland. Werke wie „Nacht“ oder „Der Nazi und der Friseur“ umkreisen die grausamen Erlebnisse des Ghettos, „Das Märchen vom letzten Gedanken“ rechnet mit dem Völkermord an den Armeniern ab.

Katja Riemann stellt dazu fest: „Der Genozid an den Armeniern wird bis heute von türkischer Politik nicht zugegeben. Es war der erste Genozid des 20. Jahrhunderts und die Nazis haben sich einiges daran abgeguckt. Spricht man von Genozid, spricht man auch immer vom Holocaust. Weill und Hilsenrath, beides Söhne jüdischer Mütter, haben Deutschland rechtzeitig verlassen.“ Weiterhin schreibt die Künstlerin über ihr Programm„Weill und Hilsenrath haben sich nie kennen gelernt, obwohl sie zu gleicher Zeit in New York lebten. In diesem Abend nun lassen wir sie sich begegnen, und ich glaube, sie hätten Freude aneinander gehabt. Der Abend wird performative Künste miteinander verweben: Literatur, Film und Schauspiel… “.

Das Märchen vom letzten Gedanken / am 5.3. um 20 Uhr im Anhaltischen Theater Dessau